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    Endlosigkeit.

    Wieder einmal: Weihnachten in Bucov! Bevor es so richtig kalt wird, möchten wir nochmal nach den Schwächsten schauen, die dringend unsere Hilfe brauchen!  Die Tage sind kürzer, aber wir machen das Beste draus. Unsere Tagesberichte sollen euch mitnehmen auf unsere Reise und euch helfen,  die Notwendigkeit unserer Arbeit vielleicht noch ein wenig besser zu verstehen.   

    Gestern nach dem 10 Stunden Campina Einsatz war kein Tagesbericht mehr drin. Wir waren einfach zu fertig. Heute ist es nicht wirklich besser, fast 10 Stunden waren es auch wieder in Bucov. 10 Stunden, die durchgetaktet waren, weil wir einfach gegen die Zeit ankämpfen. So schnell vergehen die Stunden, so schnell wird es dunkel.

    Der Morgen begann mit Erfassung in Kennel 193, als wir bemerkten, dass in den Kennels gegenüber tierisch Stress sein musste. Die Hunde waren lauter als sonst, dort in dem Bereich merkte man auch eine viel stärkere Gruppendynamik als sonst. Das bedeutet nie etwas Gutes. Florian ging vor, Schippe dabei. Ich musste die Reste vom Strohballen noch verteilen und kam dann hinterher. In dem Kennel, wo der Stress war, waren eigentlich nur sehr große Hunde, und ich wunderte mich, als ich sah, dass ein ganz kleiner Hund dort anscheinend stark verletzt wurde. Der kleine Kerl suchte zwar Schutz bei uns, aber er wollte sich nicht hochnehmen lassen, er schrie jedes Mal gleich ganz fürchterlich und wehrte sich mit den Zähnen. Das ging so also nicht, zumal die anderen Hunde auf der Lauer lagen und nur drauf wartet, das zu Ende zu bringen, was sie eigentlich tun wollten. Ich ging schnell los und holte eine Box, damit wir den kleinen Kerl dort rausholen konnten, ebenso informierte ich Catalina. Auch sie war sehr verwundert, dass der kleine Mann in diesem Kennel war, er musste geklettert sein…

    Jedenfalls sitzt der kleine Mann nun im Container, morgen machen wir bessere Fotos….

    Danach zeigte uns Catalina direkt einige ihrer Hunde im Vetkennel, die nun ausreisen können und ihn die Galerie dürfen. Wir haben uns entschieden, die Hunde dieses Mal nicht herauszuholen, weil die Dramatik, wenn sie wieder reingesetzt werden müssen, unfassbar groß ist. Für die Hunde, für uns. Emotional hätten wir das nicht gepackt. Außerdem wird so jedem Außenstehenden klar, was es für ein Leben ist, dort in den Vetkennels. Aber wir sind so sehr auf diese sicheren Unterbringungsorte angewiesen. So vielen haben sie schon das Leben gerettet….

    Weiter ging es bei uns mit Stroh und Fotos….während Aniela und Irina um das Leben der kleinen LIESA kämpften, die schlimm gebissen wurde. Sie hat es leider nicht geschafft….Der Stress aktuell wird leider auch durch die ersten Böller sehr geschürt, jedes Mal, wenn so ein unnützes Ding explodiert, drehen die Hunde nochmal auf und durch. Das forderte jedes Jahr sehr sehr viele Opfer. Ich hoffe so sehr, dass diese Sinnlosigkeit endlich verboten wird…..

    Liesa hat es nicht geschafft…:( 
    Strohbetten werden dankbar angenommen!

    Später haben wir noch DONKIE erfasst. Ein super sympathischer und toller Typ, der so leidet….er war Besitzerhund, wurde auch gut gehalten, liebte seinen Menschen….Gründe der Abgabe kennen wir nicht, aber der Kerl braucht dringend Hilfe. Er ist ein kleiner zentralasiatischer Owtscharka, komplett kupiert….er hat sich so gefreut und sein Geheule, wenn man wieder geht, ist herzzerreißend! Wir hoffen so sehr…..

    Viel Zeit kosteten uns Kennel 47/1 und 47/2. So viele tolle kleine und junge Hunde. Alle sassen sie dicht an dicht bei uns, wollten auf den Arm, obwohl es so kalt war…..Sie waren so fröhlich, dass endlich jemand nach ihnen schaut, endlich jemand Zeit verbringt mit ihnen…..Achja….

     

    Gegen 16 Uhr haben wir noch einzelne Hunde gesucht, viele gefunden….Und man kommt dann einfach nochmal rum und ist nicht nur lokal an einer Zwingerreihe beschäftigt. Man schaut hier un da, schaut in die Galerie, prüft Namen und Gesichter….und man läuft und läuft und sieht Zwinger um Zwinger, Hunde um Hunde…..so viele Augen, so viele Weinende. So viele, die ganz still in der Hütte liegen und einfach warten….warten auf nichts. Wenn man nicht nur einen Zwinger vor Augen hat, sondern durch solche Rundgänge diese Masse an Hunden auf sich wirken lässt, wird einem wirklich schlecht und bang…Es ist endlos. Die Not, die Anzahl der Hunde, die gebrauchte Menge an Futter, an Geld, an Lösungen………..für so viele Hunde ist es nicht gut hier. Für so viele ist die Unterbringung nur eine einfache Notlösung. Heute ist uns die große Anzahl der Schäferhunde aufgefallen…Sie leiden so wahnsinnig. Sie haben nichts von der Hundegruppe, sie haben nichts von der 24 Stunden freien Zeiteinteilung. Sie wollen Aufgaben, sie wollen die Nähe des Menschen. Sie schreien teilweise so laut, dass es einem durch Mark und Bein geht… dieser tolle Rüde in den 60er Kennels ist so ein Kandidat. Ganz sensibel, sehr empathisch, dynamisch, aber eingrenzbar….Er hält ständig Blickkontakt, sucht die Nähe…

     

    Wenn man abends Richtung Stadt fährt, um noch was zu essen und durch den großen Shoppping Center geht, um Leckerchen für den nächsten Tag zu kaufen, die Familie/ Freunde einem Urlaubsbilder schicken und man zwischen all den gestylten und konsumierenden Menschen umherläuft, hat man das Gefühl, man kommt gerade von einem anderen Stern. De Werbung wirkt noch affiger als sonst, die Musik noch greller, die zu kaufenden Dinge noch sinnloser. Morgen ist der letzte Tag in Bucov und ich habe jetzt schon echt Panik, dass ich nicht das schaffe, was dringend getan werden muss. Ich denke an Boxi, ob er die Nacht durchhält, an den kleinen geretteten Springer, der nun in seinem kleinen Kasten sitzt und an den alten Opa aus dem Vetkennel, der bestimmt Zahnschmerzen haben muss. Mir fällt ein, dass ich einen Hund in einem Kennel nicht erfasst habe, und dass ich der Schäferhündin aus 141 morgen wieder Nassfutter bringen muss. Meine Notfälle aus Campina sind immer noch nicht online, weil ich es nicht geschafft habe. Und das Video vom netten Hovawart Mix Rüden ist auch nicht hochgeladen. Bucov zehrt an einem, ich merke es gerade sehr deutlich und jedes Wort, was ich heute noch sprechen muss, ist eins zu viel. Das Radio ist immer aus, wenn wir hier Auto fahren, es passt einfach nicht mehr noch oben drauf. Die Gespräche drehen sich um wichtige Dinge, um Entscheidungen, die getroffen werden müssen, damit später nicht drei Hunde tot sind. Oder einer vergessen wurde zu erfassen. Smalltalk gibts hier wenig, hat niemand Zeit für. Brauchen wir auch nicht mehr. Die Tierärztinnen verstehen uns blind. Aniela und Mihaela verstehen, dass wir hier sind, um möglichst viel zu schaffen… Man verändert sich hier immer ein wenig, vielleicht wirkt es autistisch. Aber irgendwie kehrt man sich mehr nach innen, um auf sich selber ein wenig aufzupassen. Denn das hier ist aussaugend und absorbierend. Aber es ist wichtig. Ich weiß, dass ich mich heute sicher noch nicht so schlecht wie morgen fühle, wenn der letzte Tag anbricht. Und morgen werde ich mich noch nicht so schlecht fühlen wie übermorgen, wenn der Flieger abhebt und ich hier wieder alle zurück lasse….

    Müde + leise Grüße von Anna

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    Das Leid der Rasse…

    Wieder einmal: Weihnachten in Bucov! Bevor es so richtig kalt wird, möchten wir nochmal nach den Schwächsten schauen, die dringend unsere Hilfe brauchen!  Die Tage sind kürzer, aber wir machen das Beste draus. Unsere Tagesberichte sollen euch mitnehmen auf unsere Reise und euch helfen,  die Notwendigkeit unserer Arbeit vielleicht noch ein wenig besser zu verstehen.  

    Ziemlich kalt war es heute morgen und ich hatte meine Fleece Jacke über Nacht im Auto. Großer Fehler! Sie war eisig kalt…aber hilft nichts. Schal an, Mütze auf, los gehts…der erste richtige Werktag nach Weihnachten und die Straßen waren deutlich voller, auch im Shelter war mehr los. Mehr Arbeiter, Vorbereitungen für den Transport standen an… Die ersten Stunden haben wir weiter erfasst und noch einige Kennels mit Stroh befüllt und dort die jeweiligen Bewohner kennengelernt…

     

    CHERIE. Wunderschöne Lady…
    SALCONO hat deutlich abgebaut im Vergleich zu Oktober.
    TROUBADOUR…im Okt. 2018 das erste Mal kennengelernt…
    Eine großartige Lady mit Mammatumoren..:(

    Viele Hunde wurden heute verladen für unseren SOS Transport. Das geht mittlerweile richtig zügig. Die Seiten der Galerie werden ausgedruckt, Chipnummern dort aufgeklebt und dann suchen die Arbeiter die Hunde, laden sie in die Transportkäfige und fahren sie direkt ans Fahrzeug. Schnell waren alle Plätze belegt und die letzten Checks wurden gemacht. Sofort kehrte im Fahrzeug Ruhe ein, die Hunde rollten sich zusammen und genossen die Wärme und die saubere Unterlage. Niemand, der pöbelt, niemand der Sorge haben muss, dass ihm was passiert. Die Hunde merken sofort, dass sich jetzt gerade etwas für sie verändert. Diese Atmosphäre mitzuerleben, für die so viele Vorbereitungen von Nöten waren….unbezahlbar. Was muss vorher alles geschehen, damit solche Dinge möglich sind? Hier mal eine Auflistung:
    Hund wird gefangen, abgegeben. Hund wird geimpft. Hund übersteht Impfphase. Hund wird kastriert. Hund wird umgesetzt. Hund übersteht all das ohne Schwierigkeiten. Hund wird erfasst. Hund kommt in Galerie. Hund wird vorgestellt. Hund wird ausgewählt von Pflegestelle/Endstelle/Tierschutzverein. Endstelle/ Pflegestelle wird geprüft, beraten, vorbereitet. Vetrag wird gemacht. Hund wird ausreisefertig gemacht ( entwurmen, Blutentnahme, Spot on). Hund wird via Traces gemeldet. Transport wird geplant. Ausreisetag: Hund sitzt immer noch fit im Kennel und kann ausreisen. …….     Wahnsinn, oder?

    Und das hat mehr als 80 mal für den SOS Transport geklappt. Wie viele Stunden, wie viele fleißige Menschen waren daran involviert…..es macht mich sprachlos und glücklich. Und ein wenig stolz…denn das hier läuft nicht einfach mal ebenso rund. Es ist eine Frage der Struktur und Organisation und da wir mittlerweile wie ein kleiner Betrieb arbeiten und alle Schritte gut durchgedacht sind, können wir das leisten…. Und: Dieser ganze Transport ist komplett durch eure Spenden finanziert worden. Das ist so schön! So viele liebe Menschen sehen unsere Aufrufe und sagen: Ja, ich helfe. Ich gebe mein Geld dafür, damit das hier starten kann….  Dankbarkeit hat mich in dieser Phase de Tages wirklich durchströmt…hier die Impressionen….

    Dankbarkeit hat mich in dieser Phase des Tages durchströmt, weil die anderen Phasen des Tages eher nicht so wunderbar waren….

    Heute war ich zweimal so verdammt froh, dass wir zwei Vetkennels frei hatten, weil dort einige Hunde des Transport geparkt waren. Als wir bei 140 gerade Stroh machte und erfassten, und das ziemlich heftig war, weil wir von einem Mioritic Mix nicht sehr nett begrüßt wurden und ein andere Rüde in dem Kennel permanent versuchte, einen anderen Rüden massiv zu attackieren, fiel mir eine Schäfihündin in 141 auf, die umherlief…Eher war es ein Fallen, denn sie war furchtbar dünn. Ihre Beine machten einfach wahllose Bewegungen, weil sie so fertig war…  Als sie fast in die Matsche dort kippte, war uns klar: Die lassen wir nicht dort drin. Sie lief ganz brav an der Leine mit und wir bauten ihr ein Strohbett im Vetkennel. Sie war so froh darüber, dass sie gleich fast einschlief.

      

    Nebenan lagen zwei Hunde direkt nebeneinander. Beide waren heute in unterschiedlichen Kennels ziemlich zerlegt worden. Irina hat ihre Wundern versorgt und die beiden spendeten sich gegenseitig Trost auf ihrer kleinen Decke. Mulmig war mir. Man hält irgendwie zusammen. Obwohl man sich nicht kennt.

     

    Als wir gerade nochmal Stroh holen wollten, viel uns auf, dass in dem kleinen Hundewagen ein Hund sass. Und ich kippte fast in die Büsche, als ich erkannte, dass sich unter dem Tuch, mit dem der Wagen abgedeckt war, ein Boxerjunge hockte, den man als solchen nur schwer identifizieren konnte. Der Schädel war eingefallen, die Augen standen riesig hervor. Der zarte Kerl war nur Haut und Knochen, zitterte am ganzen Leib, die Rute war offen. Wenn man mich kennt: Ich liebe Boxer. Ich bin über die Boxer zur Liebe zum Hund gekommen und sie haben einen Teil meiner Kindheit geprägt. Ich selber habe einen Boxerrüden aus dem Tierheim Koblenz adoptiert und ich weiß, wie sensibel diese Kerlchen sind und dass sie von den körperlichen Eigenschaften die Hunde sind, die so am wenigsten in den rumänischen Winter passen: Keine Unterwolle, absolut starke Abgabe der eigenen Körperwärme, hoher Energiebedarf…. Und dann sitzt da so ein Kerlchen in einem Wagen….

    Ich rief Aniela an, wussste nicht, was ich tun sollte. In dem Wagen sitzen lassen…ging nicht. Heute Nacht sollen es minus 6 Grad werden. Da wäre er gleich tot… Sie bat uns, ihn den Vetkennel zu setzen, was wir auch gleich machten. Er trank circa 3 Liter auf einmal. Aniela rief erneut an. Sie hatte den Pförtner angerufen (er spricht nur rumänisch, wir können uns nur schwer verständigen…) und ihn gefragt, woher das Kerlchen kommt: Abgabe durch einen Mann, wohl Halter des Hundes. Boxi hat den kleinen Hund der Familie wohl ein wenig geärgert, so dass man keine Lust mehr auf ihn hatte und ihn kurzerhand in den Hinterhof verfrachtete. Dort hat man ihn dann wohl ein wenig lange vergessen, denn Boxi sieht aus wie der Tod.

    Der Trend hier, wenn man einen Hund hat, ist klar: Es muss ein Rassehund sein. Entweder weiß und fluffy für die Handtasche, oder eben Molosser…massiv, groß, schwer….Cane Corso, Tossa Inu, American Bulldog, Boxer, Mastiffs….sowas trifft man hier oft an. Schäfis nimmt man auch gerne, triggert sie an, damit sie doch irgendwie bewachen, und wenn das dann alles in die Hose geht, stellt man sie in Bucov vor die Tür. Viele Schäfis hier kennen Kommandos…. Alle hatten mal irgendwie eine Beziehung zu einem Menschen und brauchen diese auch… Wie sehr sie dann hier leiden, wenn sie abgestellt und sozial isoliert sind, muss ich niemandem erzählen. Die weißen Fluffys, die dann als reines Accessoire zu nervig wurden und hier völlig verstört und verfilzt landen, sind arme Knöpfe, die unter ihren Fellmassen leiden, die nicht gepflegt worden sind, oder hier nicht gepflegt werden können. Einmal richtig nass, ist die Lungenentzündung vorprogrammiert. Sie sind teilweise sehr verzweifelt, manche auch super ängstlich, weil sie unverstanden als Spielzeug in der Ecke landeten. Boxi wurde auch eines Tages gekauft, war bestimmt super süß als Baby…sobald das erste Problem auf den Tisch kommt, wird der Hund aus dem Leben ausquartiert. Ich kenne die geringe Frustrationstoleranz von deutschen Hundehaltern, die so viel Beratung erfahren könnten und man an vielen Problemen wirklich einfach arbeiten kann. Hier in Rumänien gibt es keine Hundetrainer, Hundeschulen oder Hilfestellung…hier gibt es dann nur die Lösung: Abgeben. Ob man den Hund dann vorher noch wochenlange einfach nicht versorgt, oder ihn direkt auf die Straße setzt, ist dann die zu unterscheidende Nuance. Ich war bedient nachdem wir Boxi dort untergebracht hatten. Warm ist es dort auch nicht, gemütlich schon gar nicht. Boxi war fix und fertig….Da wir aber noch gefühlt hunderte Hunde noch gar nicht gesehen haben, die ja auch unsere Hilfe brauchten, rafften wir uns auf für die letzte Runde, obwohl das Licht schon schlechter wurde….

    Heute Abend hatte ich mich dann wieder sortiert und bin meine Kontakte für Boxi durchgegangen…und siehe da…..Lösung gefunden! Sobald Boxi fertig geimpft und stabil für die Ausreise ist, darf er in eine wunderbare Zukunft fahren. Mit Boxern und Dackeln…Garten und toller Familie…. Da gehts mir schon einfach gleich besser……

    Und weil wir ein bisschen crazy sind, haben wir uns entschieden, dass wir morgen den ganzen Tag in Campina sein werden. Dort war ich seit Oktober 2018 nicht mehr und hier war länger niemand zum Erfassen dort….vermutlich wird auch im Mai erst der nächste Trupp dortsein…so dass wir hier einfach auch nochmal nach Notfellchen schauen müssen, die wir nicht durch den Winter gehen lassen können…. Der Akku von meiner Kamera lädt schon. 🙂

    Ich versuche jetzt noch einige Hunde in die Galerie zu bringen, vermutlich schaffe ich weniger, als geplant. Aber an diesen Zustand gewöhnt man sich auch langsam. Bis morgen, ich bin gespannt auf Campina!

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    365 Tage weiter…

    Wieder einmal: Weihnachten in Bucov! Bevor es so richtig kalt wird, möchten wir nochmal nach den Schwächsten schauen, die dringend unsere Hilfe brauchen!  Die Tage sind kürzer, aber wir machen das Beste draus. Unsere Tagesberichte sollen euch mitnehmen auf unsere Reise und euch helfen,  die Notwendigkeit unserer Arbeit vielleicht noch ein wenig besser zu verstehen. 

    Start früh am morgen Richtung Stadtteil Bucov. Alles schlief, als wir bereits das Hotel verließen. Weihnachten ist hier ein großes Fest, gestern Abend ging die Party bis früh morgens. Nichts war los auf den Straßen, der Supermarkt noch zu. Bucov begrüßt uns mit Matsche und nasser Kälte.  Und vielen Hunden…. Die, die frei auf dem Gelände unterwegs sind, weil sie ausgebüchst oder unplanmäßig zugewandert sind, kommen sofort ans Auto, sobald eine Tüte raschelt. Neugierige Augen mustern uns. Bei unserer ersten Runde durchs Shelter schlagen alle Hunde an, man kennt uns nicht, wir sind erst mal fremd. Diese unfassbare Lautstärke erschlägt einen anfänglich und man ist permanent in Dauerspannung, weil das hysterische Gekläffe uns in Deutschland in Alarmbereitschaft versetzt….

    Viele neue Zwinger wurden gebaut. Die letzten richtig großen Kennels wurden nochmal unterteilt, da sie quasi nicht mehr nutzbar für neue Hunde sind, da die alte Gruppe dort eine feste Formation bildet, die jeden neuhinzugesetzen Hund eliminieren möchte. Verschwendeter Platz, wenn 4 Hunde einen riesen Kennel haben. Geht nicht. Nicht in Bucov, wo alles quasi immer besetzt ist.

    Viele neue Hütten sieh man, und sie lassen sich durch das leicht abhebbare Dach so toll mit Stroh befüllen!

    Alt und neu…mit den Röhren war Bucov bestückt, als wir zum ersten Mal dort waren. Die letzte Rettung für die Hunde, aber leider sehr oft nur ein feuchter Windschlauch…

    Obwohl man natürlich in all diesen Jahren schon wahnsinnig viel erreicht und geschafft hat, erschlägt einen die unfassbarer Tristesse immer wieder. Matsche überall. Alles grau, kein grün. Der Wind pfeift um die Ecken. Jammern, weinen….stilles Freuen, kleine Spiele zwischen den Hunden. Neugierige Blicke, freudige Erwartungen, blanke Angst oder Aggression. Alles hier. Alles da. So viele Eindrücke. Die ersten 2 Stunden rattern so durch, der Kopf wird leer. Die Liste mit den Aufgaben nicht kürzer.

    Straßen aus Matsch. Leere Blicke. Bucov Tristesse.

    Da vor uns einige Volontäre bereits da waren, haben wir klare Kennel gelistet, wo länger niemand mehr drin war, oder genau erst vor kurzem neue Hunde hinzugesetzt wurden. Das ist erst mal die Zielsetzung. Die pinkgemarkerten Kennel auf dem riesigen Shelter Plan. Orientierung ist wichtig. Sonst wird man erschlagen, läuft wahllos und planlos durch die endlosen Zwingerreihen, filmt hier, knippst da. aber hat kein Konzept. Daher lassen wir auch niemanden einfach mal so nach Bucov ohne Anleitung, ohne erfahrenen Mitfahrer. Weil es einfach so nichts bringt und der Besuch ohne nennenswerte Ergebnisse verlaufen wird. Und man kommt hier nicht zum Sightseeing hin…. Wenn man nicht weiß, wie man helfen und was man den Hunden Gutes tun kann, dann fühlt man sich hier in wenigen Stunden überfahren und zerquetscht von der Last auf den Schultern.

    Daher verteile ich so gerne Stroh….es geht so zügig, man kommt rum, geht in viele Kennels, sagt jedem mal „Hallo“….und kann den Hunden in so kurzer Zeit so viel Freude bereiten. Gerade als es so ab 16 Uhr dunkler wurde und das Licht für Fotos zu schlecht wird, haben wir richtig Gas gegeben und viele Kennels schön mit Stroh befüllt. Da gehts mir direkt gleich besser, da man merkt: Ja, meine Hilfe kommt hier an!!

     

    Viele Welpen haben wir heute erfasst. So viele kleine Wesen, die hier sitzen und ohne uns nicht weiterkommen würden… Jedem verspricht man, dass es bald ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Doch wissen wir: Jeder wird es nicht schaffen…. Wie viele Hunde treffen wir hier nach 365 Tagen wieder, die in dieser Zeit nicht EINE Anfrage hatten…..es sind so viele……DANJO zum Beispiel. Im Dez 2018 das letzte Mal getroffen. Er sitzt immer noch in Kennel 115….365 Tage später hat er diese 7qm nicht verlassen. Nichts anderes gesehen, nichts erlebt. Wenn ich mir vorstelle, was meine Hunde in dieser Zeit alles erlebt haben? An wie vielen verschieden Orten wir spazieren waren…

    365 Tage wieder durchgehalten….wie tapfer sind nur unsere Hunde vor Ort.

    DANJO…..keine Chance. Mehr als 2 Jahre in Bucov.

    Morgen ist Trapo Tag. Wir werden helfen, aber vor allem darauf fokussiert sein, unsere Arbeit zu machen, für die wir hergekommen sind. Wir haben ein nicht so riesiges Zeitfenster für Fotos, weil wir einfach mit dem Licht arbeiten müssen. Wir sind gespannt auf morgen!

     

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    Was „vermisst“ bei uns heißt…

    So oft werden wie gefragt, warum manche Hunde mit „vermisst“ in der Galerie gekennzeichnet werden. Wie können die Hunde vermisst sein, wenn wir für sie verantwortlich sind und uns kümmern?
    Im sanctuary und in Baile kommt dies eher sehr selten bis gar nicht vor, in Bucov haben wir es hingegen sehr häufig, dass Hunde einfach nicht mehr gefunden werden. Das kann entweder durch ein Erfasserteam festgestellt werden, oder aber durch Mihaela und Aniela, die Hunde nicht mehr finden. Wir versuchen in Bucov weiter an der Verbesserung der Erfassungsthematik zu arbeiten, notieren immer mittlerweile extra beide Ohrmarken der Hunde in der Galerie. Aber es passiert immer wieder, dass ein Kennel doch nicht richtig verschlossen wird (Nein, das sind keine Schikanen durch die Mitarbeiter – keiner hat Lust, stundenlang mehr oder weniger erfolglos Hunde auf dem riesen Gelände einzusammeln…) und die Hunde dann ausbüchsen. Auch gibt es immer mal wieder ein Loch im Zaun, wo sich der ein oder andere durchquetschen kann, ohne dass man es direkt bemerkt. Leider werden auch morgens häufig tote Hunde gefunden, gerade nach nasskalten Nächten. Hier scheitert es teilweise immer noch am Informationsfluss zwischen den Arbeitern in Bucov und Aniela/Mihaela. Die Arbeiter sind angehalten, von den toten Hunden Fotos zu machen oder die Ohrmarken aufzuschreiben, damit man später weiß, welcher Hund es nicht geschafft hat… aber das passiert leider nicht immer so, wie wir uns das wünschen würden.
    Daher tappen wir manchmal einfach im Dunkeln, wenn der Hund nicht mehr im Kennel ist und niemand mitbekommen hat, dass er aktiv umgesetzt worden ist…
    Auch hier ist es einfach ein großes Problem, dass wir so viele Kennels in Bucov haben, dass man nicht auf die Schnelle einen Hund wiederfindet, wenn dieser umgesetzt worden ist. Oftmals finden wir Hunde auch wieder, wenn wir mit Teams vor Ort sind und systematisch die Kennels durchgehen. Die Ohrmarken helfen uns dann, die Hunde zu identifizieren.
    Daher auch nochmal die Info zu den Ohrmarken: Alle kastrierten Hunde bekommen eine Ohrmarke, damit man später auch grade bei den Hündinnen weiß, dass sie kastriert sind. Die Nähte sind teilweise so klein, dass man sie später gar nicht mehr erkennt. Sie helfen also nicht bei der Nachfrage, ob der Hund nun kastriert ist…
    Ebenso bekommen die Hunde direkt eine Ohrmarke, wenn sie auf der Straße eingefangen werden. Diese Ohrmarken haben meist jedes Jahr eine andere Farbe oder Nummernanzahl, damit man weiß, wie viele Hunde pro Jahr von der Straße gefangen wurden. Schön sind die Ohrmarken nicht, teilweise reißen sich die Hunde damit auch das Ohr auf oder eine dicke Entzündung setzt sich dort fest. Aber es ist für uns vor Ort in Bucov die einzige Chance, eine Übersicht zu haben. Wir brauchen die Ohrmarken ebenfalls sehr für unsere Galeriearbeit und viele Hunde konnten dadurch identifiziert und wiedergefunden werden…
     
    In Bucov ist vieles sehr anders. Die Maßeinheit, mit der dort gemessen wird, ist nicht zu vergleichen mit der bei uns. Die Umstände dort benötigen andere Lösungsansätze. Der Blick auf die Sache ist ein anderer. An einem Tag dort kann so viel passieren. Freud und Leid liegt so nah beieinander. Bitte seid vorsichtig mit schnellen Anschuldigungen. Niemand ist explizit schuld daran, wenn ein Hund vermisst ist. Der Hund ist in keine Tötung verschleppt oder verkauft worden. Es war auch keine Erfindung von uns, dass dieser Hund dort jemals gelebt hat. Es ist für uns alle mehr als traurig, wenn ein Hund kurz vor der Ausreise nicht mehr auffindbar ist. Wenn sein Glück einfach zerrinnt und er seine Chance nicht ergreifen kann und vielleicht erneut irgendwo in langer Nacht alleine unterwegs ist.
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    Finale…und doch noch gar nicht am Ziel…

    Wir sind wieder eine Woche vor Ort in den Karpaten bei unserem Projekt in Baile Herculane und nehmen euch sehr gerne mit auf die Reise ins Shelter. Wir versuchen jeden Abend einen kleinen Abriss über unseren Tag für euch zu erstellen, damit ihr mit dabei seid und Dinge vor Ort besser verstehen könnt.

    Morgens versorgen wir zu erst immer die Hunde in der Quarantäne und die kleinen Welpis in den P Kennels. Die Quarantäne ist aktuell fast leer, Annemarie und Noralie sind dort alleine untergebracht. Doch ein Tag fängt hier meistens mit einer Überraschung an und so kam heute morgen CHLOE zu uns ins Shelter. Eine Bekannte von Mishu hatte sie auf der Straße gefüttert und dann ins Shelter gebracht, da sie total voller Kletten und ohne Besitzer war. Eine ganz nette Hündin, die sich so über ihr erstes Nassfutter freute. Sie stellen wir ganz bald in unsere Galerie in. 

            

     

     

     

     

     

     

     

    Heute haben wir noch einiges an Erfassung auf dem Schirm gehabt. Die kompletten B- und C-Kennels mussten noch besucht werden…Über 70 Hunde sind das…Augen, Köpfe, Nasen…Farben, Größen…Schicksale. Mein Kopf brummt, am Ende des Tages waren wir  einfach nur fix und fertig. Heute war es nochmal heißer und sehr schwül, echt nicht so einfach. Beim Erfassen muss man sich auch immer ein wenig nach dem Sonnenstand richten. Zum einen natürlich wegen dem Licht für die Fotos und zum anderen natürlich auch, wie viel Schatten in den Kennels ist. Die Hunde ziehen sich bei dieser Hitze immer in die Häuser hinein, weil es dort schattiger und ein wenig kühler ist, aber darin zu fotografieren ist echt schwierig. Mittlerweile hat man schon eine sehr gute Struktur und Vorgehensweise für sich entwickelt, um besonders effektiv zu arbeiten. 

    Shady. Immer noch bei uns…
    Taikumi…
    Nejla…so nett!
    Jakuma…relativ neu im Shelter..

    Wir haben es aber geschafft und haben nahezu von jedem Hund Fotos und Videos gemacht, bei allen zugänglichen Hunden die Chipnummern ausgelesen. 

    Auch JEANIE und SANCHO haben wir heute endlich besucht! Beide sind von ihrem provisorischen Eingangszwinger umgezogen in E11…zusammen mit einigen anderen Hunden und es scheint den beiden wirklich gut getan zu haben, die Tapeten ein wenig zu wechseln…

    Jeanie…

    Auch in Kennel E11 haben wir Opi WILLHELM kennengelernt. Ein rüstiger Typ, der auch mal 9 gerade sein lässt…

     

    Die Babies haben wir die Tage immer zweimal gefüttert, dazu immer ein wenig Nassfutter. Wenn ich das Futter vorbereitet habe, standen alle schon am Zäunchen parat. So schnell haben sie sich daran gewöhnt…

    Satt und müde…

    Auch heute haben wir weitere Hütten verteilt. Mishu und Team werden die anderen Hütten ebenfalls bald im Shelter unterbringen, Bedarf ist an jeder Ecke. Viele alte Hütten sind echt in die Jahre gekommen…

    Die Stunden verflogen wie Minuten und irgendwann war es Zeit, dass wir uns verabschieden. Die letzte Runde machen, nochmal schnell etwas filmen, schnell nochmal ein Foto schießen. Man versucht einfach das Maximale für jeden herauszuholen. Damit auch er oder sie endlich eine Chance erhält und etwas anderes erleben darf, als den kleinen Zwinger… Man fährt immer so betrübt weg, obwohl man hier in Baile weiß, dass man alles in gute Hände gelegt hat. Dass man sich auf das Team und die Menschen hier verlassen kann. Dass sie die Hütten noch verteilen, die kleine Hündin umsetzen, Husky Rocoh einmal am Tag sein Nassfutter bringen, damit er zunehmen kann…

    Das A-Haus…
    E 1-5 …die Einzelkennels.
    Blick auf das Vethouse.

     Wir haben auf dem Markt heute Abend noch 8 Wassermelonen gekauft, denn hier gibt es die besten, die man jemals gegessen hat. Morgen früh, 4 Uhr deutscher Zeit starten wir den Motor und sind dann hoffentlich um Mitternacht in Deutschland. Das Herz ist schwer, der Kopf ist voll. Die Erfassungslisten lang. Danke, dass ihr uns auch auf dieser Reise wieder begleitet habt, dass ihr Anteil nehmt an dem Schicksal der uns anvertrauten Wesen. Danke, dass ihr unsere Beiträge teilt, die finanzielle Grundlage für unser Shelter seid und aktiv dabei mithelft, damit solche Projekte wie dieses weiterhin am Leben bleiben können. Denn sie sind wichtig und zeigen, dass man eben nicht sinnlos töten muss, sondern nachhaltig und strukturiert auch hier in Rumänien arbeiten kann. Das zeigt auch die Hundezahl in Baile, die seit mehr als 4 Jahren immer auf dem selben Stand ist. Je nach Jahreszeit beherbergen wir immer um die 350 Hunde…. 350 Hunde, die fast alle gute Chancen haben, eine gute Zukunft verbringen zu dürfen. Einen großen Dank an euch alle! Für uns war das heute das Finale hier erst mal, aber wir sind noch lange nicht am Ende…wir bleiben dran und sind euch unfassbar dankbar! 

    Beste Grüße von Anna!

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    Endspurt… Es bleibt nicht mehr viel Zeit.

    Wir sind wieder eine Woche vor Ort in den Karpaten bei unserem Projekt in Baile Herculane und nehmen euch sehr gerne mit auf die Reise ins Shelter. Wir versuchen jeden Abend einen kleinen Abriss über unseren Tag für euch zu erstellen, damit ihr mit dabei seid und Dinge vor Ort besser verstehen könnt.  

    Heute haben wir den Auslauf wieder non stop besetzt. So oft es geht, wechseln wir durch, damit alle etwas davon haben. Die Panikhunde, oder die, die gar nicht mit der Leine zu bewegen sind, müssen leider zurückbleiben, denn wir müssen die Hunde ja natürlich auch nachher wieder anleinen und aus dem Auslauf herausführen. TELDOR hat seine Zeit sehr genossen und wir haben auch das alte Winterfell entfernt. 

    Teldor mit Farissa im Auslauf.

    Für JÜKE und SKROLLAN haben wir uns heute mal mehr Zeit genommen. Die beiden Ladies sind schon sehr lange bei uns und nie konnte man sie wirklich anfassen – vor allem JÜKE schoss nur von A nach B. Nachdem wir ihre beiden großen Zwingerkumpels in den Auslauf gebracht hatten, konnten wir die beiden in der Bewegung ein wenig ausbremsen. Beide zeigten aber klar, dass sie absolut defensiv bleiben und nur das Eis gebrochen werden muss. So lange wurden sie nicht mehr angefasst, so lange Zeit kennen sie nur ihren Zwinger. In erfahrenen Händen mit souveränen anderen Hunden sind beide aber absolut hantierbar. Diese Erkenntnis heute hat uns sehr gefreut…

    Jüke beamt sich vom Kopf weg, bleibt aber total defensiv.

    Auch KENDAO hat uns total überrascht heute. Er fraß aus der Hand, war deutlich mehr dabei und ließ sich auch vorsichtig anfassen. Im April haben wir aus seinem Kennel einen recht ruppigen Rüden weggesetzt und KENDAO TABITO und COSBY zur Seite gestellt, zwei sehr nette junge Hunde. Heute sind noch TÜPFEL und CACADU dazugezogen, eine dynamisch-freundliche Truppe nun. Tut KENDAO richtig richtig gut. 

     

    Tierärztin Andreea behandelt einen kleinen neuen Rüden aufgrund seiner Ohrenentzündung.
    Auch COOLIO war lange im Auslauf.

    Da wir ja total gegen einzeln sitzende Hunde sind, und das wirklich nur tun, wenn es gar nicht anders geht, ging mir auch MR. BEETLE nicht aus dem Kopf, wie er da alleine in E3 hockte. Heute haben wir es einfach mal probiert und ihn bei 3 Teenagern untergebracht in MelsNest. Das Gefälle zwischen diesen Hunden ist nun recht groß, was Konflikten entgegenwirken sollte. MR. BEETLE war die Ruhe selbst, checkte alles aus, machte gut dosierte Ansagen und konnte den Mittag schon recht entspannt in der Sonne dort verbringen. Den Junghunden tut es geht, nun einen Strukturgeber an ihrer Seite zu haben und für MR: BETTLE ist am Tag nun einfach viel mehr los. Mehr Interaktion, mehr Leben, weniger Langeweile. Ich freu mich total!

    MR. BEETLE in der neuen Gruppe…

    Heute haben wir schon einige Hütten verteilt, und die Hunde haben sich echt gefreut. Herzlichen Dank für eure flotte Materialhilfe. Das hat sich echt gelohnt!!

    Das erste Heu ist für dieses Jahr auch fertig und bald kann es in das Heulager gepackt werden. Damit füllen wir im Winter die Hütten und Körbchen der Hunde, wenn es kalt wird. 

    Morgen ist schon der letzte Tag mal wieder und wir haben echt noch richtig was zu tun. Die B und C-Kennels haben wir bisher noch nicht richtig im Auge gehabt, da müssen wir dringend nochmal ran…Auch wollen wir weitere Hütten verteilen und einige Hunde umsetzen…es bleibt viel zu tun, aber wir haben schon eine Menge geschafft. Und auch Zuhause habe ich echt noch richtig viel zu tun, damit die Hunde schnell in die Galerie kommen. 

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    Gerechtigkeit? Wo gibts denn die?

    Wir sind wieder eine Woche vor Ort in den Karpaten bei unserem Projekt in Baile Herculane und nehmen euch sehr gerne mit auf die Reise ins Shelter. Wir versuchen jeden Abend einen kleinen Abriss über unseren Tag für euch zu erstellen, damit ihr mit dabei seid und Dinge vor Ort besser verstehen könnt.  

    Heute war der bisher heißeste Tag. In der Mittagszeit brennt einem die Sonne so sehr auf der Haut, dass man es echt nicht lange aushält.  Auch die Hunde ziehen sich dann in den Schatten zurück, was in den meisten Kennels schon ganz gut gelöst ist. Einige Kennels stehen noch in der prallen Sonne. Hier haben wir angefangen, einige Tarnnetze, die wir vom Tierheim Koblenz gespendet bekommen haben (DICKES DANKE!!), aufzuhängen, die schön luftdurchlässig sind und nicht zerreißen. 

    Florian spannt das Tarnnetz.

         

    Das erste hängt nun bei unserer großen Herdi Gruppe. Bisher ist leider nur eine Schwester ausgereist, die anderen warten nach wie vor. Tolle Hunde – in den richtigen Händen. OLIRI hat nochmal einen richtigen Größensprung gemacht… MARTHA seht ihr hier aufm dem Foto. Eine ganz sanfte und vorsichtige Seele, für sie brauchen wir doch auch endlich eine Lösung!

    Das größte Problem aktuell vor Ort sind einige Einzelinsassen, unter anderem 3 Staffis, die leider gar nicht verträglich sind und null Chancen haben, nach Deutschland auszureisen. Für sie ist der Freilauf eine kurze Abwechslung, bevor sie wieder in ihre Kennel müssen. Diese sind natürlich recht klein, weil wir einfach nicht so viel Platz hier auf dem Gelände haben. Bisher ist jegliche Vergesellschaftung gescheitert. Diese Situation ist alles andere als einfach und vor allem nicht gerecht. Bisher ist uns keine Lösung eingefallen…ein Leben voller Tristesse. 

    Hündin SHALLY im Auslauf…

    OSCHO und RANIA haben wir heute umgesetzt. Sie waren nach ihrer Sticker Behandlung noch in der Quarantäne unter gebracht, aber ihnen gehts nun wieder so gut, dass wir die beiden umgesetzt haben. OSCHO hat ein tolles Plätzchen in Mels Nest bekommen und hat dort von seinem Körbchen aus eine tolle Rundumsicht. Für ihn hat sich das Umsetzen wirklich gelohnt. Bei anderen Hunden ist es aber manchmal so, dass sie aus Platzgründen umgesetzt werden müssen und sie nicht wirklich happy über diese Veränderung sind oder der Zwinger einfach schlechter gelegen ist. Die P Kennels bspw. liegen nah am Haus, ständig ist jemand dort und sie sind ganz neu gemacht. Dort sind aber nun mal unsere Welpis untergebracht. Andere Hunde, im A-Haus, haben deutlich weniger Input und Kontakt nach Außen ihn. Sie sind teilweise wirklich sehr isoliert, aber welche Lösung soll es geben? Natürlich bekommen sie so auch weniger vom Stress mit, aber was ist das für ein Leben für einen Hund? Ein soziales Wesen, was dabei sein will, Anschluss haben möchte… Mich macht das manchmal so traurig, weil egal wie sehr man ackert und nachdenkt und sich abmüht. Niemals wird es für alle gut sein, niemals wird man alle zufriedenstellen können, wie man das vielleicht mit seinem eigenen Hund schafft, der daheim wirklich das Luxusleben genießt…Es gibt einen Satz, der diese Reisen immer prägt: Gerecht ist das alles nicht. Egal in welchem Shelter, egal in welchem Zwinger. Man wird immer ein armes Wesen dort sitzen haben, dem es ganz und gar nicht gut geht…

    Für Mamalica und ihre Babies konnten wir es heute aber deutlich besser machen. Sie durften in Kennel G8 umziehen. Ein neuer Kennel, mit neuer Hütte, gut gelegen…Als die kleinen Babies dort neugierig auf Entdeckungstour waren, nachdem wir alles mit Hasendraht nochmal doppelt gesichert hatten und die Mama im Schatten entspannte, war man kurz ganz zufrieden…Wenigstens für diese Family konnte man eine gute Lösung finden…

    Highlight des Tages war eine Kontrolle durch die Verterinärbehörde. Zwei Amtsveterinärinnen nebst Assistenz kamen ins Shelter und schauten sich verschiedene Zwinger an, vor allem aber den Bereich, der dann bald als Ausreisebereich dienen sollte. Ich hatte euch ja geschildert, dass Mishu so viele Formulare beantragen musste. Heute kam dann nochmal eine Kontrolle, die ihm aber nun final besiegelte, dass alles vorschriftsmäßig ist. Große Erleichterung! 

    Am Abend haben wir noch einige Kennels erfasst mit kleineren Hunden, da dort relativ viel Schatten war…nette Bande. Auch sie kommen alle ganz bald in die Galerie, ich versuche mich zu beeilen. 

    Morgen kommt Tierärztin NOEMI aus Timisoara und wird einige neue Hunde kastrieren und wir werden mit dem Verteilen der ersten fertigen Hütten beginnen…Viel zu tun! Wie immer. 

     

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    Tag 2 – Wir sind mittendrin!

    Wir sind wieder eine Woche vor Ort in den Karpaten bei unserem Projekt in Baile Herculane und nehmen euch sehr gerne mit auf die Reise ins Shelter. Wir versuchen jeden Abend einen kleinen Abriss über unseren Tag für euch zu erstellen, damit ihr mit dabei seid und Dinge vor Ort besser verstehen könnt. 

    Das Gras steht aktuell richtig hoch rund ums Tierheim und viele Schlangen verstecken sich dort, teilweise sehr giftige Vipern, die für Mensch und Hund gefährlich werden können. Der Traktor hat ein neues Equipment bekommen, und die Männer haben heute mit der Installation begonnen.

    ROCOH – unser Notfall Husky ist heute ins Shelter zurückgekommen. Er wurde bereits in Craiova aufgrund seines gebrochenen Hinterlaufs operiert. Jetzt ist er zu Remus und Freundin gezogen, klappt ganz gut. ROCOH ist ein Traum! Sehr entspannt, freundlich, kann gut runterfahren…

    Über IVVY haben wir uns heute sehr gefreut. Er ist so aufgetaut und wir konnten heute richtig mit ihm schmusen. Er hat es sehr genossen und wir hoffen, dass er auch bald endlich hier raus kann. Seit 2017 (!) sitzt er in ein und demselben Kennel. Keine Abwechslung, nur Langweile. 

    DUFFIE und JONAS waren mit uns heute im Auslauf. Sie haben soch so gefreut. DUFFIE ist erst mal 4 Runden non stop gerannt…Aber immer bei uns in der Nähe. DUFFIE ist einer, der nicht auffällt optisch. Aber er ist so ein herzensguter Typ, der sich einfach nur freut, dass man 10 min bei ihm im Dreck auf dem Boden hockt. Rührend traurig… Was bei Jonas nicht richtig läuft, verstehen wir auch nicht. Er ist nun 3 Jahre bei uns und damit einer der Spitzenreiter. Er hatte noch nie eine Anfrage, noch nicht mal Interessenten. Dabei macht er alles gut, richtig und freundlich. 

    Das Leben war mal kurz „gut“ für DUFFIE…
    JONAS  kriegt die Haare gezupft…

    Einige Welpen sind aktuell nicht gut drauf. Zwei haben wir aus der Gruppe genommen, beide sind super schlaff, es sieht aktuell nicht gut aus. 🙁 Der kleine braun-weiße Kerl ist uns schon sehr ans Herz gewachsen. Wir nennen ihn BRUMMI, weil er große Pfoten hat…Wir drücken ihm feste die Daumen, dass er es packt. 

    Auch in Baile gibt es Hauthunde. Aktuell sind 4 Geschwister vor Ort, die es richtig schlimm erwischt hat. Tierärztin Andreea behandelt schon einige Zeit, langsam wächst ein wenig Flaum. 

    Aufgrund der Mittagshitze, in der man keine Hunde fotografieren kann, weil das Licht viel zu hart ist und die Hunde sich alle in den Schatten verkümmeln, haben wir Planschbecken, Hundekörbe und Näpfe gespült. Ich erinnere mich dabei immer an die Zeit, in der Mishu die Hunde im alten Schweinestall untergebracht hatte und es kein fliesend Wasser gab….Ja, man ist auch hier für jede kleine Entwicklung dankbar!

    Auch PANTAU haben wir heute wieder getroffen, er ist sehr schmahl geworden, aber immer noch so voller Freude, wenn man bei ihm ist. Auch für ihn gab es bisher noch nicht mal eine Anfrage…

    Neue Gesichert sind uns natürlich auch begegnet. Hier drei tolle Mädels, alle richtig nett. Wir stellen sie euch die Tage vor. 

    Heute Abend haben wir noch die gesamte Quarantäne geputzt, Aktuell sitzt dort auch MAMICKA. Eine tolle Mama, die ihre Babies liebevoll versorgt. Sie lahmt hinten relativ stark, sie kam von der Straße, hat stellenweise Hautprobleme… Viele kleine Babies machen viele kleine Häufchen. Wir sind mal gespannt, wie der Raum morgen aussieht…………..

    Morgen wollen wir einige Junghunde umsetzen, die noch in ihren Welpenkennels sitzen, für die sie nun aber zu groß geworden sind und wir brauchen die Kennels dringend, um einige Welpengruppen auseinanderzusetzen, die sich aktuell schon heftig nerven…Unausgelastete, halbstarke Junghunde, das kann ein Pulverfass werden…

    Gogu hat mit uns das Hüttenbauprojekt heute geplant, wir brauchen circa 20 Hütten, Mishu hat das Holz schon besorgt. Wer dafür spenden möchte, kann das gerne tun. Ich habe beide Facebook eine kleine Aktion dazu angelegt:

    https://www.facebook.com/donate/1264187983752672/ 

    Wir starten morgen mit dem Bau, Gogu sägt uns alles und wir werden bohren + schrauben im Akkord. Ihr seht…viel zu tun, viele Dinge müssen gelöst werden, aber step by step gehts weiter…Aufgeben, sitzen bleiben, sich wegdrehen…das geht irgendwie nicht. Nicht solange durch unsere Arbeit so viel gestemmt werden kann… Die Sonne macht sehr müde und morgen wollen wir früh starten….Gute Nacht! Noapte Buna!

     

     

     

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    Von Fliegen und Formularen – Tag 1 in Baile Herculane

    Wir sind wieder eine Woche vor Ort in den Karpaten bei unserem Projekt in Baile Herculane und nehmen euch sehr gerne mit auf die Reise ins Shelter. Wir versuchen jeden Abend einen kleinen Abriss über unseren Tag für euch zu erstellen, damit ihr mit dabei seid und Dinge vor Ort besser verstehen könnt. 

    Die Fahrt gestern verlief sehr planmäßig, dennoch verdrängt man immer sehr schnell, wie weit der Weg doch ist, wie viele km Autobahn gestemmt und wie viele Tunnel und Brücken überquert werden muss, bis man wieder hier ist, in der mir schon so vertrauten Gegend. Ich fühle mich nicht mehr fremd hier, sondern kenne mittlerweile so viele Ecken, kulturelle Gegebenheiten und die Landschaft, dass mir alles sehr vertraut erscheint. Mishu und Familie kenne ich nun seit mehr als 7 Jahren und uns verbindet nicht nur die gemeinsame Arbeit, es ist schon eine Freundschaft geworden. Das merkt man sehr deutlich, wenn wir uns alle wieder hier begegnen.  

    Im April war ich zuletzt hier, viel Zeit ist also nicht vergangen, doch nimmt man einige Veränderungen wahr. Morgens am ersten Tag machen wir immer eine Rundfahrt durch das Örtchen, was wunderbar gelegen ist. Kurvenreich führt die Hauptstraße vorbei an alten Prunkbauten, die in den letzten Jahren immer weiter zusammengerutscht sind. Doch heute konnten wir feststellen, dass endlich Gerüste stehen und sogar ein Kran arbeitete… Die Presse hier hatte einige Male deutliche Worte für das Zulassen dieses Verfalls gefunden und es scheint sich nun wenig etwas zu tun. Es wäre auch so schade darum, diese historischen Bauten einfach so gehen zu lassen. Aktuell ist das Städtchen gut besucht, viele Rumänen verbringen hier in den Bergen, zwischen den vielen Quellen, ihren Sommerurlaub und erholen sich vom Leben in der Stadt, die oftmals hier in Rumänien eine sehr schlechte Luftqualität aufweist. Hier in Baile ist die Luft sehr mild, die Sonne sehr intensiv und das Klima einfach angenehm, was man auch den Pflanzen ansieht. Ringsrum ist alles grün, die Rosen blühen und auch das Shelter ist richtig zugewuchert. Mishu hat einige Dinge gepflanzt, gerade die Weiden sind seit April nochmal richtig explodiert und liefern nun den so wichtigen Schatten. 

    Aber auch bei den Hunden ist uns viel aufgefallen. Neue Gesichter macht man sofort aus, die meisten haben uns sehr überschwänglich begrüßt, voller Freude über die Ablenkung im tristen Alltag. Aber auch bekannte Gesichter freuten sich sehr über unsere Anwesenheit. Aktuell ist es teilweise sehr warm, dann kühlt es wieder ab und Regen gibts hier literweise. Optimale Bedingungen für Fliegen. Hier ist derzeit alles voll damit und auch die Hunde sind echt ganz schön genervt von den Biestern…

    Die Begegnung mit Dogo-Cane Corso Mix Hündin MAROSLELE hat uns sehr berührt. Ihre Ohren sind brutal abgeschnitten, das Gesäuge hängt tief. Sie wurde klar als Zuchtmaschine missbraucht…Mishu hat sie ausgesetzt am Friedhof gefunden, nur Haut und Knochen, die Haut kaputt von den vielen Flohbissen. Jetzt kann sie hier erst mal ein wenig Kraft tanken. MAROSLELE ist wirklich ein Schatz. Gutmütig, ruhig, verträglich, anhänglich…. Es ist tragisch, was sie alles schon erlebt hat, aber wir sorgen uns darum, dass es für sie endlich besser wird…

    Schmusen ist das Größte für MAROSLELE…
    Flora und Fauna ist hier in den Karpaten noch durchaus intakt…

    Im Auslauf sind aktuell MAROSLELE, FRATELLO und Wuschel EETU untergebracht. Sie müssen wir morgen umsetzen, damit auch andere Hunde den Auslauf nutzen können. Mal sehen, was uns dazu einfällt…

    Am späte Nachmittag wurde noch eine kleine Hündin gebracht. Ein Auge zerdrückt, stark humpelt. Auch sie ist wieder eine von den vielen Hunden, die durch ein Auto angefahren wurde. Erstversorgung ist gemacht, morgen muss genauer geschaut werden, ob wir zum Röntgen fahren werden… Eine ganz rührende Gestalt. Wir nenne sie BAKIMA…

    Sicherer Hafen…

    Auch BOSTON haben wir besucht. Im April war er frisch geschoren, weil er völlig verfilzt ins Shelter kam. Nun ist sein Fell schon deutlich gewachsen und wir haben ihn fast gar nicht erkannt. Er ist deutlich schneller runtergefahren, legt sich dann auch mal ab und genießt das Streicheln. Im April war er sehr nervös, das bessert sich nun, aber auch weil er alleine sitzt. Er will nicht raus in die Gruppe. Ihn stresst das. Selbst wenn die Tür in seinem Zwinger offen ist, bleibt er in seinem Abteil.. 

    Eine ganz tolle Truppe an 4 Schwestern wird auch bald in unsere Galerie ziehen. Alle ganz ruhig, geerdet und entspannt…

    Mishu war heute viel unterwegs, er musste einiges an Papierkram erledigen und verschiedene Behörden besuchen, denn das Shelter in Baile ist nun auch ein offizieller Ausreisepunkt. Die Behörden in Rumänien wollen gegen kleine, private Shelter vorgehen, die keine offizielle Genehmigung haben und teilweise im animal hording ausarten oder die Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleistet ist. Dies kommt aktuell hier sehr sehr häufig vor, weil viele Menschen aus Empathie und Mitgefühl die Straßenhunde aufnehmen, ihnen helfen und sie schützen wollen, sich aber dann völlig verausgaben und alles in einer riesen Katastrophe endet. Durch geprüfte Ausreisepunkte, von denen die Hunde nur mit Traces ausreisen können, soll so die private Verschickung der Hunde ins Ausland verhindert werden. Am Freitag war der Amtsvet hier und hat sich die die Kennel, die dafür genutzt werden sollen, angeschaut und abgenommen. Ob das nun die Entwicklung und die Arbeit für alle leichter macht, wird sich zeigen… Jedenfalls hat alles wieder Tage und Stunden gedauert und Mishu hat gefühlt 45 verschiedene Zettel und Formulare gebraucht, um das alles nun so in trockenen Tüchern zu haben…

    Nach dem ersten Tag fokussiert man auch schon die ersten Ziele für diese Reise. Wir brauchen dringend noch Hundehütten, da einfach zu wenig Struktur aktuell gegeben ist. Diese bauen wir vermutlich mit Gogu einfach selber, weil selbst einfach Hütten ausreichen, da alle unsere Kennels in Baile nun betoniert und teilüberdacht sind. Dann müssen wir dringend die Quarantäne leeren, die Hunde dort brauchen alle einen festen Zwinger… Durch den Transport am Freitag sind 20 Hunde ausgereist, davon auch einige große. Wir haben also ein wenig Luft und schauen wieder, was wir für wen auch immer besser machen können…

    Viele Grüße aus den Karpaten sende wir euch!

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    Der „Alle-Zeit-der-Welt-Fehler“…

    Ich muss wieder schreiben. Weil etwas in mir arbeitet, was ich in letzter Zeit wieder vermehrt beobachte.
    Etwas, was nicht gut ist. Etwas, was ungesund ist. Etwas, was einfach nicht richtig ist.

    Unsicherer Hunde begegnen uns ständig. Im Alltag hier bei uns in Deutschland, die noch niemals Straßenhund waren oder in einem Tierheim hockten. In Rumänien sitzen sie ebenfalls zu Hauf, gestapelt in den Sheltern, vielleicht sogar auch dort aufgewachsen. Alle unsicheren Hunde, egal wo sie sitzen, was sie erlebt haben oder was sie eben niemals kennenlernen durften, wirken auf Menschen anders, als Hunde, die stabil und souverän durch den Alltag stapfen. 
    Die Anteilnahme bei den Hunden, die wir vorstellen, die durch ihren Blick schon zeigen, dass für sie alles um sie herum zu viel ist, ist immens. Man will helfen, man will Lösungen finden. Ich kenne dieses Gefühl. 
    Oft finden sich auch sehr empathische und liebevolle Menschen, die diesen Hunden dann ein Zuhause / Pflegestelle ermöglichen können. 
    Die erste Lösung ist also gefunden. 
    Doch was danach kommt, ist meist viel entscheidender als „Rettung“ an sich. 
    Ich persönlich kann jedem wirklich nur großen Dank aussprechen, der sich dieser Aufgabe, einen unsicheren Hund wieder ins Leben zu holen, zutraut und vernünftig durchführt. 
    Doch leider gibt es davon nicht allzu viele, die klar wissen, welche Dinge gut laufen müssen, damit auch wirklich eine Entwicklung, ein Fortschritt in der Psyche des Hundes festzustellen ist. 
    Ich halte rein gar nichts von dem Ansatz „Er kriegt alle Zeit der Welt und muss erst mal gar nichts…er soll von sich auf auftauen…“. 
    Vielleicht funktioniert dieser Weg – Mensch wartet ab, ist quasi der Versorger und Moderator – bei manchen Hunden und sie machen von sich aus dann nach einiger Zeit erste Schritte in die belebte Welt…
    Meine Erfahrung zeigt mir aber, dass es leider selten der Fall ist und viele Hunde, die alle Zeit der Welt bekommen, sitzen Wochen oder Monate drinnen, huschen in den Garten, aber Interaktion, Leinenführigkeit, Kontaktaufnahme, ist nicht möglich. 
    Geschirranziehen ist unmöglich. 
    Ich rate wirklich jedem, die ganze Geschichte wesentlich interaktiver und fordernder zu gestalten.
    Natürlich soll der Hund ankommen, natürlich soll er nicht ab Tag 1 mit Leine und Geschirr überfordert werden und bei der Familienfeier zwischen allen Gästen den Strahlemann spielen. Aber man sollte sich sehr wohl Ziele vor Augen führen, die es zu erreichen gilt. 
    Rückzugsorte sollen gegeben sein, ja, aber der Hund soll sich nicht tagein, tagaus in der Box verrkriechen. Tut er das, schraubt den Deckel der Box ab, holt den Hund in eure Mitte und zeigt ihm ganz bewusst euren Alltag auf. 
    Fasst den Hund bitte auch sehr gezielt an. Duzzi Duzzi Aktionen am Kopf und vorsichtiges Gehampel mit 3 Fingern sollte dringend unterlassen werden. Festes und ruhiges Streicheln ist da wesentlich effizienter. Lasst den Hund nicht unkontrolliert durch die Gegend tigern. In der Regel sollte der Hund ab Tag 1 Geschirr tragen, an dem eine leichte Leine (Hausleine) befestigt ist, mit der ihr ihn ganz gezielt steuern und ggf, auch aus Ecken herausholen könnt, ohne ihn zu sehr zu bedrängen. Hausleinen schaffen Kontrolle, aber gleichzeitig auch Raum…ein wunderbares Hilfsmittel. Sollte euer Hund bei Berührung starr werden, lasst euch davon nicht beeindrucken. Er kennt es nicht, so angefasst zu werden, wird es aber in wenigen Tagen durchaus auch langsam genießen können. Sollte er nervös werden, Abwerschnappen zeigen, lasst ihr euch davon bitte ebenfalls nicht beeindrucken. Setzt euch freundlich daneben, lasst Raum nach vorne und hinten und haltet ihn einfach seitlich bei euch. Das „Halten“ ist eine sehr gute Übung, um Sicherheit und Souveränität auszustrahlen. Ihr zeigt damit, dass ihr absolut bewusst, friedlich und steuernd handelt, alles das, was euer Hund nun braucht. 
    Auch sollte der Hund durchaus in der ersten Woche, die er bei euch ist, einen ersten kleinen Ausflug nach draußen machen. Am besten hat man andere entspannte Hunde dabei, die toll an der Leine gehen. 
    Achtet hier sehr sorgsam auf eine gute Sicherung (Geschirr, 2 Leinen) [weitere Infos zu Sicherung: http://prodogromania.de/hunde-vermi…/das-sichern-von-hunden/
    Manche Hunde blockieren total, sie können mit dem Geschirr immer ein wenig angeschoben werden. Orientiert man sich nach vorne und hat die Leine als klare Verbindungshand zum Hund, wird er – er will ja Teil der Gruppe sein – mittippeln. Blockieren wird aufgelöst, in dem man klar körpersprachlich signalisiert, dass es nach vorne geht. Man kann auch phasenweise ein wenig tragen und so nochmal neuen Anschub geben, aber meist geht es wirklich sehr schnell von selbst. 
    Unsichere Hunde haben in der Regel keine bespielte Festplatte. Sie wissen nicht, was Geschirr und Leine bedeutet, sie wissen nicht, dass angefasst werden gut tut. Sie meiden neue Dinge, verstecken sich, wehren neue Dinge ab. Wir müssen ihnen aufzeigen, dass alle diese Dinge aber gut sind. Wir müssen ihnen Wege bereiten, die sie bestreiten können. Sind wir passiv und warten ab, wird sich die Festplatte nicht neu bespielen. Es gibt keinen Input, keine Neuerung, keinen Fortschritt. Der Hund bleibt in seinem alten Verhaltensmuster, bleibt in der Box sitzen, dreht bei Leine und Geschirr durch…
    Es ist so eine verschwendete Lebenszeit und nur ein trügerischer Erfolg, wenn der Hund nur versteckt im Haus halbwegs entspannt scheint.

    Zwei Anmerkungen noch:
    Hunde sind soziale Wesen. In der Regel gibt es wenig autistisch veranlagte Hunde, gerade bei den Straßenhunden, die in großen sozialen Verbänden leben. Sie wollen Teil einer Gruppe sein. Kein Hund will isoliert in einer Box leben oder nichts von der Welt da draußen sehen. Hunde orientieren sich an anderen Hunden. Daher vermitteln wir unsichere Hunde niemals als Einzelhund oder zu einem anderen unsicheren Hund. Sie haben durch einen souveränen Hund eine unfassbar gute Stütze und eine Art Übersetzer. Die Menschensprache ist oft erst mal fremd, zeigt der Ersthund bereits aber eine große Entspanntheit und Vertrauen in das, was seine Mensch tut, kann der neue Hund daraus schon sehr viel ablesen.

    Alle meine aufgezählten Dinge beziehen sich auf unsichere Hunde, keinesfalls auf panische Angsthunde. Hier ist viel viel mehr Wissen nötig und muss viel mehr differenziert werden, was für Ängste / Phobien vorliegen. Hier muss viel mehr noch vorgedacht und systemisch gearbeitet werden und ich vermag nicht darüber aus der Ferne zu entscheiden, was für Angsthund x oder y das Beste ist. Ich weiß nur, dass es nicht sehr viele Menschen gibt, die diese Kategorie Hund anleiten können. Daher haben wir uns auch ganz bewusst entschieden, solche Hunde nicht zu vermitteln und wenn dann sind es ganz gezielt geprüfte Einzelfälle…

    Abschließend ist es mir nochmal sehr wichtig, dass es nicht darum geht, den neuen Hund zu überfrachten. Er soll ankommen. Auch dazu habe ich bereits einen Text formuliert, der klar aufzeigt, dass gerade die erste Zeit sehr sensible und aufmerksam erfolgen muss. dass Ziele formuliert werden sollen, die machbar sind, aber keine Ziele, die den Hund an die Grenzen des Machbaren bringen. 
    [zum Text: http://prodogromania.de/24947-2/ ] Nur soll er nicht monatelang ankommen und sein Leben in der Unsicherheits-Dauerschleife verbringen. 
    Seid Aktivator, seid Impulsgeber und helft euren Hunden, die Welt mit anderen, entspannten Augen zu sehen…

    „Wer vorwärts kommen will, muss auch mal rückwärts denken!“

    Anna Langhammer 

    ProDogRomania e.V.
    www.prodogromania.de

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