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    1. Tag für den Bautrupp

    Und wieder hat sich eine große Gruppe aufgemacht, um in Campina und in Bucov, Dächer zu bauen, Hunde zu erfassen und die Kennel zu säubern bzw. zu verbessern. Wir möchten euch an unseren Erlebnissen teilhaben lassen und berichten täglich.

    Nach unserem allmorgendlichen Einkauf im Carrefour, welches zu Ostern aussergewöhnlich voll war. Danach fuhren wir in Kolonne nach Campina – nicht jeder kennt den Weg – und gerade das letzte Stück ist schon sehr abenteuerlich und geht quasi über eine Schotterpiste steil bergab in ein Tal in dem Campina liegt. Auf diesem Stück wurden wir dann auch noch von einer Herde Schafe mit Herdenschutzhunden kurz aufgehalten 

    In Campina hat sich seit letztem Oktober viel getan, aber es müssen weitere Verbesserungen durchgeführt werden.
    Mihaela hat hinter dem Tor eine Schleuse errichten lassen, damit freilaufen Hunde nicht entwischen können, wenn ein Auto rein oder raus fährt. Außerdem hat die Hundeanzahl zugenommen (wir wissen noch nicht ganz genau wieviel es sind) und es wurden 18 neue Kennel gebaut. Männer vom Bautrupp – die nächsten Aufgaben warten, denn auch diese Kennel müssen überdacht werden.

    Die Männer legten gleich los, die Dächer zu bauen, die Erfassungsteams fanden sich und die Kennel wurden aufgeteilt. Die Mädels vom Kies und Kacke Team legten auch in den Kennel los und machten richtig gut sauber.

     

    Auf dem Gelände von Campina gibt es ein festes Gebäude in dem Mihaela die medizinischen Notfällen und die ganz jungen Welpen untergebracht hat.

    Was uns ganz besonders freut, ist, daß Mihaela auch viel Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern aus dem Umfeld erhält. Mich hat ganz besonders eine Helferin imponiert! Sie stiefelte mit Rollator über das Gelände und ging damit auch in die Kennel. Die Dame sagte dann zu einigen Erfasserinen – Ihr seid die Helden für die Hunde ? Solche Äusserungen beflügeln einen.
    Auch in Campina gibt es viele freilaufende Hunde – die kleineren werden dann über die Nacht ins Haus gebracht, damit nichts mit ihnen passiert.

    Auch Kuscheln gehört zwischendurch immer mal wieder dazu und die Hunde sind so dankbar dafür.

     

    In Campina sind so tolle Hunde, die nun alle nach und nach in die Galerie einziehen werden.

     

    Nach einem Tag hat der Bautrupp bereits das geplante Vorhaben fast fertiggestellt. Es ist eine wahnsinnig tolle Gruppe im Bauteam. Morgen noch ca. vier Stunden und die beiden Dachreihen sind fertig. Dann wird das Werkzeug eingepackt und nach Bucov gebracht, damit es am Montag direkt in Bucov weitergehen kann.

    Wir brauchen Euch, damit wir Mihaela weiter in Campina unterstützen können

    http://prodogromania.de/versprochen-ist-versprochen/

     

    Liebe Grüsse sendet Euch Bettina aus Ploiesti nach einem erfolgreichen Tag und Danke für Eure Unterstützung <3 <3

     

     

     

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    Neuer Wind…

    Und wir sind schon wieder da… Aktuell ist Rumänien Reisezeit und wir besuchen zur Zeit wieder unterschiedliche Ziele…Ich bin aktuell zusammen mit einer Gruppe Ehrenamtlicher eine Woche vor Ort in Baile Herculane, wo wir seit 6 Jahren zusammen mit Mishu Stoik ein Tierheim unterhalten, in dem immer um die 300 Hunde leben. Gerne nehme ich euch wieder mit auf die Reise und lasse euch an dem Erlebten teilhaben. 

    Großer Umsetztag heute in Baile.

    Nachdem wir nach dem Transport ein wenig PLatz überall hatten, haben wir als erstes unsere Quarantäne entleert, die wirklich voll war.
    OSAKA + VANJA sind zu PRIMO, MAILIN und KASAI gezogen. War anfänglich ein wenig stressig, weil das TELDOR Bärchen ein wenig Stress am Zaun machte, heute Abend war aber schon alles ganz prima.
    OSAKA und VANJA durften vorher noch eine Runde im Auslauf flitzen, was beide total genossen haben.

    OSAKA hat Spaß im Auslauf. 

    Ebenso konnten wir die Quarantäne ziemlich leer machen und einen tollen Platz für BILLY finden. 

    Seltenheitswert. Eine leere Quarantäne. 

    Auch unser Auslauf wurde heute wieder Stunde für Stunde genutzt. KATANA und DIENO waren heute endlich an der Reihe!
    KATANA hat heute super apportiert und war für diese Zeit endlich mal wieder richtig happy. 
    DIENO findet eh jeden und alles toll.  

    Gute Stimmung!
    Endlich mal ein wenig ausgelastet. 

    Mels Nest 2 hat viele einzelne kleinere Abteile, die man durchaus gut brauchen kann, wenn Mamas mit Babies oder Oldies da sind, die nicht in einer Gruppe laufen können.
    Haben wir aber aktuell alles nicht, daher haben wir gedacht: Einfach mal die Türen aufmachen und schauen, was passiert…Multi Kulti… Und weil das so gut lief, aber wir noch drei halbstarke Babies dort integriert, die in ihrer Gruppe schon ziemlich auf dicke Hose machten.
    Ergebnis: Alle voll happy. 

    Türen auf und Peace! 

    Heute haben wir die letzten Welpis erfasst und nun werden wir uns sehr beeilen, dass sie alle zeitnah in die Galerie kommen…So viele tolle neue kleine Wesen…

    Mr. BEETLE…auch für ihn gab es heute eine Veränderung:

    Unsere Armutsgestalt, die auf der Kutsche ins Tierheim gefahren wurde.
    Er war in der Quarantäne und war dort furchtbar unglücklich. Durch das Umsetzen haben wir heute einen Einzelzwinger freibekommen, den wir ihm ein wenig schön gemacht haben. Mr. BEETLE ist noch nicht sehr kooperativ, aber vor allem ist er völlig fertig. Er hat heute in seinem Heubettchen geschlafen, als wäre es das 5 Sterne Hotel in Florida.

    Da Mr. BEETLE sicherlich noch lange bei uns sein wird im Shelter, suchen wir dringend zwei Paten für ihn, die uns helfen, sein Leben bei uns zu finanzieren…
    Es wäre so toll, wenn wir diese heute finden könnten…

    Unser Online Formular ist hier zu finden:

    http://prodogromania.de/hilfe/patenschaften 

    Wir sagen Gute Nacht für heute…wenn das Netz mitspielt, laden wir noch ein paar Filmchen hoch und dann ist Schicht im Schacht. War das anstrengend, aber auch wunderbar heute!

    PS…und vergesst unsere Osteraktion nicht…


    ??ProDogRomania – Osteraktion ??

    Damit Ostern auch für unsere Rumis vor Ort auch gut wird, wollen wir so vielen Schützlingen wie möglich ein buntes Osterextra Leckerchen schicken. ? ??
    Damit Herr Osterhase die Auslieferung zuverlässig übernehmen kann, benötigt er 5€ Taxi Geld. ?
    Seid ihr dabei und schickt eurem Herzenshund ein extra Oster Goddie? ♥️
    Sie würden sich alle so freuen!

    —————————————————————-

    *** 5 Euro spenden ***

    Schicke eine SMS
    mit dem Text PDR5
    an die Nummer 81190

    Keine Datenspeicherung
    Kein Abo
    Kein Newsletter
    Funktioniert nicht aus dem Ausland.
    Alternativ: http://prodogromania.de/allgemeine-spende/

    Funktioniert nicht von Prepaid Handys.
    Alternativ:

    Allgemeine Spende

     

     

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    Einfach mal stolz sein!

    Und wir sind schon wieder da… Aktuell ist Rumänien Reisezeit und wir besuchen zur Zeit wieder unterschiedliche Ziele…Ich bin aktuell zusammen mit einer Gruppe Ehrenamtlicher eine Woche vor Ort in Baile Herculane, wo wir seit 6 Jahren zusammen mit Mishu Stoik ein Tierheim unterhalten, in dem immer um die 300 Hunde leben. Gerne nehme ich euch wieder mit auf die Reise und lasse euch an dem Erlebten teilhaben.

    Heute war so viel los! Auch heute haben wir den Freilauf wieder sehr gut ausgelastet und gruppenweise die einzelnen Kennels dort hineingebracht. Natürlich geht das nur bei denen Hunden, die halbwegs kooperativ sind und mitmachen. Diejenigen, die sehr ängstlich sind, nicht an der Leine laufen, oder tragen eben auch keine Alternative ist, bleiben leider im Kennel. 🙁 Wir müssen sie ja nach der Aktion immer wieder auch einsammeln können…und Fangaktionen in dem großen Auslauf sind jetzt nicht wirklich zielführend. 

    Rita Ora in selbstgebuddelter Kuhle.
    Samsala…endlich mal Platz.
    Tabasko…total happy!
    Houston. Das erste Mal im Freilauf.

    Über OLRA habe ich mich heute besonders gefreut. Sie hat sich so toll entwickelt. Letztes Jahr hatte sie noch panische Angst vor allem, besonders aber vor Männern. Das hat sich nun super entwickelt und sie tappelte heute mit Florian ganz mutig in den Auslauf. Sie genießt nun richtig die Nähe und hat die Auszeit total genossen.

    Ein toller Fortschritt konnte heute ebenfalls erzielt werden. Unser Kennel P5 ist endlich fertig betoniert und die Babies aus dem sehr matschigen und staubigen G3 Kennel (der noch nicht betoniert ist), konnten endlich umziehen! Auch Opa LUBBO ist natürlich mit ins neue Domizil gesiedelt und die Welpis haben ihren Oppa so sehr begrüßt, als er endlich wieder bei ihnen war. 

    Vorher…
    Nachher… alles trocken, betoniert und eingerichtet.

    Auf unserer heutigen to do Liste stand auch noch Willi Wonka. Willi Wonka wurde aus der Not heraus in einen Einzelkennel gesetzt, weil dieser frei war und seitdem hatte man nicht die Zeit zu schauen, wo Willi nun leben könnte. Also sass er leider nun eine ganze Zeit lang alleine und hat geheult wie ein Schlosshund. Heute war klar: Willi Wonka zieht um, er würde Kepplers Platz im Kennel einnehmen, der heute ausreisen durfte. Willi Wonka ist ein rüstiger Typ, total gute Laune, Menschen sind toll, andere Hunde …naja das wussten wir noch nicht so recht. Aber seine beiden geplanten Kumpels erschienen uns sehr nett und höflich, so dass wir es einfach mal versuchten. Und siehe da – Kennel C1 ist ein Spitzenplatz für Willi Wonka. Er war heute Abend schon deutlich entspannter und besser drauf und musste heute schon gar nicht mehr heulen. Und weil das so gut dort lief, setzten wir noch einen drauf und siedelten SHADY, unsere Langezeitdame, auch dort um. Sie lebte seit jeher mit Fuchur zusammen in einem großen Kennel. Beide zusammen waren aber so verbrüdert, dass jeder neue Hund dort nicht wirklich glücklich wurde und seitdem waren die beiden immer eben alleine….aber da wir hier mit Platz nicht um uns werfen können, wie wir lustig sind, und viele Hunde umgesetzt werden müssen, musste eben die Kombi SHADY / FUCHUR aufgelöst werden. FUCHUR ist sehr ruhig, interagiert kaum mit anderen Hunden und für SHADY war es auf die Dauer wirklich sehr langweilig. Und heute Abend schon…tja, da hat es ihr neuer Zwingerkumpel HUGH geschafft, sie zum Spiel aufzufordern. 🙂 

    Willi Wonka. Muss nicht mehr heulen…

    Und da der FUCHUR natürlich nicht dort alleine die Wände anstarren soll, haben wir ein bisschen gezaubert und dem FUCHUR einfach mal junges Gemüse vor die Nase gesetzt… Unsere MAREMANNO Babies sind nun bei ihm eingezogen. Begeisterung sieht aktuell auf beiden Seiten noch ein wenig anders aus, FUCHUR motzt rum, die Kinder halten sich nicht an die Hausordnung und die Kinder finden den alten Rentner völlig überflüssig und spucken ihm extra in den Vorgarten… Aber: Die Erfahrung zeigt: Auch das wird Morgen schon ganz anders aussehen. Die Hundekinder brauchten dringend einen neuen Zwinger, weil sie nur behelfsmäßig geparkt waren und dort kann es für alle ganz gut werden…

    Neue Welten. Für beide Parteien.

    Zwischen alldem Ganzen haben wir dann noch 32 Hunde verladen und Mishu und Remus bringen sie gerade nach Deutschland. Das hat hier ziemlich viel Platz geschaffen und so können wir die ein oder andere Gruppe morgen noch weiter entzerren. Als wir gerade alle Türen am Transporter zumachten, wurden leider aber schon die nächsten zwei Welpen ins Shelter gebracht…… Rein und Raus…So ist das hier. Obwohl wir faktisch heute körperlich gar nicht so viel gemacht haben, sind wir alle ganz schön platt und die super intensive Sonne hier hat irgendwie den Rest dazu getragen. Mit anderen Worten: Wir sind echt müde…. 🙂 Aber dankbar, dass wir an so einem tollen Ort tätig sein dürfen, dass unser Tierheim mittlerweile so eine tolle Infrastruktur hier hat und die Vernetzung so gut geworden ist. Immer wieder muss ich an meine erste Reise nach Baile denken, wo die Hunde im Schweinestall untergebracht waren, ohne Tageslicht, ohne fließend Wasser, niemand war geimpft, keine Traces Zulassung, völlige Tristess und Perspektivlosigkeit. Und wenn ich mir dann heute den kleinen TATTO anschaue, der vor 3 Tagen völlig versifft, fertig und müde bei uns ankam, da er jahrelang an einer Kette gehalten wurde, ist man doch ein wenig stolz und glücklich, dass man immer wieder auf dem Weg geblieben ist. TATTO lag heute Abend geschoren, satt, kastriert und geimpft in seinem Körbchen mit Decke im Vethouse Flur. Wir konnten ihm ganz schnell einfach helfen. Ebenso ist er in der Galerie und wird sicherlich, weil er so bezaubernd ist, ganz bald ausreisen können. 

    Tatto…an ihm wird der Fortschritt deutlich.

    Mir ist die Station hier so sehr ans Herz gewachsen, da ich all das sehe, was nun möglich ist. Dass Dinge, die wir immer wieder hier gesät haben, langsam umgesetzt werden. Dass Möglichkeiten und Räume entstehen. Alex, Mishus Sohn, ist immer mehr Teil der Organisation. Er übernimmt die komplette Leitung, wenn Mishu in Deutschland ist bei Transporten. Wir arbeiten wunderbar zusammen, haben gemeinsam Ideen, wen wir wie umsetzen können. Es macht Freude, an diesem Prozess teilzuhaben. Ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Ort, diese Menschen, dieses Land kennengelernt habe. Es ist bereits ein großer Teil von meinem Leben und es wird immer ein Teil davon sein. 

    Ich möchte mich im Namen des Vorstandes bei allen Tierfreunden bedanken, die dieses Projekt hier ermöglichen und vor allem am Laufen halten. Die mit Patenschaften für diese Hunde großen Anteil an dieser Entwicklung hier tragen. Die Monat für Monat dafür sorgen, dass wir das hier alles finanzieren können. Löhne, Futter, Baumaterialien, unsere Tierärzte usw…. Ohne euch würde das nicht klappen. Ohne euch wäre diese Station nicht das, was sie jetzt ist. Wir freuen uns jederzeit über neue Patenschaften, gerade für unsere vielen Langzeitinsassen, die jede Unterstützung brauchen können. Ihr kommt hier ganz einfach online an unser Patenschaftsformular:

    http://prodogromania.de/hilfe/patenschaften/

    Herzliche Grüße aus Baile Herculane,

    Anna 

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    (Überlebens-) Künstler wird man aus Verzweiflung.

    Und wir sind schon wieder da… Aktuell ist Rumänien Reisezeit und wir besuchen zur Zeit wieder unterschiedliche Ziele…Ich bin aktuell zusammen mit einer Gruppe Ehrenamtlicher eine Woche vor Ort in Baile Herculane, wo wir seit 6 Jahren zusammen mit Mishu Stoik ein Tierheim unterhalten, in dem immer um die 300 Hunde leben. Gerne nehme ich euch wieder mit auf die Reise und lasse euch an dem Erlebten teilhaben.

    Irgendwie verging der Tag heute wie im Fluge. Morgens, wenn wir Richtung Shelter starten, hängen die Wolken noch tief in den Bergen, alles wirkt noch verschlafen, nur die 40-Tonner fahren wie auf Schienen über die Landstraße, die uns zum Shelter bringt. Die Männer fangen ab 8 Uhr mit der Arbeit an, füttern, wässern, dann wird step by step sauber gemacht. Auch Gogu, unser Baumeister, füttert die P-Kennels, da dort aktuell sein Arbeitsplatz ist. Hier in Rumänien ist es irgendwie immer besser, Generalist zu sein. Spezialisten sind hier immer ein wenig verloren, denn gerade hier, an so abgeschiedenen Orten wie in den Karpaten, muss man sich eben irgendwie auch selber helfen können. Und da füttert man Hunde, nivelliert Ausläufe, fängt Enten mit der Hand ein, und baut dem Anhänger für den Traktor eine neue Deichsel. Wenn Gogu dann bald auch noch Kuchen backt, kann er die Welt erobern. Apropos Ente…Neben den drei Lämmern von gestern, sitzt seit ein paar Tage auch eine Ente im Shelter. Sie flog völlig suizidmäßig immer wieder ins Shelter rein und die einzelnen Hundegruppe haben sich schon einen Festakt ausgemalt, wenn sie doch mal endlich bei ihnen im Kennel landen würde. Alex hat sich auf die Lauer gelegt und zusammen mit Gogu die Ente gesichert und zwischengeparkt. Geplant ist, dass sie dann mit den Lämmern zusammenleben wird. Weit weg von den Hunden…:) 

    Heute morgen früh haben wir KAFKA besucht, unseren Timberwolf. Sein Winterfell musste dringend raus, also haben wir ihn wirklich auf links gedreht und gefühlt 4 Berge Wolle aus dem Wölfchen gekämmt. Anschließend durfte er in den Freilauf und war für 30min der glücklichste Hund der Welt..

    So viel Wolle…
    Endlich laufen und im Gras schnüffeln.

    Der Freilauf war dann mit allen möglichen anderen Hunden besetzt, wir haben sie immer mal für 30min dort geparkt, damit sie laufen, riechen, buddeln und einfach mal etwas sehen können… Auch TELDOR, unser Bärchen von gestern, war so happy! Wir haben auch ihm den kompletten Winterpelz ausgekämmt. Er hat das alles wunderbar mit sich machen lassen und läuft an der Leine wie eine 1…. 

    Coolio freut sich so sehr über den Besuch!

     Auch Langzeitinsasse COOLIO haben wir heute besucht. Immer noch warten, immer noch nur die paar qm Betonzwinger erleben. Es macht einen echt fertig, die Hunde Jahr für Jahr dort zu sehen… Direkt nebenan liegen SHADY und FUCHUR, der andere Nachbar ist BILLY. Alle mehr als ein Jahr bei uns…

    Shady hat sich toll entwickelt. Aber auch sie wartet seit mehr als 2 Jahren im Shelter!

    Auch bei uns im FOREVER Abteil gibt es Neuigkeiten. Dort sind immer die Hunde, die super scheu sind und eigentlich nicht in die Vermittlung können – außer aktuell VIGGO…Neu dabei ist aber unser kleiner Giftzwerg aus de letzten Jahr. Anfangs war er, weil so aggro auf alles und jeden, in einem Einzelzwinger untergebracht. Nun wurde er dort in die FOREVER Gruppe integriert, was sehr gut klappt und er hat sich schon deutlich runtergefahren. Heute hat er aber uns auch deutlich angezählt, aber so wirklich ernst meint er das alles auch nicht. Er kann sich dort schön entspannen und heute Mittag habe ich mal heimlich um die Ecke geschielt, da lagen alle zusammen in der Sonne… Eine gute Lösung. 

     

    Über einige Hunde hier wunder ich mich immer wieder. Wie sie das einfach hier mental durchstehen. Dass sie nicht völlig durchdrehen, an Einsamkeit versterben, oder einfach aufhören, zu fressen. Wie sie das Beste aus ihren Handicaps machen, mit 3 Beinen durchs Leben schaukeln, trotz Arthrose tapfer am Zäunchen stehen und wedeln, oder die Einschränkung ihrer Behinderung einfach so nehmen, wie es kommt. So zum Beispiel auch Wilhelm Tell. Ein junger Malinois Rüde, der als kleiner Welpe mit Bruder zu uns kam. Sein Bruder verstarb, da seine Behinderung noch sehr viel stärker war, als die vom jungen Tell. Tell ist rassetypisch sehr agil, dreht in seinem kleinen Kennel Runde um Runde und seine Körperhaltung ist als durchaus „wackelig“ zu bezeichnen. Er hält den Kopf schief, scheint nicht 100%ig zu sehen und läuft auch einfach mal gehen eine Hütte oder eine Bank. Heute im Auslauf braucht er eine Zeit, bis er wusste, wo was steht. Er ist aber ganz rührend in seiner Art, will mit dabei sein, will gefallen und sucht absolut den menschlichen Kontakt. Tell wird immer ein besonderer Typ bleiben und wir denken, dass er seit Geburt an ein neurologisches Problem hat, was aber hier nicht genauer definiert oder untersucht werden kann. Mit anderen Hunden kommt er super aus. 

    Dann ist da noch FIGARO. Kein Handicap. Doch. Vergessen. Er ist schwarz. Er ist groß. Er ist älter. Also in Summe dann drei Handicaps. 🙁 Seit mehr als 1,5 Jahren kenne ich diesen Hund und es bricht einem wirklich das Herz, wenn man ihn da stehen sieht. Wesenstechnisch könnte ein wenig Dobermann mitgemischt haben, denn er ist unfassbar weich, sensibel und sentimental. Würde er weinen können, würde er das tun. Aber er weint nicht. Er steht da. Schaut Löcher in die Wand. Geht wieder weg, und stundenlang am hellichten Tage, wenn draußen echt der Bär steppt, geht er in die Hütte und meldet sich ab. Er beamt sich vom Kopf weg. In eine andere Welt. In ein Zuhause. Aber so ganz aufgeben, das geht irgendwie für ihn auch nicht. Und wenn man dann bei ihm ist, taucht da wieder dieses Strahlen in seinen Augen auf. Sie werden goldbraun und ganz warm. Und man merkt: Da ist noch Leben in unserem schwarzen Ritter. Er hält tapfer durch, weil er muss. Er geht nicht unbeschwert und locker durch den Tag, wie andere der Hunde hier. Er schlägt sich durch. Hat für sich Strategien erarbeitet, mit diesem leeren Tag klarzukommen. Aus der Verzweiflung heraus. 

    Figaro – einer von vielen (Überlebens-) Künstlern hier.

     Dann gibt es wiederum andere, die so verzweifelt sind, dass sie um ihr eigentliches Wesen eine dicke Kappe aus verzweifeltem Chaos gebaut haben. NIELSON zum Beispiel. Völlig verzweifelt. Völlig verworren innen drin. Chaos. Mal spielt er mit den Hunden in seinem Kennel, dann verliert er wieder die Nerven und zwackt auch einfach mal übertrieben zu. Besucht man ihn, springt er wie ein Flummi wahllos in der Gegend rum. Hat kaum 1 Minute Ruhe, rennt von a nach b, frisst mittendrin, obwohl er so rund ist wie eine Weihnachtskugel. Alles in ihm kommt ins Wanken, wenn man ihn aus seiner Alltagseinbahnstraße abholt. Freude, Panik, dass man wieder geht, Frust, Unsicherheit, Hysterie. Alles in einem. Man erkennt im ersten Moment eigentlich gar nicht, wer NIELSON wirklich ist. Crazy Typ? Neurotiker? Hundeopa? Meist machen wir dann einfach erst mal gar nichts, warten ab, beschäftigen uns mit ganz anderen Dingen, nicht mit NIELSON. Und dann braucht es eine Zeit und dann bröckelt diese dicke Kappe, diese massive Schicht aus Verzweiflung ab und man kann ganz vorsichtig darunter schauen und den NIELSON Kern erkennen. Wer bist du eigentlich, Herr NIELSON? Würde Herr NIELSON sich selber beschreiben können, würde er vermutlich verlauten lassen: Ich bin Herr NIELSON, ich mag es gerne leise und vorsichtig. Ich liebe Regeln und Ordnung. Ich brauche jemanden, der sicher für mich da ist und der mir Halt gibt. Ich bin neugierig und würde so gerne endlich mal losziehen und die Welt entdecken. Ich will bei dir sein. Ich will der Herr NIELSON sein, der nach einem regnerischen Spaziergang am Sonntagmorgen von dir trockengerubbelt wird und wir lesen dann zusammen die Zeitung auf dem Sofa. Mehr muss nicht passieren, damit es ein guter Sonntag für mich wird. Viele Grüße, der Kern vom Herr NIELSON. 

    Herr NIELSON und die dicke Kappe

    Und wenn man sich dann mental mit Willhelm Tells, Figaros und Herr Nielsons beschäftigt, hat man eigentlich schon genug in der Birne zu tun. Aber dann ist man ja immer noch in Rumänien und es kommt halt einfach mal vor, dass vor dem Shelter eine Kutsche hält, darauf ein völlig abgezerrter und mit Strick fixierter Hund steht und dieser abgeladen wird. In den Momenten ist man immer heilfroh, wenn man das nicht alleine coachen muss, sondern Gabi, unser Arbeiter da ist, den Hund abbindet, einige Wörter auf Rumänsich wechselt und Andreea, die Tierärztin holt. Man selber ist irgendwie immer noch total überfordert, weil das einfach Dinge sind, die man hier sonst nicht wirklich sieht bei uns in Deutschland. Das abgeladene Etwas ist grau gestromt, 65cm hoch, rappeldürr und völlig durch den Wind. Das angebotene Wasser wird in einem Satz runtergeschlungen, chipen, entwurmen…alles wir halbwegs ertragen und dann ging es erst mal in die Quarantäne. Nassfutter fertig machen, runterkommen, erholen. Sein Name sei BEATIE, wurde uns gesagt. 10 Jahre sei er, ein guter Hund…auch das sagte man uns. Da wir den Namen BEATIE alle ganz furchtbar fanden, haben wir ihn MR. BEETLE genannt. Zu Deutsch „Herr Käfer…“ deutlich netter und positiver besetzt…meinen wir…:) Auch er wird sich machen…Aktuell ist seine Kappe aus Verzweiflung, Angst, Unsicherheit… so groß, dass er nun erst mal ein wenig ankommen muss. 

    Gefühlt das erste Nassfutter seines Lebens…

    Wir sind nun mit allen Kennels durch und aktuell haben wir in Baile 311 Hunde. Das ist seit 3 Jahren nun eine konstant stabile Zahl, was für ein rumänisches Shelter durchaus sehr gut ist. Oftmals ist es leider so, dass die Hundeanzahl um Jahr für Jahr höher wird und sich die Bedingungen für die Hunde vor Ort verschlechtert. Wir bleiben in Baile dran und hoffen, dass wir auch in den kommenden Jahren nie Zahl 300 niemals wirklich übersteigen müssen. Das heißt aber natürlich auch, dass wir immer schauen müssen, dass regelmäßig Hunde ausreisen und es wäre so großartig, wenn auch endlich mal ein COOLIO oder ein FIGARO dabei wäre…

    Morgen packen einige Hunde ihre Köfferchen und dann wollen wir endlich endlich einige Hunde umsetzen und neue Gruppen konfigurieren. Das wird spannend, aber auch absolut anstrengend. Körperlich und mental. 

    Grüße von uns allen aus den Karpaten,

    Anna 

     

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    Von Bärchen und Lämmern…

    Und wir sind schon wieder da… Aktuell ist Rumänien Reisezeit und wir besuchen zur Zeit wieder unterschiedliche Ziele…Ich bin aktuell zusammen mit einer Gruppe Ehrenamtlicher eine Woche vor Ort in Baile Herculane, wo wir seit 6 Jahren zusammen mit Mishu Stoik ein Tierheim unterhalten, in dem immer um die 300 Hunde leben. Gerne nehme ich euch wieder mit auf die Reise und lasse euch an dem Erlebten teilhaben.

    Das Wetter meinte es heute morgen wieder richtig gut mit uns und wir konnten bei strahlendem Sonnenschein weitermachen. Auch die Männer konnten weiter betonieren, so dass Kennel P5 nun fertig ist. Großartig! 🙂 

    Noch einen Tag durchtrocknen…

    Sobald alles abgetrocknet ist, werden wir dort unsere kleinsten Welpis und einen Opa unterbringen, die aktuell ziemlich im Matsch versinken und auch zu weit weg vom Schuss sind. Andreea hat die Welpen gerne in der Nähe des Vethouses, denn diese brauchen eine besondere Fürsorge. 

    Tierärztin Andreea ist 5 Tage die Woche im Einsatz.
    Viele tolle Gesichter sind uns heute wieder begegnet.
    Notfall Opi CONNOR. Er leidet vor Ort wirklich und braucht dringend ein ruhiges Zuhause.

    Da wir hier immer ein wenig mehr Zeit bei den Hunden verbringen können, weil es eben viel weniger sind als bspw. in Bucov, kann man aber auch mehr wahrnehmen, wie hart es für manche Hunde hier ist. Wie verzweifelt und einsam sie sind. Wie teilnahmslos manche über die Jahre (!!) geworden sind. Unser Ziel war es einst, dass keiner unserer vermittelbaren Hunde länger als ein Jahr im Shelter ist. Aber wir sind weit hinter diesem Ziel geblieben. Ich war heute bei Jonas, Minette, bei Rita Ora und Gibbo….alle sitzen schon mehr als 1,5 Jahre hier. Immer noch im selben Zwinger. Sherlock sitzt immer noch in der selben Ecke und Fuchur liegt stets an der Wand. Seit Jahren…. das ist einfach brutal zu sehen. Und alle diese Hunde sind freundlich, nett, wollen dabei sein. Keiner von ihnen gibt uns Gründe dafür, warum sie so lange warten müssen. Rita Ora ist schon ganz grau geworden. 🙁

    Rita, was machen wir nur mit dir? 🙁

    Wir werden morgen endlich in allen Kenneln gewesen sein und dann ist für uns absehbar, wer wie wo umgesetzt werden kann. Außerdem haben wir diese Woche noch einen recht gut gefüllten Transport aus Baile, wodurch natürlich auch nochmal Platz entsteht. Dann werden wir einige Umsetzungen vornehmen. Dies wird zum einen die Kennels betreffen, die dann nur 1-2 Hunde beheimaten, aber wie überlegen auch, ob man kooperative Langzeitinsassen auch mal umsetzt, damit sie einfach eine Veränderung haben. Auch gibt es wieder einige Kennels, in denen nur Angsthasen sitzen, die sich gegenseitig noch unsicherer machen. Für solche Gruppen muss sich auch etwas dringend ändern, damit es wenigstens kleine Fortschritte geben kann. Wir machen uns nach und nach einen Plan im Kopf, den wir dann Freitag und Samstag durchführen wollen. 

    Am Ende von allem zählt eben vor allem, dass es für jeden Hund hier so gut wie möglich wird. Dass jeder ansatzweise artgerecht leben kann und dazu gehört eben auch, dass die Hunde in Gruppen gehalten werden, wo ein soziales Miteinander stattfindet. Und hier muss man sich die Stärken eines jeden zu Nutze machen. Man lässt nicht 6 Halbstarke zusammen Tag für Tag rumrüpeln, sondern man setzt gezielt souveräne und stabile Hunde dazu, die das ganze eben regulieren und auch mal eingrenzend aktiv werden. Das Umsetzen durch die Kollegen vor Ort klappt immer besser, aber man muss stets Anregung und Impulsgeber sein, damit es kontinuierlich gut weiterlaufen kann. 

    Lavazza lebt mit Eugene zusammen, was wunderbar harmoniert. Große Freude heute über das Strohbettchen.

    Bei manchen Hunden merkt man auch direkt, dass sie 24/7 völlig ungesteuert durch den Tag laufen. Sie sind distanzlos, springen einen fast um, rempeln, zwacken locker in Arm und Bein. Sie meinen das nicht unbedingt so, wie es wirkt, sie sind einfach völlig unstrukturiert und ohne klare Grenzen. Sie sind nicht ausgelastet und frustriert. Das ist in den ersten 5 Minuten dann durchaus echt anstrengend, aber das schöne den meisten Rumis ist ja, dass sie alle noch völlig unverkorkst kommunizieren. Sie reagieren auf Körpersprache, verstehen Ansagen, und stellen einen selten bei klaren Kommunikationssituationen in Frage. So beispielsweise auch URSO. 

    URSO hat einen versucht, die ersten 5 Minuten massiv zu bedrängen, zu klammern, rumzubollern…Aber nicht, weil er dadurch klar machen wollte, wer der Chef ist. Bei ihm war es pure Verzweiflung. Er hat sofort verstanden, dass ich das nicht wollte, hat sich nach einigem Hin und Her sofort an die Regel gehalten und stand dann das erste Mal halbwegs entspannt in der Ecke. Es war ein wenig so, als ob eine Last von ihm fallen würde. Nix mehr regulieren, nix mehr steuern müssen. Dafür gibts einen Mensch. Ich hab ihn dann erst mal ein wenig ignoriert und eine Zeit später konnte er ganz entspannt gestreichelt werden und machte keinen Anstalten mehr, total hochzudrehen… eine echt arme Socke, der einfach nur Menschen braucht, die ihn verstehen und ihm die Last, für alles alleine sorgen zu müssen, abzunehmen. Wir hoffen sehr, dass URSO (Bärchen…) diese Menschen finden wird. 

    Das nächste riesen Jumbo Bärchen ist TELDOR. Ein imposanter Kerl, der gar nicht weiß, wie groß er ist und was er mit dieser Masse anstellen könnte. Auch er steht in einem kleinen Kennel mit zwei Mädels und behält tapfer die Nerven. Eine beeindruckende Leistung für einen Kaukasen, der ganze Herden bewacht und riesige Areale überblickt. Auch für diesen Riesenbär hoffen wir, dass wir eine passende Anfrage erhalten. Ja, er ist ein Kaukase, ja, er ist riesig, ja, er hat Potential, aber: Er ist wirklich „hasenrein“, wie wir immer sagen…keine versteckten Aggroansätze, keine Situation, wo er blöd die Nerven verliert. Stabil bei Stresssituationen. Kollegial mit den Mädels. Klar in der Körpersprache. Absolut tolle Grundvoraussetzungen. Wir wissen, welche Verantwortung man als einführende Orga trägt, wenn man solche Hunde in die Adoption gibt. Aber wir geben sie auch wirklich dann in die Adoption, wenn wir sie selber gesehen, erlebt und eingeschätzt haben. Klar, ich kann das einschätzen, was ich jetzt dort im Rahmen dieses Zwingers dort sehe. Rüden? Katzen? Kleine Kinder? Alles nicht vorhersagbar. Aber kalkulierbar ist es. Wenn wir Menschen finden, die mitziehen, mitdenken und eben auch einiges an Erfahrung mitbringen. Für TELDOR wäre es einfach seine einzige Chance…ein guter Platz in Deutschland. Hier in Rumänien hält sich niemand einen Kaukasen, außer er braucht ihn an der Herde oder nutzt ihn als Prestige Objekt an Kette im Hinterhof…

    TELDOR…

    Heute Nachmittag stand Mishu noch mit einer kleinen Überraschung vor dem Tor… Mit im Gepäck 3 Lämmer…alle drei sollten Ostern nicht mehr lebendig erleben, sie waren als Osterlämmer für die Schlachtung vorgesehen… Und da man als halbwegs fühlender und reflektierter Mensch dazu nicht  willentlich „Ja“ sagen kann, haben wir einheitlich vollstes Verständnis dafür ausgesprochen, dass diese 3 Lämmer, stilecht in der Hundebox transportiert, irgendwie nun Teil vom Shelter werden müssen. Sie sind behelfsmäßig nun untergebracht in einem kleinen Auslauf hinten am Haus, sollen aber dann die Woche über einen Auslauf erhalten. Gogu muss mal wieder ran…er wird sich (wie immer) etwas einfallen lassen. Unsere Owtscharka Babies haben sie schon ganz neugierig beäugt…

    Wir hoffen, dass wir morgen genau so viel packen wie heute, damit dann unsere Umsetzpläne reifen können. Auch einige Hunde aus der Quarantäne müssen dringend noch Plätze in den Kennels finden, wir hoffen, dass wir für jeden die beste Lösung finden können. Einer der Grundsätze, die wir auch verfolgen. Das Leben der Hunde vor Ort so gut zu machen, wie es eben nur möglich ist. 

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    Das Licht im Hafen…

    Und wir sind schon wieder da… Aktuell ist Rumänien Reisezeit und wir besuchen zur Zeit wieder unterschiedliche Ziele…Ich bin aktuell zusammen mit einer Gruppe Ehrenamtlicher eine Woche vor Ort in Baile Herculane, wo wir seit 6 Jahren zusammen mit Mishu Stoik ein Tierheim unterhalten, in dem immer um die 300 Hunde leben. Gerne nehme ich euch wieder mit auf die Reise und lasse euch an dem Erlebten teilhaben. 

    Ihr kennt es schon. Jeder Reise startet mit einem Rundgang. Alte Gesichter entdecken, neuen Hunden begegnen. Das Wetter war hier die letzten Wochen sehr schlecht. Kalt und vor allem Dauerregen, so dass alle Kennels, die nicht betoniert sind, komplett vermatscht sind. Umso froher sind wir, dass step by step bald alles betoniert sein wird, damit wir dieser Problemlage schon mal ausweichen können. 

    ELISHA haben wir getroffen…sie ist schon so groß geworden.
    Pantau. Ein toller Kerl.
    Wiedersehen mit Caddy…

    In so vielen Kennels sind so unterschiedliche Schicksale vereint. Die einen wurden auf der Straße eingesammelt, die anderen sind Zuhause rausgeflogen und wurden direkt vor das Tierheim gefahren. Wieder andere hat Mishu auf Anrufe hin abgeholt, weil sie niemand mehr wollte. So viele Geschichten verbergen sich hinter all den Hunden, die bei uns im Shelter sind. Manche wurden geschlagen und tragen bis heute tiefe Narben, wie Pantau. Andere haben Handicaps und für sie war es besonders schwer auf der Straße. Andere wiederum hätten aufgrund ihres jungen Alters und ihrer totgefahrenen Mama nie überlebt, wenn sie nicht hier in den Karpaten bei uns einen Platz gefunden haben. Im Umkreis von vielen Kilometern ist hier sonst keine Möglichkeit für einen Hund, irgendwo gesichert und versorgt unterzukommen. Leute rufen aus allen umliegenden Gebieten an, Mishus Handy steht nicht 30min still. 

    Es geht immer weiter, jeden Tag. Jeden Tag neue Hunde, neue Geschichten, neue Schicksale. Heute kam eine SharPei Hündin mit Welpe ins Shelter, abgeliefert direkt vors Tierheim Tor…untergebracht nun in der Quarantäne…Morgen schaue ich bei ihr mal rein. 
    Der Alltag hier reißt nicht ab. Die Arbeit muss täglich gemacht werden. Die Hunde haben jeden Tag Hunger, brauchen Unterstützung, müssen versorgt werden. Es gibt keine Auszeit, es gibt kein „Heute kann ich nicht…“. Es gibt keinen Tag im Tierschutz, an dem man sagen kann: Heute sind wir nicht gefragt, heute kümmern sich alle mal selber um die Tiere, die sie sich zugelegt haben. Und auch die Hunde auf der Straße brauchen täglich Hilfe, wenn sie in Not geraten. Dieser Druck, diese Last, diese immerwährenden Rufe nach Hilfe…all das nagt an den Menschen, die sich bereiterklärt haben, für die dazu sein, die ohne uns niemanden haben. Auch auf Mishu lastet dieser Druck und man merkt es ihm an. Erst heute haben wir beide uns kurz mal angeschaut und uns gesagt, dass wir das nun jetzt schon 7 Jahren zusammen machen und das wir es uns beiden ansehen und anmerken. Wir sind dadurch nicht kälter oder oberflächlicher geworden, nicht zorniger oder trauriger. Wir sind müder. Weil wir wissen, dass selbst wenn der Tag 48 Stunden hätte, man nicht das schaffen könnte, was man eigentlich tun müsste, damit es allen Hunden noch ein wenig besser geht. Aber Jammern geht eben auch nicht. Aufstehen, Kaffee/ Tee austrinken und weiter machen. Und wissen: Wir ziehen das hier zusammen durch. Und wir lassen nicht nach. Und wenn der rote Traktor mit dem Mehadia Kennzeichen dann an uns vorbeirollt und Gogu ein Liedchen pfeift, dann geht’s auch gleich irgendwie besser weiter. 

    Unser Traktor…
    Gabi und Gogu beim Kies abladen
    Neues Baumaterial. Paddock 6 wird morgen betoniert… 
    Alles ist bereits vorbereitet…

    Sondereinsatz gab es auch heute für Tierärztin Andreea. BENTLEY, ein richtig toller Kerl, wurde vermutlich von einer Schlange (Ja…auch die gibt es hier und mal gar nicht so knapp…), gebissen und hat eine gigantische Schwellung über dem Auge. Er ist nun in engmaschiger Behandlung und wir hoffen, dass es morgen besser aussieht. Aber trotz alledem hatte er richtig gute Laune…

    Schwere Schwellung am Auge…

    Ja, und dann waren wir einfach mitten und in den Hunden. Mels Nest 1 und die P Kennel Reihe konnten wir mit der Galerie abgleichen, neue Fotos machen und Videos drehen…

    Vasilee hat sich aus Deutschland seine eigene Masseurinnen einfliegen lassen. 🙂

    Mittags kam endlich ein wenig Sonne. Zusammen „abhängen…“

    Kennel P3 ist aktuell besetzt von 16 richtig tollen Welpen, die ein herrliches soziales Miteinander darstellen. Man prügelt sich manchmal ein bisschen und hat dann aber auch wieder ganz dringend Bedarf, zu 6. in einer kleinen Hütte gestapelt zu liegen… So sind sie, die Kiddies…

    Alle kommen zeitnah in die Galerie, denn es ist wichtig, dass sie bald reisen. a) platzen wir hier sonst aus allen Nähten und b) wird es höchste Zeit, dass sie endlich mehr erleben als 7x7m Betonplatte…

    NIKKY ist wunderschön geworden!
    BRUNKO…toller Kerl. Die Ruhe selbst.

    Spät am Abend waren wir noch bei ATHOS, einem dynamischem Rotti Rüden, den wir schon von August kennen, als er gerade abgegeben worde. Bis heute hat sich keine passende Anfrage für diesen tollen Kerl ergeben, obwohl er nur die besten Rotti Eigenschaften mitbringt. Aber natürlich gucken wir bei den großen Jungs auch ganz genau hin, dass sie nur in Hände kommen, die auch wirklich wissen, was so ein Kraftpaket mitbringen kann. Seine Beschreibung findet ihr hier:
    http://prodogromania.de/bilder/index.php/Baile-Herculane/R-den/R-den-ab-1-Jahr/ATHOS

    Der erste Tag ist immer recht ungefiltert und mein Hirn schwirrt danach wie ein Bienenstock, aber das ist normal. Früher hat mich das nervös gemacht, heute weiß ich: Morgen wird es besser. Zwar sind hier nicht 2000 Hunde wie in Bucov, aber auch ich habe nicht sofort jeden Hundenamen im Kopf und kann zuordnen, wer wer ist. Das dauert immer 2-3 Tage, denn dann war ich in jeder Ecke vom Shelter und weiß, wer nun wo sitzt. 
    Aber was mir dennoch klar ist: Wir sind hier in Baile mittlerweile so ein sicherer Hafen für so viele unterschiedliche Hunde geworden. Wir sind für die da, die hier niemanden mehr haben. Die vielleicht nur mit 3 Beinen kommen, große Angst haben, ihre Babies im Schlepptau mitbringen oder nie etwas anderes erlebt haben als jahrelange Kettenhaltung. Wir sind für die da, die vor lauter Fellplatten nicht mehr aus den Augen schauen können, oder die große Schmerzen haben, weil sie von einem Auto angefahren und dann wie Müll im Graben liegen lassen geworden sind. Wir sind für die da, die einfach zu viel waren, die das schöne Stadtbild zerstören oder angeblich kleine Kinder gebissen haben. Wir sind für die da, die nicht wachsam genug waren oder die liebe am Gras schnuppern wollten, als bei den Schafen zu wachen. Wir sind für die da, die keine Stimme haben. Und deswegen gilt es, alles zu geben. Denn wenn wir das hier nicht Jahr für Jahr irgendwie gestemmt und gemanaged bekommen, sieht es ganz dunkel aus. Unser Hafen muss aufrecht erhalten bleiben. Jedes Schiff, sei es noch so klein, muss sicher einlaufen können. Muss den Anker werfen und eine ruhige Zeit haben können. Kraft tanken, die Segel flicken, das Deck schrubben. Damit es danach weitergehen kann, in ruhigen Gewässern. Bei einer eigenen Familie. Ich bin sehr dankbar für die Menschen, die bei diesem Mammutprojekt dabei sind, uns unterstützen und mit Sorge tragen, dass das Licht im Hafen niemals erlischt. 
    Viele Grüße von Anna aus Baile Herculane.

    Auch er hat einen sicheren Hafen bei uns gefunden…
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    Was „ankommen lassen“ heißt…

    Lasst ihn bitte ankommen.
    – Na klar! Versteht sich doch von selbst.
     
    Habt bitte für die erste Zeit keinerlei Erwartungen.
    – Ja, das ist uns bewusst.
     
    Geht bitte erst mal davon aus, dass es eine harte erste Zeit werden wird und es Kraft und Geduld in Anspruch nimmt, wenn der Hund neu bei euch ist.
    – Ja, das ist kein Problem. Das haben wir so eingeplant.
     
    ——————————————————————————
    Nichts versteht sich von selbst. Auf einmal gibt es ganz viele Probleme und man ist sich doch gar nicht mehr so bewusst, was alles nicht gut laufen kann. Und schon wird es schwierig. Der Hund passe nicht so richtig. Man sei nicht der richtige Platz. Der Hund sei anders als beschrieben…
     
    Manchmal fühlt man sich so, als ob man niemals vorab beraten und aufgeklärt hätte. Als ob sämtliche Informationen im Nirvana versickert sind.
    Hund muss ab Tag 2 spätestens an der Leine laufen, sonst wird es schon schwierig.
    Wenn Hund an Tag 4 immer noch in die Bude pinkelt, werden die Nerven dünn.
    Wenn er in Woche 3 immer noch beim Autofahren den Mageninhalt von sich gibt, ist die Geduld am Ende.
     
    Wie viel Zeit gesteht man ihnen ein? Ab wann muss es „rund laufen“? Manche Menschen scheinen da sehr genaue Vorstellungen zu haben und sind bitter enttäuscht und nervlich am Ende, wenn es eben ganz anders läuft als geplant.
     
    Dabei wird es ab Woche 6, 7, 8 erst so richtig spannend. Futter gibt es jeden Tag, Sofa ist auch schon erobert, Territorium abgesteckt, Nachbarschaft ausgekundschaftet. Ausgeschlafen, satt, keine nervigen Milben mehr. Voller Kraft voraus. 🙂
     
    Eine Direktadoption aus dem Ausland ist nichts für schwache Nerven. Nichts ist wirklich planbar. Es ist eine Wundertüte, ein Wagnis, eine Herausforderung. Viele Menschen machen das ganz wunderbar und sind in der ersten Zeit das für den Hund, was er braucht. Stütze, Ruhepol, Organisator.
    Manche Menschen können sich aber ansatzweise nicht vorstellen, was da alles auf einen zurollen kann. Natürlich beraten wird. Natürlich klären wir auf. Natürlich stehen wir helfend zur Seite. Aber es reicht alles nicht aus.
    In manchen, ganz wenigen Fällen, ist es wirklich so, dass die Lage Zuhause nicht mehr tragbar ist. Dass es ganz und gar nicht passt. Aber diese Fälle sind selten. In den meisten Fällen wird vorschnell aufgegeben, vorschnell gesagt: Es geht nicht mehr. Es ist unbequem, anstrengend, nervig. Der Hund ist gerettet. Und ist eben nicht dankbar. Er führt sich auf wie die Axt im Walde, krempelt das Leben völlig um und eigentlich kostet es nur Nerven. So wie man es sich eigentlich nicht vorgestellt hat.
    Und der Mensch ist nicht gemacht, um sich durch schwierige Situationen durchzuboxen. Der Mensch ist bequem.
     
    Diese eher bequeme Natur, die aber auf maximal schöne Momente im Leben ausgelegt ist, puscht dann das neue Hundeding in den ersten Tagen so sehr, dass gar nichts mehr geht. Kein Hund, der frisch angekommen ist und mit 2389281 Umweltreizen nun umgehen muss, die er vorher nicht mal ansatzweise kannte, wird nun gefördert und gefordert wie es nur geht.
    Liebe Leute. Lasst die Hunde einfach in der ersten Woche in Ruhe. Sie sollen schlafen. Sie sollen ihre Zuhause und den Garten geführt inspizieren. Sie sollen die Menschen und ggf. Tiere kennenlernen, mit denen sie das neue Leben nun teilen. Ggf. können sie auch schon einen Tierarztbesuch wahrnehmen, aber mehr muss gar nicht sein. Vorher war monatelang nie mehr am Tag los. Zwinger. Hütte, Gekläffe. Mal eine Klopperei. Einmal am Tag Futter und Wasser. Fertig. Das wars. So sah es Wochen, Monate, Jahre bei vielen Hunden aus.
     
    *
    Jetzt stellt euch doch einfach mal vor, wie dann so der neue Tag in Familie x für Rumäne y aussieht: Morgens erstes Gassi. Neue Runde, wird ja sonst langweilig. Mit Sicherheitsgeschirr an Leine. Hundemarken klimpern. Hund riecht nicht wie sonst, Shampoo beeinträchtigt die Nase. Beim Gassi trifft man Nachbarn, der neuen Hund anfasst. Neuer Hund findet Nachbarn blöd. Es geht nach Hause. Futter. Vor dem Füttern muss der Hund sitzen und warten. Kapiert er nicht. Wird wieder aus der Küche geschickt. Soll ja im Flur warten. Frustriert. Nach dem Füttern nochmal kurz raus in Garten. Eine Stunde später. Hund döst gerade im Wohnzimmer. Tochter bekommt Besuch. Kinder toben durchs Haus. Hund verfolgt Kinder. Findet die lauten Schreie besorgniserregend. Springt Besucherkind an. Dieses fällt hin. Vater nimmt Hund am Halsband, führt ihn ins Arbeitszimmer, wo er warten soll. Halsband nervt Hund schon seit Stunden. Auch stundenlanges Kratzen am Halsband bringt nichts. Halsband nervt weiter. Im Arbeitszimmer endlich Ruhe. Hund döst auf Schreibtischstuhl. Erhöhte Position ist wichtig, hat auch schon in Rumänien entspannt. 30 min später wird Hund abgeholt von Mutter. Große Runde steht an. In den Wald. Mit dem Auto. Wieder ins Geschirr. Marken nerven immer noch. Auto steht in Garage. Garage ist gruselig. Hund wird in Autobox gesetzt, da er nicht in einen dunklen Kofferraum springt, da er nicht weiß, was dort für Gefahren drohen könnten. Fahrt zum Wald. Hund ist schlecht. Box ist dunkel, er kann nicht nach draußen schauen. Ankunft im Wald. Zum Glück nicht gekotzt. Frauchen atmet auf. Schleppleine an Geschirr, Hund wird ausgeladen. Freilaufende Hunde direkt am Parkplatz. Hund wird penetrant gemustert und bedrängt. Frauchen unterhält sich angeregt. Es geht los in den Wald. 40 neue Gerüche auf 1qm. Hundenase völlig überfordert. Hund bleibt ständig stehen, Frauchen ist genervt. Jogger von hinten. Hund will folgen, Frauchen tritt auf Schleppleine… Endlich wieder nach 1.5 Stunden am Auto. Hund völlig aufgekratzt und nervös. Fahrt nach Hause. Garage immer noch gruselig. Hund muss abgeduscht werden, voller Matsch aus dem Wald. Hund in Badewanne. Kriegt Panik, alle sind nass. Hund rennt nass bis ins Wohnzimmer und springt auf Couch, wo Töchter Fernsehen schauen. Alle regen sich auf. Hund wird auf seinen Platz geschickt. Kriegt ein Schweineohr. Sowas hatte er noch nie. Begeisterung… Fernseher ist aus. Kinder sitzen beim Hund, schauen zu, wie er kaut. Tochter streichelt Hund. Hund knurrt leise. Tochter streichelt weiter. Hund knurrt lauter und droht. Tochter ist irritiert und verharrt kurzzeitig. Hund schnappt nach Hand der Tochter. Familie ist panisch bis besorgt. Abends Krisensitzung. Entschluss fiel schwer, ist aber gefasst. Hund passt nicht zur Familie und soll zeitnah vom Verein weitervermittelt werden.
    *
     
    Ich weiß, dass es bei ganz vielen ganz ganz toll läuft, bitte versteht mich nicht falsch. Aber es ist noch zu viel im Argen. Zu viele Hunde sind unverstanden, überfordert…Von ihnen werden in so kurzer Zeit so viele Dinge verlangt, die utopisch sind! Kein Hund der Welt kann das schaffen, wenn sein Leben vorher eintönig, trist und leer war. So viel Input verkraftet keiner. So viel Neues schafft keiner, ohne irgendwann überzuschnappen.
    Lasst sie die ersten Wochen einfach ganz in Ruhe ihre neue Welt entdecken. Lasst ihnen Zeit. Haltet viele Reize aktiv von ihnen weg…schützt sie und stabilisiert sie. Es ist unfair zu behaupten, dass der Hund sich „schlecht“ verhält, wenn er gar nicht anders kann.
    Und horcht in euch rein. Wenn ihr nicht sicher seid, dass ihr die Nerven, die Zeit und die Kraft habt, alle eventuell anlaufenden Probleme zu wuppen, dann lernt doch einen Hund hier direkt im Tierheim kennen oder auf einer Pflegestelle…
    Ja, das erfüllt das „Retter-“ Herz nicht so sehr…wir wissen um diese Symptomatik. Aber bitte seid realistisch.
     
    Uns geht langsam die Kraft aus, ständig die Brocken wieder einzusammeln, wenn sich jemand mal wieder verschätzt hat oder dann doch nicht so die Nerven und die Zeit hat…
     
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    Die längste Nacht…

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Heute morgen früh hatten wir mit Aniela besprochen, dass wir ENZO aus Kennel 115 dort rausholen und auch ihn in den Vetkennel setzen, weil er echt schlecht aussah (Hautprobleme) und nicht ans Futter kam. Aniela musste bereits heute schon wieder mehrfach dort dazwischen gehen, weil ein kleiner Rüde immer und immer wieder dort unter Druck gesetzt wurde. Also überlegten wir, dass wir beide zusammen dort rausnehmen und in einen freien Vetkennel umsiedeln. Hundekarre geschnappt und los gings. Normalerweise ist das kein Akt, der unfassbar durchdacht sein muss, aber in Kennel 115 sind schon des öfteren schwere Kämpfe ausgetragen worden, und es gibt leider dort einige Rüden, die nicht zu unterschätzen sind, für die es aber eben auch keine andere Möglichkeit gibt an Unterbringung. ENZO war sehr freundlich, ihn konnte Florian tragen, aber auch das reichte schon aus, damit der Kennel kochte. Zwei Rüden versuchten, ENZO auf dem Arm direkt anzugreifen. Mitarbeiter Marian, Aniela, Tierärztin Anna und ich versuchten die Gruppe ein wenig in Schach zu halten, damit ENZO unbeschadet dort herauskam und in den Hundewagen gesetzt werden konnte. Als das geschafft war, stand uns der weitaus schwierigere Teil bevor. Der kleine Rüde ist super scheu, er ließ sich weder tragen noch anfassen. Es war klar, hier half leider nur die Fangstange, da wir nicht Ewigkeiten Zeit hatten, denn die anderen Rüden merkten sofort, was wir vorhatten und warteten nur darauf, dass ihr Opfer endlich aus der Hütte hervorkam. Der kleine Rüde schoss natürlich panisch in alle Richtungen, quer durch die Matsche, denn das ist seine einzige Lösung für diese Situation. Natürlich will er sich nicht einfangen lassen, natürlich auch nicht mit der Hand oder mit Leckerchen oder oder. Er hatte Angst um sein Leben, aber wir mussten da jetzt durch. Es galt also, diesen Paniker zu blockieren, damit die Fangstange ihn fixieren kann  und wir ihn so in den Hundewagen setzen konnte. Ebenso stand aber das „kleine“ Problem im Raum, dass wir dort zwei Rüden an die 40kg hatten, die diesen Paniker gerne eliminieren wollten, koste es, was es wolle. Hier merkt man wieder, wie verzweifelt hier alle sein müssen. aber auch wie sehr hier nicht mehr mit Wasserflasche oder ablenken oder oder hantiert werden kann. Hier geht nur klare Körpersprache, Besen, Schippe, Abwehr. Wir haben wirklich alles gegeben, aber eine Attacke auf den kleinen Mann konnten wir nicht verhindern. Nach einiger Zeit war er dann endlich fixiert, und sass bei ENZO mit im Wagen. Solche Situationen sind brutal, gefährlich und kraftraubend. Aber hätten wir heute nicht gehandelt, wäre der zarte Kerl morgen tot in der Matsche gefunden worden, das war uns allen klar. Klar war das keine schöne Situation für ihn, aber es ging hier ums blanke Überleben und da muss man nicht mehr groß überlegen, ob das jetzt nachwirkend Folgen für ihn haben wird. Sonst wäre er morgen tot. Wenn man solche Situationen noch nie gesehen und erlebt hat, wird man schockiert sein, was Hunde alles so drauf haben und mit welcher Vehemenz sie vorgehen können. Mir wird hier immer klar: Sie sind unsere über alles geliebten Begleiter, sind treu bis an das Ende, aber es bleibt immer ein Restprozentsatz, der nicht unbedingt kalkulierbar ist. Gerade, wenn es kein 5kg Hund ist…

    Nach der Aktion waren wir alle echt erst mal bedient…ENZO und sein kleiner Freund wurden von uns mit Körbchen, Nassfutter und Wasser versorgt und dann war es gerade mal halb 10 und wir hatten das Gefühl, dass es schon 15 Uhr sein muss…. Später schaute ich bei beiden nochmal rein, da lagen sie sehr friedlich in ihren Körbchen und schliefen…

    Nach der Aktion wollten wir gerne mit unserem Tagesprogramm beginnen, als Vet Popescu mit dem Hundetransporter auf den Hof fuhr mit jede Menge Sachspenden an Bord…Ein komisches Gefühl, dass wir ihn erst vor so kurzer Zeit nach Deutschland verabschiedet hatten und er jetzt schon wieder hier war…liegt aber auch einfach daran, dass hier in Bucov die Zeit verfliegt…Wenn man hier vor Ort ist und jeden Tag versucht, das Beste zu machen, freut man sich unfassbar, wenn es endlich wieder Nassfutter und Flocken gibt, das Lachsöl unter das Welpenfutter gemengt werden kann und es neue Decken für den Vetkennel gibt…Großartig!! Danke für diese tolle Hilfe von euch!! Danke an Andra, die fast jede Woche alles organisiert und packt…So viele Sachspenden konnte nun schon hier landen und es hilft so sehr!

     

    Eine kurze Zeit habe ich heute bei den Vetkennel Hunden verbracht. Sie konnten in den letzten Tagen ein wenig geleert werden, weil es freie Plätze in den Außenkennels gab. Die Situation zum Hof raus ist also ein wenig „entspannter“ und wir hatten ja heute sogar einen freien Kennel für ENZO und Freund…

    Danach ging es weiter mit der Tagesplanung. Wir wollten einige Hunde suchen und haben dann in jedem Kennel nochmal nach Notfällen und schwachen Hunden geschaut…und wir sind heute echt rumgekommen…Es war nahezu Kennel Hopping…Und meine Erfassungsböden sind seitenweise gefüllt mit neuen Gesichtern, neuen Infos, neuen Fotos zu bereits erfassten Hunden…… ich habe so viele Bilder in meinem Kopf, so viele Augenpaare, bunte Gesichter, Ohrmarkennummern….viel passt nicht mehr rein auf meine Festplatte. Der Tag heute war super intensiv, super lang, irgendwie auch extrem laut. 

    Zwischendurch – also quasi im Vorbeigehen :-)) – haben wir noch diverse Hütten verteilt. Da unsere Rücken und Knochen eh im Eimer sind nach der Woche, haben wir es uns dann heute nochmal richtig gegeben. Wir spüren jetzt eigentlich gar nichts mehr. Aber Hauptsache die Hundis haben einen Ort zum Schlafen, gerade bei der Nacht, die ihnen nun bevorstehen wird…Aniela war heute schon super nervös, sie verbringt die Nacht im Sancutary. Dort hatte es letztes Jahr in der Neujahrsnacht einige tödliche Beißereien gegeben. Auch in Bucov drehen die Hunde bei jedem Böller (die hier gefühlt nochmal richtig viele lauter als in Deutschland sind….) so richtig auf und der Stresspegel steigt direkt massiv an. Ich habe wirklich Angst, und hoffe so sehr, dass sie alle gut durch die Nacht kommen. Heute sind wir im Stockdunklen zum Auto gegangen, es ist eine ganz gruselige Stimmung dann dort… Angespannt, kalt, einsam, Und wie lang sind die Nächte dort…so viele Stunden ohne Licht, ohne eine Interaktion von außen. Ohne Hilfe. Völlig auf sich alleine gestellt… Und dann erst recht diese Nacht, die ihnen heute nun bevorsteht. Das Shelter liegt ein wenig außerhalb. Ich hoffe so sehr, dass sie nicht so ganz im Auge der Knallerei stecken und es ein wenig gedämpfter ist als hier in der Stadt. Ich hoffe, dass keiner die Nerven verliert und seine Panik an einem Schwächeren auslässt. Dass sie einfach durchhalten und die Sonne bald aufgeht. Aber ich weiß, dass diese Nacht die längste Nacht sein wird. Und das macht es zu einem Silvester, was ich nicht positiv verbinden werde. Es ist gut, dass wir hier sind. Vielen können wir vielleicht so helfen, die es ohne uns sonst nicht packen würden. Aber der Zeitpunkt ist nichts für schwache Nerven. Im Shelter tut sich zwischen den Jahren nichts, man weiß gar nicht, wo man zuerst anfangen soll. Die Witterung. Der Matsch. Die Kälte. Die Hauthunde. Die vielen Welpen. Die Knallerei. Die kurzen Tage. Die langen Nächte. Selten habe ich Bucov so trist erlebt. Selten habe ich aber auch das Gefühl gehabt, jetzt gerade hier so sehr gebraucht zu werden. Wenn ich es mir einrichten kann, werde ich es immer wieder versuchen, genau zu dieser Zeit hier zu sein. Maximale Herausforderung. Aber es geht. Vor allem würde ich Zuhause kribbelig werden, wenn ich mir die Zeit zwischen den Jahren irgendwie mit Nichtigkeiten vollpacke und hier alle völlig überfordert sind und nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht. Auch der Bautrupp wird vor seinem geplanten Einsatz schon wieder in Bucov sein. Durch unsere Schilderung der Lage vor Ort wird ein Team im Februar schon vor Ort sein. Wir haben heute einige Grundrisse ausgemessen und diese schon durchgegeben, damit die Materialplanung gestartet werden kann. Danke an alle Fleißigen, die wieder dabei sein werden. Ich bin euch unendlich dankbar!! 

    Wir sind in Gedanken nun bei unseren Rumis, die nun durch die längste Nacht müssen. Morgen sind wir vormittags nochmal in Bucov, werden noch einige offene Dinge abklären und dann Richtung Flughafen zurück nach Deutschland aufbrechen. Das Herz ist wieder so schwer… 

    Danke für euer großes Interesse, eure Anfragen, eure Hilfestellung, eure Empathie. Wir brauchen euch alle so sehr, damit wir stetig weitergehen und immer wieder für unsere Rumis da sein können. 
    Kommt gut rüber in das Jahr 2019 und passt auf eure Tiere auf!

    Anna 

     

     

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    Wagemut.

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Die to do Liste für den heutigen Tag war wieder sehr lang. Aniela hatte uns viele einzelne Kennels genannt, in die neue Hunde gesetzt wurden und die ihr sehr am Herzen lagen. Auch hatten wir selber noch einige Kennels entdeckt, die uns sehr hart und brutal vorkamen, wo wir auch nochmal nach underdogs und Notfällen schauen wollten. Heute war der wettertechnisch ekligste Tag. Nebel, nass kalt bei 3 Grad. Morgens früh waren viele Hunde noch versteckt in den Hütten, die Welpen und Junghunde bibberten und weinten leise. 🙁 Immer wenn man ganz gezielt zu einem bestimmten Kennel auf dem Weg ist, bleibt man doch wieder irgendwo anders hängen, weil einen die Blicke festhalten. Hier nochmal neue Bilder, da nochmal ein Update oder ein neues Video. Die Zeit vergeht wie im Flug. So sind wir zum Beispiel bei ABBEY hängengeblieben. Ihre Blicke haben uns nicht losgelassen… Sie ist noch ein wenig besorgt, aber wir konnten sie gut anfassen. Sie steht immer völlig verloren auf ihrem Hüttchen und schaut traurig nach draußen… 🙁 

    http://prodogromania.de/bilder/index.php/Ploiesti/H-ndinnen/Milina/ABBEY

    In Kennel 116/1 sind wir auf einen älteren Rüden gestoßen, der super dürr ist Er steht nur an der Tür, lehnt sich an das Gitter an, weil er so schwach ist. Wir konnten ihn separat ein wenig füttern und später auch hochnehmen und genauer kennenlernen. Bei ihm ist es 5 vor 12, er braucht dringend ein Zuhause. Wir haben ihn HONDURO genannt, er kommt zeitnah in die Galerie. 

     

    In Kennel 134/3 hat uns ein sehr nettes Rüden Kumpel Duo erwartet. Anfänglich waren beide super unsicher, sind dann aber ganz fix aufgetaut und waren richtig verschmust… Auch sie ziehen ganz bald in unsere Galerie ein. Sie haben sich erst wirklich gegruselt und dann ihre eigene Angst überwunden und waren später so fröhlich und stolz darüber. Wagemutig….denn die Kerls wissen ja nicht, wer wir sind und was wir vorhaben….und das berührt immer wieder….zu sehen, wie sie sich überwinden, trauen, mutig sind und später einfach dabei sein können, ohne dauerbesorgt zu sein.

    [Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben.]

    Gegen Nachmittag haben wir dann noch einige Kennels entdeckt, die ganz tief verdreckt waren. Die Hunde haben sich kaum noch aus den Hütten bewegt, so sehr haben sie sich geekelt. Wir haben uns Schaufel und neues Stroh geschnappt und haben erst mal eine schnelle Reinigungsarbeit eingelegt. Leider ist jetzt zwischen den Feiertagen gar nichts passiert und das alte Stroh mischt sich mit Matsch und Kot und wird zu einer nassen, feuchten und ekeligen Platte. Alles andere als gut für die Hundepfoten…

    Als alles wieder ein wenig sauberer und trockener war, haben die Hunde sich sofort wieder bewegt und waren wieder eine ganze Ecke fröhlicher… 
    Mit begleitet wurden wir bei der Aktion von Mr. Pierce Brosnan. Ein unfassbar souveräner und cooler Huskymix, der sich durch alle freien Gruppen des Shelters bewegt. Das ist natürlich immer mit unfassbarer Lautstärker verbunden, denn alle Hunde in den Zwingern wissen genau, wer zu welcher freilaufenden Gruppe gehört. Und Pierce ist hier ziemlich neu und ziemlich von sich überzeugt. Leider wird auch für ihn der Tag kommen, wo er in einen Zwinger eingesperrt wird. Es war schon mehrfach im Gespräch, einen Zwinger für ihn zu finden, da er doch das halbe Tierheim in Aufruhr versetzt, wenn er stolzen Hauptes durch die Gänge schreitet. Aber wir können uns diesen majestätischen Rüden nicht weggesperrt in einem Zwinger vorstellen. Er ist so ein besonderer Geist und hat so eine wahnsinnige Ausstrahlung. Er legt sich mitten auf dem Gelände entspannt auf die Seite, was so viel über seine Souveränität, aber auch über seine Stärke aussagt. Er braucht Menschen, die ihn souverän führen und ihn nicht in irgendwelche Gehorsamsschienen pressen. Er ist ein freier Hund, der demjenigen folgen wird, zu dem er aufschauen kann. Er wird niemandem folgen, der nicht erkennt, wer er ist. Mit anderen Worten – weniger romantisch, mehr realistisch:  Wir suchen rasseerfahrene Menschen, die den agilen und selbstbewusste Rüden zu hantieren wissen, andere Hunde, vor allem Hündinnen stellen gar kein Problem für ihn da. Pierce will beim Menschen sein, er sucht den Kontakt, das hat er hier mehrfach sehr deutlich gezeigt. 

    LULO und RODRICK aus den Vetkenneln haben wir heute in der 78 wieder entdeckt. Auch zwei Rüden, die mich unfassbar bewegen. Sie sind schon so lange hier, haben so viel schon mitgemacht und sind immer noch so nett und so erfreut, wenn man sie besuchen kommt. Dieser nicht versiegende Optimismus an diesem aktuell einfach nur grauen Ort ist etwas, was mich immer wieder tief bewegt und mich ganz klein werden lässt. Sie klammern sich an jeden Halm Hoffnung, freuen sich über alles Freundliche, was zu ihnen in den Zwinger kommt. Sie kommen sofort zu dir, verlassen ihre warme Hütte und stellen sich in den Matsch, nur um dich zu begrüßen. Das berührt. Sehr. Auch hier ist der Wagemut wieder da. Sie trauen sich immer wieder, vertrauen immer wieder. Obwohl sie nicht wissen können, mit was wir für Absichten kommen. Ihr Urvertrauen ist nicht getrübt, durch das was schon alles geschehen ist. 

    Morgen habe ich eine lange Liste mit Hunden, die wir uns genauer anschauen werden, weil sie Anfragen haben und hier einige Details noch abgeklärt werden müssen. Ebenso versuchen wir einige vermisste Hunde doch irgendwie ausfindig zu machen. Und dann schauen wir nochmal genau, wem wir irgendwie helfen können. Wir bleiben dran. Immer und immer und immer wieder. Bis morgen! 

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    Dauerschleife.

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Da wir nur mit einem sehr kleinen Team hier sind und es sowieso nicht schaffen werden, in jedem Kennel alle Hunde zu Erfassen, müssen wir Prioritäten setzen. Wo sind Hunde, die es nicht schaffen werden? Welche Kennels sind besonders matschig und wenig wetterfest? So sind wir heute morgen direkt mit einer Kennel Reihe gestartet, wo immer viele Welpen und kleine Hunde sind, Dort waren wir auch schon im Oktober und wir waren wirklich sehr erschrocken, wie schlecht die Hunde aussahen und wie sehr sie abgebaut hatten. Gerade nach dem Zahnwechsel fangen bei vielen Hunden die Hautprobleme an, weil dann das Immunsystem wirklich angeknackst ist. Sie sind alle in Behandlung, aber vor Ort bei 2000 Hunde kann niemand anfangen, einzelne Hunde zu baden. Das geht hier einfach nicht. Ebenso trägt auch das dreckige Umfeld nicht dazu bei, dass hier jemand gesund wird. Ein Teufelskreis. Auch in diesen Kennels merkte man wieder, wie dünn die Nerven hier sind. Die Welpen schreien teilweise einfach durch. Ihnen ist kalt, sie mögen das Trockenfutter nicht, die Füße tun ihnen weh und es juckt überall. Hier sind so viele von ihnen, dass es unmöglich ist, alle in die Klinik zu bringen. Die Kliniken sind voll mit Hunden, denen ganze Hautteile bei Beißereien abgerissen wurden oder Staupe Hunde, die täglich Infusionen erhalten müssen. Unsere Hauthunde hier in Bucov müssen es mit Simparica schaffen. Viele von ihnen sehen nach einigen Wochen auch wieder besser aus, aber jetzt aktuell ist es die schwierigste Zeit, die es irgendwie zu packen gilt. Vielen von ihnen konnten wir heute Stroh bringen und haben die Hütten gecheckt. Ich weiß nicht, wie viele Hütten ich schon mit Stroh gefüllt habe, wie viele Welpen ich schon erfasst und fotografiert habe. Ich zähle das nicht. Es wird nicht von heute auf morgen etwas anders werden. Es werden nicht weniger Welpen geboren und ausgesetzt werden im nächsten Jahr. Irina oder Catalina werden nicht weniger Hunde impfen und um sie bangen. Es geht immer wieder von vorne los. Täglich fahren die Hundefänger raus und bringen neue Hunde nach Bucov. Tag für Tag. 

    Irina hat uns heute noch um Hilfe gebeten. Sie hat einige Welpen im Container untergebracht und hätte so gerne zeitnah eine Familie für sie, damit sie nicht in die Außenkennels müssen. Jeder einzelne wurde kurz aus seiner Box geholt und auf einen kleinen Wagen mit Decke gestellt – fertig war das Fotostudio. Einer nach dem anderen wandert nun ganz bald in die Galerie und wird hoffentlich zeitig ausreisen dürfen. Jeder einzigartig und besonders, jeder hat diese Chance verdient. 

    Auch die Kennels 2-11 sind nun alle mit Stroh versorgt, wir konnten einzelne Notfälle erfassen und müssen morgen 3 Hunde Tierärztin Catlina vorstellen, darunter auch ein alter Rüde, der viel zu dünn ist. Diesen haben wir aber erst spät am Nachmittag entdeckt, Catalina war nicht mehr vor Ort.  Beim Strohverteilen sind die Hunde immer sehr aufgeregt, so viel Neues passiert hier nicht sehr oft. Das Stroh riecht sehr spannend und die neuen Liegemöglichkeiten werden sofort okkupiert. Ich hatte ein wenig Stroh auf einer Hütte zwischen geparkt, um es nicht in den Matsch legen zu müssen. Als ich zwei Minuten später wieder aufstand, hatte sich dort eine nette schwarze Hündin schon ein Bettchen gebaut und war völlig zufrieden mit sich und der Welt. Was für ein Bild, traurig und schön zu gleich. Wunderbar, dass wir dieser Lady so eine Freude machen konnten. Traurig, dass die Hunde mit so einer Kleinigkeit schon zu glücklich sein können. Ein loser Berg Stroh auf einer Holzhütte ist hier schon eine Steigerung vom Lebensstandard. 

    Wir merken aktuell, dass zwischen den Jahren hier sehr wenig passiert. Es wird gefüttert und gewässert, aber auch nicht in jeder Ecke. Dreck wird so gut wie keiner weggemacht, so dass sich in manchen Zwingern der Kot wieder türmt. Die Hunde ekeln sich super vor dem Boden, manche balancieren auf den Futtertrögen, um so wenig Bodenkontakt wie möglich zu haben. Ebenso wird auch baulich aktuell gar nichts auf die Beine gestellt. Aniela hat noch zahlreiche Betonplatten organisiert, damit noch weitere Kennels ausgelegt werden können. Gerade die Kennels ohne Dach stehen wieder knietief in der Matsche und im Kot. Heute fing es ab 14 Uhr an zu regnen. Eisiger Guss von oben. Die Hunde sind nach kurzer Zeit durch und durch nass. Die Kennels, die nicht befestigt sind, verwandeln sich innerhalb von Stunden zu Matschlöchern. Erfassen ist dort kaum möglich. Das Schreibbrett, die Handys, das Papier, das Kameraobjektiv ist binnen kurzer Zeit voller Matsche. Die Hunde freuen sich, springen an einem hoch und es ist wirklich die reinste Matschschlacht…Wir hoffen, dass es bis morgen wieder ein wenig abgetrocknet ist, weil Aniela uns gerade heute neue Hunde in einigen Kennels zeigte, die alle nicht überdacht sind. Wir müssen dringend dort rein… denn auch hier gilt: Nur wer in der Galerie ist, wird auch eine Chance haben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es eine Dauerschleife ist an Tätigkeiten, an Problemen, an immer wiederkehrenden Aufgaben. An Erklärungen. Immer wieder erklären und berichten wir von Dingen, die wir schon sehr häufig beschrieben und erläutert haben. Warum tragen die Hunde Ohrmarken? Warum kann Hund xy nicht in die Klinik gebracht werden? Warum sind die Vetkennels manchmal die letzte Hoffnung? Warum müssen schon die Junghunde kastriert werden? Warum sind nicht alle Mitarbeiter im Tierheim böse Menschen? Jeden Monat müssen wir immer wieder die selben Kosten stemmen. Futter, Kastrationen, Impfungen. Monat für Monat für Monat. Dauerschleife. Das ist zäh. Das ist nicht immer leicht. Das ist manchmal besorgniserregend. Weil nicht einfach der Knoten platz und die Lösungen ist gefunden und alles ist gut. Das ist die große Herausforderung, die der Tierschutz – egal an welchem Ort auf der Welt – in sich trägt. Dadurch wird unfassbar viel gleichzeitig aber auch gefordert von den Menschen, die Tierschutz mit Verstand und Vernunft durchführen wollen. Der Druck, unter dem man steht, ist gefährlich. Jeden Tag könnte man 48 Stunden arbeiten. Alles würde noch besser gemacht werden können. Man könnte für Tier xy vielleicht noch eine bessere Lösungen finden. Man könnte noch länger arbeiten, damit man eben noch mehr Tieren besser helfen könnte. Es ist ein nicht endender Prozess. Und man muss aufpassen, dass man sich nicht völlig darin verwebt und die Fokussierung vergisst. Oder die Kraft verliert. Oder die Hoffnung. Oder die Empathie. Manchmal trifft man auch hier die falschen Entscheidungen. Geht einen falschen Weg. Trifft die falschen Leute. Es gibt so viele Sackgassen, in denen man landen kann. Ein Minenfeld irgendwie. Viele geben irgendwann auf im Tierschutz. Haben viel Gutes getan, aber irgendwann hat das Dunkle so überwiegt, dass man den Sinn und das Licht für die Sache irgendwie aus den Augen verloren hat. Das passiert tagtäglich und ist irgendwie sehr traurig, da somit viele gute Prozesse auf der Strecke bleiben. Aber ich verstehe auch jeden, der sagt: Ich kann das nicht mehr. 

    Auch heute haben wir wirklich geackert und das Wetter hat seinen Rest dazu getan, dass wir völlig fertig sind. Aber irgendwie hat man nicht das Gefühl, dass man groß etwas geschafft hat. Man hat ein Bruchteil an Hunden gesehen, an Bruchteil von ihnen besucht. Auch hier ist man jetzt wieder gefragt, dass man sich selber nicht in diese dunkle Ecke treiben lässt, sondern weiß, dass auch dieser Besuch wichtig für das große Ganze ist.  Heute Abend, als es fast schon dunkle war, haben wir in Kennel 1/5 bei den ganzen kleinen Hautwelpis noch Stroh verteilt. Die kleinen Kerle haben vor Freude geschrien und sich ganz wichtig ihre Bettchen gebaut. Und jetzt liegen sie dort in der Dunkelheit und haben eine verdammt lange Nacht vor sich. Es regnet, vermutlich friert es heute Nacht aber wieder. Eine fiese Mischung. Als wir heute am Ende des Shelter Tages am Auto standen, bot sich uns dieses Bild:

    An Tristesse kaum zu überbieten. Kalt. Eisschicht mit Matsche. Kahle Bäume. Schreie und Geheule aus dem Vetkennel. Aufgeregtes Gekläffe bei den Welpenkennels, die auch noch nicht überdacht sind. Die kleinen Kerls sind klatschnass und müssen nun durch die Nacht.  10 Minuten später sitze ich  im warmen Auto Richtung Pension und denke daran, dass der Opa aus Kennel 5 bestimmt das Trockenfutter, was man ihm in die Hütte gelegt hat, nicht gut kauen kann mit seinen Zähnen und dass er furchtbar frieren wird, weil er gar nichts auf den Rippen hat. Meine Finger bohren sich ins Lenkrad. Dauerschleife in meinem Kopf. 

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