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    Was „ankommen lassen“ heißt…

    Lasst ihn bitte ankommen.
    – Na klar! Versteht sich doch von selbst.
     
    Habt bitte für die erste Zeit keinerlei Erwartungen.
    – Ja, das ist uns bewusst.
     
    Geht bitte erst mal davon aus, dass es eine harte erste Zeit werden wird und es Kraft und Geduld in Anspruch nimmt, wenn der Hund neu bei euch ist.
    – Ja, das ist kein Problem. Das haben wir so eingeplant.
     
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    Nichts versteht sich von selbst. Auf einmal gibt es ganz viele Probleme und man ist sich doch gar nicht mehr so bewusst, was alles nicht gut laufen kann. Und schon wird es schwierig. Der Hund passe nicht so richtig. Man sei nicht der richtige Platz. Der Hund sei anders als beschrieben…
     
    Manchmal fühlt man sich so, als ob man niemals vorab beraten und aufgeklärt hätte. Als ob sämtliche Informationen im Nirvana versickert sind.
    Hund muss ab Tag 2 spätestens an der Leine laufen, sonst wird es schon schwierig.
    Wenn Hund an Tag 4 immer noch in die Bude pinkelt, werden die Nerven dünn.
    Wenn er in Woche 3 immer noch beim Autofahren den Mageninhalt von sich gibt, ist die Geduld am Ende.
     
    Wie viel Zeit gesteht man ihnen ein? Ab wann muss es „rund laufen“? Manche Menschen scheinen da sehr genaue Vorstellungen zu haben und sind bitter enttäuscht und nervlich am Ende, wenn es eben ganz anders läuft als geplant.
     
    Dabei wird es ab Woche 6, 7, 8 erst so richtig spannend. Futter gibt es jeden Tag, Sofa ist auch schon erobert, Territorium abgesteckt, Nachbarschaft ausgekundschaftet. Ausgeschlafen, satt, keine nervigen Milben mehr. Voller Kraft voraus. 🙂
     
    Eine Direktadoption aus dem Ausland ist nichts für schwache Nerven. Nichts ist wirklich planbar. Es ist eine Wundertüte, ein Wagnis, eine Herausforderung. Viele Menschen machen das ganz wunderbar und sind in der ersten Zeit das für den Hund, was er braucht. Stütze, Ruhepol, Organisator.
    Manche Menschen können sich aber ansatzweise nicht vorstellen, was da alles auf einen zurollen kann. Natürlich beraten wird. Natürlich klären wir auf. Natürlich stehen wir helfend zur Seite. Aber es reicht alles nicht aus.
    In manchen, ganz wenigen Fällen, ist es wirklich so, dass die Lage Zuhause nicht mehr tragbar ist. Dass es ganz und gar nicht passt. Aber diese Fälle sind selten. In den meisten Fällen wird vorschnell aufgegeben, vorschnell gesagt: Es geht nicht mehr. Es ist unbequem, anstrengend, nervig. Der Hund ist gerettet. Und ist eben nicht dankbar. Er führt sich auf wie die Axt im Walde, krempelt das Leben völlig um und eigentlich kostet es nur Nerven. So wie man es sich eigentlich nicht vorgestellt hat.
    Und der Mensch ist nicht gemacht, um sich durch schwierige Situationen durchzuboxen. Der Mensch ist bequem.
     
    Diese eher bequeme Natur, die aber auf maximal schöne Momente im Leben ausgelegt ist, puscht dann das neue Hundeding in den ersten Tagen so sehr, dass gar nichts mehr geht. Kein Hund, der frisch angekommen ist und mit 2389281 Umweltreizen nun umgehen muss, die er vorher nicht mal ansatzweise kannte, wird nun gefördert und gefordert wie es nur geht.
    Liebe Leute. Lasst die Hunde einfach in der ersten Woche in Ruhe. Sie sollen schlafen. Sie sollen ihre Zuhause und den Garten geführt inspizieren. Sie sollen die Menschen und ggf. Tiere kennenlernen, mit denen sie das neue Leben nun teilen. Ggf. können sie auch schon einen Tierarztbesuch wahrnehmen, aber mehr muss gar nicht sein. Vorher war monatelang nie mehr am Tag los. Zwinger. Hütte, Gekläffe. Mal eine Klopperei. Einmal am Tag Futter und Wasser. Fertig. Das wars. So sah es Wochen, Monate, Jahre bei vielen Hunden aus.
     
    *
    Jetzt stellt euch doch einfach mal vor, wie dann so der neue Tag in Familie x für Rumäne y aussieht: Morgens erstes Gassi. Neue Runde, wird ja sonst langweilig. Mit Sicherheitsgeschirr an Leine. Hundemarken klimpern. Hund riecht nicht wie sonst, Shampoo beeinträchtigt die Nase. Beim Gassi trifft man Nachbarn, der neuen Hund anfasst. Neuer Hund findet Nachbarn blöd. Es geht nach Hause. Futter. Vor dem Füttern muss der Hund sitzen und warten. Kapiert er nicht. Wird wieder aus der Küche geschickt. Soll ja im Flur warten. Frustriert. Nach dem Füttern nochmal kurz raus in Garten. Eine Stunde später. Hund döst gerade im Wohnzimmer. Tochter bekommt Besuch. Kinder toben durchs Haus. Hund verfolgt Kinder. Findet die lauten Schreie besorgniserregend. Springt Besucherkind an. Dieses fällt hin. Vater nimmt Hund am Halsband, führt ihn ins Arbeitszimmer, wo er warten soll. Halsband nervt Hund schon seit Stunden. Auch stundenlanges Kratzen am Halsband bringt nichts. Halsband nervt weiter. Im Arbeitszimmer endlich Ruhe. Hund döst auf Schreibtischstuhl. Erhöhte Position ist wichtig, hat auch schon in Rumänien entspannt. 30 min später wird Hund abgeholt von Mutter. Große Runde steht an. In den Wald. Mit dem Auto. Wieder ins Geschirr. Marken nerven immer noch. Auto steht in Garage. Garage ist gruselig. Hund wird in Autobox gesetzt, da er nicht in einen dunklen Kofferraum springt, da er nicht weiß, was dort für Gefahren drohen könnten. Fahrt zum Wald. Hund ist schlecht. Box ist dunkel, er kann nicht nach draußen schauen. Ankunft im Wald. Zum Glück nicht gekotzt. Frauchen atmet auf. Schleppleine an Geschirr, Hund wird ausgeladen. Freilaufende Hunde direkt am Parkplatz. Hund wird penetrant gemustert und bedrängt. Frauchen unterhält sich angeregt. Es geht los in den Wald. 40 neue Gerüche auf 1qm. Hundenase völlig überfordert. Hund bleibt ständig stehen, Frauchen ist genervt. Jogger von hinten. Hund will folgen, Frauchen tritt auf Schleppleine… Endlich wieder nach 1.5 Stunden am Auto. Hund völlig aufgekratzt und nervös. Fahrt nach Hause. Garage immer noch gruselig. Hund muss abgeduscht werden, voller Matsch aus dem Wald. Hund in Badewanne. Kriegt Panik, alle sind nass. Hund rennt nass bis ins Wohnzimmer und springt auf Couch, wo Töchter Fernsehen schauen. Alle regen sich auf. Hund wird auf seinen Platz geschickt. Kriegt ein Schweineohr. Sowas hatte er noch nie. Begeisterung… Fernseher ist aus. Kinder sitzen beim Hund, schauen zu, wie er kaut. Tochter streichelt Hund. Hund knurrt leise. Tochter streichelt weiter. Hund knurrt lauter und droht. Tochter ist irritiert und verharrt kurzzeitig. Hund schnappt nach Hand der Tochter. Familie ist panisch bis besorgt. Abends Krisensitzung. Entschluss fiel schwer, ist aber gefasst. Hund passt nicht zur Familie und soll zeitnah vom Verein weitervermittelt werden.
    *
     
    Ich weiß, dass es bei ganz vielen ganz ganz toll läuft, bitte versteht mich nicht falsch. Aber es ist noch zu viel im Argen. Zu viele Hunde sind unverstanden, überfordert…Von ihnen werden in so kurzer Zeit so viele Dinge verlangt, die utopisch sind! Kein Hund der Welt kann das schaffen, wenn sein Leben vorher eintönig, trist und leer war. So viel Input verkraftet keiner. So viel Neues schafft keiner, ohne irgendwann überzuschnappen.
    Lasst sie die ersten Wochen einfach ganz in Ruhe ihre neue Welt entdecken. Lasst ihnen Zeit. Haltet viele Reize aktiv von ihnen weg…schützt sie und stabilisiert sie. Es ist unfair zu behaupten, dass der Hund sich „schlecht“ verhält, wenn er gar nicht anders kann.
    Und horcht in euch rein. Wenn ihr nicht sicher seid, dass ihr die Nerven, die Zeit und die Kraft habt, alle eventuell anlaufenden Probleme zu wuppen, dann lernt doch einen Hund hier direkt im Tierheim kennen oder auf einer Pflegestelle…
    Ja, das erfüllt das „Retter-“ Herz nicht so sehr…wir wissen um diese Symptomatik. Aber bitte seid realistisch.
     
    Uns geht langsam die Kraft aus, ständig die Brocken wieder einzusammeln, wenn sich jemand mal wieder verschätzt hat oder dann doch nicht so die Nerven und die Zeit hat…
     
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    Die längste Nacht…

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Heute morgen früh hatten wir mit Aniela besprochen, dass wir ENZO aus Kennel 115 dort rausholen und auch ihn in den Vetkennel setzen, weil er echt schlecht aussah (Hautprobleme) und nicht ans Futter kam. Aniela musste bereits heute schon wieder mehrfach dort dazwischen gehen, weil ein kleiner Rüde immer und immer wieder dort unter Druck gesetzt wurde. Also überlegten wir, dass wir beide zusammen dort rausnehmen und in einen freien Vetkennel umsiedeln. Hundekarre geschnappt und los gings. Normalerweise ist das kein Akt, der unfassbar durchdacht sein muss, aber in Kennel 115 sind schon des öfteren schwere Kämpfe ausgetragen worden, und es gibt leider dort einige Rüden, die nicht zu unterschätzen sind, für die es aber eben auch keine andere Möglichkeit gibt an Unterbringung. ENZO war sehr freundlich, ihn konnte Florian tragen, aber auch das reichte schon aus, damit der Kennel kochte. Zwei Rüden versuchten, ENZO auf dem Arm direkt anzugreifen. Mitarbeiter Marian, Aniela, Tierärztin Anna und ich versuchten die Gruppe ein wenig in Schach zu halten, damit ENZO unbeschadet dort herauskam und in den Hundewagen gesetzt werden konnte. Als das geschafft war, stand uns der weitaus schwierigere Teil bevor. Der kleine Rüde ist super scheu, er ließ sich weder tragen noch anfassen. Es war klar, hier half leider nur die Fangstange, da wir nicht Ewigkeiten Zeit hatten, denn die anderen Rüden merkten sofort, was wir vorhatten und warteten nur darauf, dass ihr Opfer endlich aus der Hütte hervorkam. Der kleine Rüde schoss natürlich panisch in alle Richtungen, quer durch die Matsche, denn das ist seine einzige Lösung für diese Situation. Natürlich will er sich nicht einfangen lassen, natürlich auch nicht mit der Hand oder mit Leckerchen oder oder. Er hatte Angst um sein Leben, aber wir mussten da jetzt durch. Es galt also, diesen Paniker zu blockieren, damit die Fangstange ihn fixieren kann  und wir ihn so in den Hundewagen setzen konnte. Ebenso stand aber das „kleine“ Problem im Raum, dass wir dort zwei Rüden an die 40kg hatten, die diesen Paniker gerne eliminieren wollten, koste es, was es wolle. Hier merkt man wieder, wie verzweifelt hier alle sein müssen. aber auch wie sehr hier nicht mehr mit Wasserflasche oder ablenken oder oder hantiert werden kann. Hier geht nur klare Körpersprache, Besen, Schippe, Abwehr. Wir haben wirklich alles gegeben, aber eine Attacke auf den kleinen Mann konnten wir nicht verhindern. Nach einiger Zeit war er dann endlich fixiert, und sass bei ENZO mit im Wagen. Solche Situationen sind brutal, gefährlich und kraftraubend. Aber hätten wir heute nicht gehandelt, wäre der zarte Kerl morgen tot in der Matsche gefunden worden, das war uns allen klar. Klar war das keine schöne Situation für ihn, aber es ging hier ums blanke Überleben und da muss man nicht mehr groß überlegen, ob das jetzt nachwirkend Folgen für ihn haben wird. Sonst wäre er morgen tot. Wenn man solche Situationen noch nie gesehen und erlebt hat, wird man schockiert sein, was Hunde alles so drauf haben und mit welcher Vehemenz sie vorgehen können. Mir wird hier immer klar: Sie sind unsere über alles geliebten Begleiter, sind treu bis an das Ende, aber es bleibt immer ein Restprozentsatz, der nicht unbedingt kalkulierbar ist. Gerade, wenn es kein 5kg Hund ist…

    Nach der Aktion waren wir alle echt erst mal bedient…ENZO und sein kleiner Freund wurden von uns mit Körbchen, Nassfutter und Wasser versorgt und dann war es gerade mal halb 10 und wir hatten das Gefühl, dass es schon 15 Uhr sein muss…. Später schaute ich bei beiden nochmal rein, da lagen sie sehr friedlich in ihren Körbchen und schliefen…

    Nach der Aktion wollten wir gerne mit unserem Tagesprogramm beginnen, als Vet Popescu mit dem Hundetransporter auf den Hof fuhr mit jede Menge Sachspenden an Bord…Ein komisches Gefühl, dass wir ihn erst vor so kurzer Zeit nach Deutschland verabschiedet hatten und er jetzt schon wieder hier war…liegt aber auch einfach daran, dass hier in Bucov die Zeit verfliegt…Wenn man hier vor Ort ist und jeden Tag versucht, das Beste zu machen, freut man sich unfassbar, wenn es endlich wieder Nassfutter und Flocken gibt, das Lachsöl unter das Welpenfutter gemengt werden kann und es neue Decken für den Vetkennel gibt…Großartig!! Danke für diese tolle Hilfe von euch!! Danke an Andra, die fast jede Woche alles organisiert und packt…So viele Sachspenden konnte nun schon hier landen und es hilft so sehr!

     

    Eine kurze Zeit habe ich heute bei den Vetkennel Hunden verbracht. Sie konnten in den letzten Tagen ein wenig geleert werden, weil es freie Plätze in den Außenkennels gab. Die Situation zum Hof raus ist also ein wenig „entspannter“ und wir hatten ja heute sogar einen freien Kennel für ENZO und Freund…

    Danach ging es weiter mit der Tagesplanung. Wir wollten einige Hunde suchen und haben dann in jedem Kennel nochmal nach Notfällen und schwachen Hunden geschaut…und wir sind heute echt rumgekommen…Es war nahezu Kennel Hopping…Und meine Erfassungsböden sind seitenweise gefüllt mit neuen Gesichtern, neuen Infos, neuen Fotos zu bereits erfassten Hunden…… ich habe so viele Bilder in meinem Kopf, so viele Augenpaare, bunte Gesichter, Ohrmarkennummern….viel passt nicht mehr rein auf meine Festplatte. Der Tag heute war super intensiv, super lang, irgendwie auch extrem laut. 

    Zwischendurch – also quasi im Vorbeigehen :-)) – haben wir noch diverse Hütten verteilt. Da unsere Rücken und Knochen eh im Eimer sind nach der Woche, haben wir es uns dann heute nochmal richtig gegeben. Wir spüren jetzt eigentlich gar nichts mehr. Aber Hauptsache die Hundis haben einen Ort zum Schlafen, gerade bei der Nacht, die ihnen nun bevorstehen wird…Aniela war heute schon super nervös, sie verbringt die Nacht im Sancutary. Dort hatte es letztes Jahr in der Neujahrsnacht einige tödliche Beißereien gegeben. Auch in Bucov drehen die Hunde bei jedem Böller (die hier gefühlt nochmal richtig viele lauter als in Deutschland sind….) so richtig auf und der Stresspegel steigt direkt massiv an. Ich habe wirklich Angst, und hoffe so sehr, dass sie alle gut durch die Nacht kommen. Heute sind wir im Stockdunklen zum Auto gegangen, es ist eine ganz gruselige Stimmung dann dort… Angespannt, kalt, einsam, Und wie lang sind die Nächte dort…so viele Stunden ohne Licht, ohne eine Interaktion von außen. Ohne Hilfe. Völlig auf sich alleine gestellt… Und dann erst recht diese Nacht, die ihnen heute nun bevorsteht. Das Shelter liegt ein wenig außerhalb. Ich hoffe so sehr, dass sie nicht so ganz im Auge der Knallerei stecken und es ein wenig gedämpfter ist als hier in der Stadt. Ich hoffe, dass keiner die Nerven verliert und seine Panik an einem Schwächeren auslässt. Dass sie einfach durchhalten und die Sonne bald aufgeht. Aber ich weiß, dass diese Nacht die längste Nacht sein wird. Und das macht es zu einem Silvester, was ich nicht positiv verbinden werde. Es ist gut, dass wir hier sind. Vielen können wir vielleicht so helfen, die es ohne uns sonst nicht packen würden. Aber der Zeitpunkt ist nichts für schwache Nerven. Im Shelter tut sich zwischen den Jahren nichts, man weiß gar nicht, wo man zuerst anfangen soll. Die Witterung. Der Matsch. Die Kälte. Die Hauthunde. Die vielen Welpen. Die Knallerei. Die kurzen Tage. Die langen Nächte. Selten habe ich Bucov so trist erlebt. Selten habe ich aber auch das Gefühl gehabt, jetzt gerade hier so sehr gebraucht zu werden. Wenn ich es mir einrichten kann, werde ich es immer wieder versuchen, genau zu dieser Zeit hier zu sein. Maximale Herausforderung. Aber es geht. Vor allem würde ich Zuhause kribbelig werden, wenn ich mir die Zeit zwischen den Jahren irgendwie mit Nichtigkeiten vollpacke und hier alle völlig überfordert sind und nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht. Auch der Bautrupp wird vor seinem geplanten Einsatz schon wieder in Bucov sein. Durch unsere Schilderung der Lage vor Ort wird ein Team im Februar schon vor Ort sein. Wir haben heute einige Grundrisse ausgemessen und diese schon durchgegeben, damit die Materialplanung gestartet werden kann. Danke an alle Fleißigen, die wieder dabei sein werden. Ich bin euch unendlich dankbar!! 

    Wir sind in Gedanken nun bei unseren Rumis, die nun durch die längste Nacht müssen. Morgen sind wir vormittags nochmal in Bucov, werden noch einige offene Dinge abklären und dann Richtung Flughafen zurück nach Deutschland aufbrechen. Das Herz ist wieder so schwer… 

    Danke für euer großes Interesse, eure Anfragen, eure Hilfestellung, eure Empathie. Wir brauchen euch alle so sehr, damit wir stetig weitergehen und immer wieder für unsere Rumis da sein können. 
    Kommt gut rüber in das Jahr 2019 und passt auf eure Tiere auf!

    Anna 

     

     

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    Wagemut.

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Die to do Liste für den heutigen Tag war wieder sehr lang. Aniela hatte uns viele einzelne Kennels genannt, in die neue Hunde gesetzt wurden und die ihr sehr am Herzen lagen. Auch hatten wir selber noch einige Kennels entdeckt, die uns sehr hart und brutal vorkamen, wo wir auch nochmal nach underdogs und Notfällen schauen wollten. Heute war der wettertechnisch ekligste Tag. Nebel, nass kalt bei 3 Grad. Morgens früh waren viele Hunde noch versteckt in den Hütten, die Welpen und Junghunde bibberten und weinten leise. 🙁 Immer wenn man ganz gezielt zu einem bestimmten Kennel auf dem Weg ist, bleibt man doch wieder irgendwo anders hängen, weil einen die Blicke festhalten. Hier nochmal neue Bilder, da nochmal ein Update oder ein neues Video. Die Zeit vergeht wie im Flug. So sind wir zum Beispiel bei ABBEY hängengeblieben. Ihre Blicke haben uns nicht losgelassen… Sie ist noch ein wenig besorgt, aber wir konnten sie gut anfassen. Sie steht immer völlig verloren auf ihrem Hüttchen und schaut traurig nach draußen… 🙁 

    http://prodogromania.de/bilder/index.php/Ploiesti/H-ndinnen/Milina/ABBEY

    In Kennel 116/1 sind wir auf einen älteren Rüden gestoßen, der super dürr ist Er steht nur an der Tür, lehnt sich an das Gitter an, weil er so schwach ist. Wir konnten ihn separat ein wenig füttern und später auch hochnehmen und genauer kennenlernen. Bei ihm ist es 5 vor 12, er braucht dringend ein Zuhause. Wir haben ihn HONDURO genannt, er kommt zeitnah in die Galerie. 

     

    In Kennel 134/3 hat uns ein sehr nettes Rüden Kumpel Duo erwartet. Anfänglich waren beide super unsicher, sind dann aber ganz fix aufgetaut und waren richtig verschmust… Auch sie ziehen ganz bald in unsere Galerie ein. Sie haben sich erst wirklich gegruselt und dann ihre eigene Angst überwunden und waren später so fröhlich und stolz darüber. Wagemutig….denn die Kerls wissen ja nicht, wer wir sind und was wir vorhaben….und das berührt immer wieder….zu sehen, wie sie sich überwinden, trauen, mutig sind und später einfach dabei sein können, ohne dauerbesorgt zu sein.

    [Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben.]

    Gegen Nachmittag haben wir dann noch einige Kennels entdeckt, die ganz tief verdreckt waren. Die Hunde haben sich kaum noch aus den Hütten bewegt, so sehr haben sie sich geekelt. Wir haben uns Schaufel und neues Stroh geschnappt und haben erst mal eine schnelle Reinigungsarbeit eingelegt. Leider ist jetzt zwischen den Feiertagen gar nichts passiert und das alte Stroh mischt sich mit Matsch und Kot und wird zu einer nassen, feuchten und ekeligen Platte. Alles andere als gut für die Hundepfoten…

    Als alles wieder ein wenig sauberer und trockener war, haben die Hunde sich sofort wieder bewegt und waren wieder eine ganze Ecke fröhlicher… 
    Mit begleitet wurden wir bei der Aktion von Mr. Pierce Brosnan. Ein unfassbar souveräner und cooler Huskymix, der sich durch alle freien Gruppen des Shelters bewegt. Das ist natürlich immer mit unfassbarer Lautstärker verbunden, denn alle Hunde in den Zwingern wissen genau, wer zu welcher freilaufenden Gruppe gehört. Und Pierce ist hier ziemlich neu und ziemlich von sich überzeugt. Leider wird auch für ihn der Tag kommen, wo er in einen Zwinger eingesperrt wird. Es war schon mehrfach im Gespräch, einen Zwinger für ihn zu finden, da er doch das halbe Tierheim in Aufruhr versetzt, wenn er stolzen Hauptes durch die Gänge schreitet. Aber wir können uns diesen majestätischen Rüden nicht weggesperrt in einem Zwinger vorstellen. Er ist so ein besonderer Geist und hat so eine wahnsinnige Ausstrahlung. Er legt sich mitten auf dem Gelände entspannt auf die Seite, was so viel über seine Souveränität, aber auch über seine Stärke aussagt. Er braucht Menschen, die ihn souverän führen und ihn nicht in irgendwelche Gehorsamsschienen pressen. Er ist ein freier Hund, der demjenigen folgen wird, zu dem er aufschauen kann. Er wird niemandem folgen, der nicht erkennt, wer er ist. Mit anderen Worten – weniger romantisch, mehr realistisch:  Wir suchen rasseerfahrene Menschen, die den agilen und selbstbewusste Rüden zu hantieren wissen, andere Hunde, vor allem Hündinnen stellen gar kein Problem für ihn da. Pierce will beim Menschen sein, er sucht den Kontakt, das hat er hier mehrfach sehr deutlich gezeigt. 

    LULO und RODRICK aus den Vetkenneln haben wir heute in der 78 wieder entdeckt. Auch zwei Rüden, die mich unfassbar bewegen. Sie sind schon so lange hier, haben so viel schon mitgemacht und sind immer noch so nett und so erfreut, wenn man sie besuchen kommt. Dieser nicht versiegende Optimismus an diesem aktuell einfach nur grauen Ort ist etwas, was mich immer wieder tief bewegt und mich ganz klein werden lässt. Sie klammern sich an jeden Halm Hoffnung, freuen sich über alles Freundliche, was zu ihnen in den Zwinger kommt. Sie kommen sofort zu dir, verlassen ihre warme Hütte und stellen sich in den Matsch, nur um dich zu begrüßen. Das berührt. Sehr. Auch hier ist der Wagemut wieder da. Sie trauen sich immer wieder, vertrauen immer wieder. Obwohl sie nicht wissen können, mit was wir für Absichten kommen. Ihr Urvertrauen ist nicht getrübt, durch das was schon alles geschehen ist. 

    Morgen habe ich eine lange Liste mit Hunden, die wir uns genauer anschauen werden, weil sie Anfragen haben und hier einige Details noch abgeklärt werden müssen. Ebenso versuchen wir einige vermisste Hunde doch irgendwie ausfindig zu machen. Und dann schauen wir nochmal genau, wem wir irgendwie helfen können. Wir bleiben dran. Immer und immer und immer wieder. Bis morgen! 

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    Dauerschleife.

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Da wir nur mit einem sehr kleinen Team hier sind und es sowieso nicht schaffen werden, in jedem Kennel alle Hunde zu Erfassen, müssen wir Prioritäten setzen. Wo sind Hunde, die es nicht schaffen werden? Welche Kennels sind besonders matschig und wenig wetterfest? So sind wir heute morgen direkt mit einer Kennel Reihe gestartet, wo immer viele Welpen und kleine Hunde sind, Dort waren wir auch schon im Oktober und wir waren wirklich sehr erschrocken, wie schlecht die Hunde aussahen und wie sehr sie abgebaut hatten. Gerade nach dem Zahnwechsel fangen bei vielen Hunden die Hautprobleme an, weil dann das Immunsystem wirklich angeknackst ist. Sie sind alle in Behandlung, aber vor Ort bei 2000 Hunde kann niemand anfangen, einzelne Hunde zu baden. Das geht hier einfach nicht. Ebenso trägt auch das dreckige Umfeld nicht dazu bei, dass hier jemand gesund wird. Ein Teufelskreis. Auch in diesen Kennels merkte man wieder, wie dünn die Nerven hier sind. Die Welpen schreien teilweise einfach durch. Ihnen ist kalt, sie mögen das Trockenfutter nicht, die Füße tun ihnen weh und es juckt überall. Hier sind so viele von ihnen, dass es unmöglich ist, alle in die Klinik zu bringen. Die Kliniken sind voll mit Hunden, denen ganze Hautteile bei Beißereien abgerissen wurden oder Staupe Hunde, die täglich Infusionen erhalten müssen. Unsere Hauthunde hier in Bucov müssen es mit Simparica schaffen. Viele von ihnen sehen nach einigen Wochen auch wieder besser aus, aber jetzt aktuell ist es die schwierigste Zeit, die es irgendwie zu packen gilt. Vielen von ihnen konnten wir heute Stroh bringen und haben die Hütten gecheckt. Ich weiß nicht, wie viele Hütten ich schon mit Stroh gefüllt habe, wie viele Welpen ich schon erfasst und fotografiert habe. Ich zähle das nicht. Es wird nicht von heute auf morgen etwas anders werden. Es werden nicht weniger Welpen geboren und ausgesetzt werden im nächsten Jahr. Irina oder Catalina werden nicht weniger Hunde impfen und um sie bangen. Es geht immer wieder von vorne los. Täglich fahren die Hundefänger raus und bringen neue Hunde nach Bucov. Tag für Tag. 

    Irina hat uns heute noch um Hilfe gebeten. Sie hat einige Welpen im Container untergebracht und hätte so gerne zeitnah eine Familie für sie, damit sie nicht in die Außenkennels müssen. Jeder einzelne wurde kurz aus seiner Box geholt und auf einen kleinen Wagen mit Decke gestellt – fertig war das Fotostudio. Einer nach dem anderen wandert nun ganz bald in die Galerie und wird hoffentlich zeitig ausreisen dürfen. Jeder einzigartig und besonders, jeder hat diese Chance verdient. 

    Auch die Kennels 2-11 sind nun alle mit Stroh versorgt, wir konnten einzelne Notfälle erfassen und müssen morgen 3 Hunde Tierärztin Catlina vorstellen, darunter auch ein alter Rüde, der viel zu dünn ist. Diesen haben wir aber erst spät am Nachmittag entdeckt, Catalina war nicht mehr vor Ort.  Beim Strohverteilen sind die Hunde immer sehr aufgeregt, so viel Neues passiert hier nicht sehr oft. Das Stroh riecht sehr spannend und die neuen Liegemöglichkeiten werden sofort okkupiert. Ich hatte ein wenig Stroh auf einer Hütte zwischen geparkt, um es nicht in den Matsch legen zu müssen. Als ich zwei Minuten später wieder aufstand, hatte sich dort eine nette schwarze Hündin schon ein Bettchen gebaut und war völlig zufrieden mit sich und der Welt. Was für ein Bild, traurig und schön zu gleich. Wunderbar, dass wir dieser Lady so eine Freude machen konnten. Traurig, dass die Hunde mit so einer Kleinigkeit schon zu glücklich sein können. Ein loser Berg Stroh auf einer Holzhütte ist hier schon eine Steigerung vom Lebensstandard. 

    Wir merken aktuell, dass zwischen den Jahren hier sehr wenig passiert. Es wird gefüttert und gewässert, aber auch nicht in jeder Ecke. Dreck wird so gut wie keiner weggemacht, so dass sich in manchen Zwingern der Kot wieder türmt. Die Hunde ekeln sich super vor dem Boden, manche balancieren auf den Futtertrögen, um so wenig Bodenkontakt wie möglich zu haben. Ebenso wird auch baulich aktuell gar nichts auf die Beine gestellt. Aniela hat noch zahlreiche Betonplatten organisiert, damit noch weitere Kennels ausgelegt werden können. Gerade die Kennels ohne Dach stehen wieder knietief in der Matsche und im Kot. Heute fing es ab 14 Uhr an zu regnen. Eisiger Guss von oben. Die Hunde sind nach kurzer Zeit durch und durch nass. Die Kennels, die nicht befestigt sind, verwandeln sich innerhalb von Stunden zu Matschlöchern. Erfassen ist dort kaum möglich. Das Schreibbrett, die Handys, das Papier, das Kameraobjektiv ist binnen kurzer Zeit voller Matsche. Die Hunde freuen sich, springen an einem hoch und es ist wirklich die reinste Matschschlacht…Wir hoffen, dass es bis morgen wieder ein wenig abgetrocknet ist, weil Aniela uns gerade heute neue Hunde in einigen Kennels zeigte, die alle nicht überdacht sind. Wir müssen dringend dort rein… denn auch hier gilt: Nur wer in der Galerie ist, wird auch eine Chance haben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es eine Dauerschleife ist an Tätigkeiten, an Problemen, an immer wiederkehrenden Aufgaben. An Erklärungen. Immer wieder erklären und berichten wir von Dingen, die wir schon sehr häufig beschrieben und erläutert haben. Warum tragen die Hunde Ohrmarken? Warum kann Hund xy nicht in die Klinik gebracht werden? Warum sind die Vetkennels manchmal die letzte Hoffnung? Warum müssen schon die Junghunde kastriert werden? Warum sind nicht alle Mitarbeiter im Tierheim böse Menschen? Jeden Monat müssen wir immer wieder die selben Kosten stemmen. Futter, Kastrationen, Impfungen. Monat für Monat für Monat. Dauerschleife. Das ist zäh. Das ist nicht immer leicht. Das ist manchmal besorgniserregend. Weil nicht einfach der Knoten platz und die Lösungen ist gefunden und alles ist gut. Das ist die große Herausforderung, die der Tierschutz – egal an welchem Ort auf der Welt – in sich trägt. Dadurch wird unfassbar viel gleichzeitig aber auch gefordert von den Menschen, die Tierschutz mit Verstand und Vernunft durchführen wollen. Der Druck, unter dem man steht, ist gefährlich. Jeden Tag könnte man 48 Stunden arbeiten. Alles würde noch besser gemacht werden können. Man könnte für Tier xy vielleicht noch eine bessere Lösungen finden. Man könnte noch länger arbeiten, damit man eben noch mehr Tieren besser helfen könnte. Es ist ein nicht endender Prozess. Und man muss aufpassen, dass man sich nicht völlig darin verwebt und die Fokussierung vergisst. Oder die Kraft verliert. Oder die Hoffnung. Oder die Empathie. Manchmal trifft man auch hier die falschen Entscheidungen. Geht einen falschen Weg. Trifft die falschen Leute. Es gibt so viele Sackgassen, in denen man landen kann. Ein Minenfeld irgendwie. Viele geben irgendwann auf im Tierschutz. Haben viel Gutes getan, aber irgendwann hat das Dunkle so überwiegt, dass man den Sinn und das Licht für die Sache irgendwie aus den Augen verloren hat. Das passiert tagtäglich und ist irgendwie sehr traurig, da somit viele gute Prozesse auf der Strecke bleiben. Aber ich verstehe auch jeden, der sagt: Ich kann das nicht mehr. 

    Auch heute haben wir wirklich geackert und das Wetter hat seinen Rest dazu getan, dass wir völlig fertig sind. Aber irgendwie hat man nicht das Gefühl, dass man groß etwas geschafft hat. Man hat ein Bruchteil an Hunden gesehen, an Bruchteil von ihnen besucht. Auch hier ist man jetzt wieder gefragt, dass man sich selber nicht in diese dunkle Ecke treiben lässt, sondern weiß, dass auch dieser Besuch wichtig für das große Ganze ist.  Heute Abend, als es fast schon dunkle war, haben wir in Kennel 1/5 bei den ganzen kleinen Hautwelpis noch Stroh verteilt. Die kleinen Kerle haben vor Freude geschrien und sich ganz wichtig ihre Bettchen gebaut. Und jetzt liegen sie dort in der Dunkelheit und haben eine verdammt lange Nacht vor sich. Es regnet, vermutlich friert es heute Nacht aber wieder. Eine fiese Mischung. Als wir heute am Ende des Shelter Tages am Auto standen, bot sich uns dieses Bild:

    An Tristesse kaum zu überbieten. Kalt. Eisschicht mit Matsche. Kahle Bäume. Schreie und Geheule aus dem Vetkennel. Aufgeregtes Gekläffe bei den Welpenkennels, die auch noch nicht überdacht sind. Die kleinen Kerls sind klatschnass und müssen nun durch die Nacht.  10 Minuten später sitze ich  im warmen Auto Richtung Pension und denke daran, dass der Opa aus Kennel 5 bestimmt das Trockenfutter, was man ihm in die Hütte gelegt hat, nicht gut kauen kann mit seinen Zähnen und dass er furchtbar frieren wird, weil er gar nichts auf den Rippen hat. Meine Finger bohren sich ins Lenkrad. Dauerschleife in meinem Kopf. 

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    Tag 1 – Kalt. Auch innen drin.

    Kurz vor der Phase, in der es richtig kalt und eisig wird in Rumänien, haben wir uns nochmal für eine kurz Tour nach Bucov aufgemacht, um gezielt nach Notfällen und zarten Hunden zu schauen, die es sonst nicht schaffen würden. Aniela und Mihaela sind aktuell völlig überlastet und die Anzahl an Welpen ist erschlagend, obwohl wir uns schon mitten im Winter befinden. Die beiden kommen mit dem Erfassen nicht hinterher, so dass wir unsere Hilfe angeboten haben, für eine Woche zu kommen. 

    Rundgang am Morgen. Ihr kennt das schon. Wir waren ja erst vor knapp 6 Wochen hier und so sieht man ganz ganz viele bekannte Gesichter. Heute morgen war es eisig, alles war gefroren. Schneeberge an den Straßen und komplette Eisplatten im Shelter lassen darauf schließen, dass der Winter schon wirklich durch und durch hier ist. Die Zwinger sind wie immer voll, nicht alle haben Wasser, an Futter fehlt es auch immer wieder. Über die Feiertage ist auch hier wenig passiert und man sieht, dass alles ein wenig ruhiger zugeht. Parallel dazu flitzen aber einige Leute emsig durch die Gegend und holen die verschiedenen Welpen aus ihren Kennels, die die Tage zuvor bereits auf die Reise vorbereitet wurden. unser Welpentransport, den vor allem Aniela und Irina so herbeisehnten, war ein toller Erfolg! 60 Welpen konnten heute aus der Kälte und dem Stress rausfahren in ein besseres Leben. Dr. Popescu fährt selber den Transport. 

    Entspanntes Warten bei den Hunden, die schon im Auto sitzen.

    Der Letzte wird verladen. Dann geht’auf Richtung Westen.

    Als das Einladen abgeschlossen war und der Trapo vom Hof rollte, machten wir uns direkt auf den Weg zu einem Kennel, in dem wir bei unserem ersten Rundgang sehr viele Hunde in schlechtem Zustand gesehen hatten. Uns fiel sofort BAJAT ins Auge, der in den letzten 6 Wochen völlig abgebaut hatte. Er war nur noch Haut und Knochen, das Fell kaum noch vorhanden. Nach Absprache mit Irina konnten wir ihn direkt in einen freien Vetkennel setzen, versorgten ihn mit Futter, Wasser und einem Korb und Irina versorgte seine Wunden. Er ist jetzt erst mal dort bis auf Weiteres untergebracht, wird gepäppelt und kann dann zeitnah ausreisen. Wir haben bereits verschiedene Pflegestellen Angebote erhalten, die wir aktuell prüfen. Das erste Drama schon mal halbwegs gut abgefedert. 

    Bajat in seinem Kennel.
    Sehr zufrieden mit vollem Bauch in seinem eigenen Körbchen.

    Heute Abend lag er schon wie ein kleiner Prinz in seinem Körbchen und war einfach froh, dass er endlich einmal schlafen konnte! 

    Als das wir ihn versorgt hatten, tauchte aus dem Nichts ein kleine Welpe auf, der am Ende seiner Kräfte schien. Niemand wusste, woher er kam oder wo er hingehörte. Klar war aber direkt: Hier auf dem Hof konnte er nicht weiter umher rennen, viel zu gefährlich. Autos, große Hunde….Auch schien er super schwach. Wir parkten ihn behelfsmäßig in einem der Hundewagen, Aniela nahm ihn später mit ins Sanctuary, in die Krankenstation dort. Der kleine Kerl war einfach nur froh, als er später eingewickelt in eine Decke ins warme Auto einsteigen konnte. 

    Wir machten uns nun weiter an unsere Erfassungsarbeit. Da wir aktuell nur mit einem super kleinen Team hier sind, müssen wir wirklich Prioritäten setzen, was einem unfassbar schwerfällt. Die erste Stunde waren wir völlig besorgt, wie das nun irgendwie möglichst effektiv hier ablaufen kann. Wir entschieden uns für vier Kennel, die voller Welpen waren und wo wirklich die Luft brannte. Allen war kalt, alle hatten Hunger, alle wollten dort raus… Also einfach machen, loslegen. Nichts ist schlimmer in Bucov, als planlos rumzustehen und das Gefühl zu haben, dass einen die gesamte Situation aus den Händen gleitet. Ja, es fühlt sich sehr anders an, wenn man hier mit einem Bautrupp anrollt, der aus mehr als 20 Mann besteht, die Sonne scheint, es warm ist und alle fleißig arbeiten. Jetzt sind wir hier ziemlich alleine, das Wetter ist ein anderes und man hat klar vor Augen: Niemals werden wir alle Hunde hier erfassen…nicht bei diesem Besuch. Aber wären wir nicht hier, würde eben auch einiges fehlen und Aniela und Mihaela wären völlig alleine.  Also einfach anfangen, etwas Produktives tun. 

    Und nach zwei Stunden war auch wirklich schon viel geschafft, seitenweise sind unsere Erfassungsbögen gefüllt und ich schaue mal, was ich heute Abend noch schaffe, bevor mich die Müdigkeit überrollt. 

    Zahlreiche Hütten konnten in den letzten Tagen geliefert werden und auch heute wurden wieder einige mit der kleinen gelben Elektrokarre verteilt. 

    Gegen Mittag brach noch einmal Notfall Alarm aus: Die Tür in Kennel 74 wurde von den Hunden geöffnet und der halbe Kennel rannte nun fröhlich durch das Shelter. Riesen Aufruf überall. Die Hunde wissen ganz genau, wer wo wie seinen Platz hat und eine ganze Gruppe an fremden Hunden löst einen Vollalarm aus, der ohrenbetäubend ist. Wenn hunderte Hunde alle gleichzeitig loskrakelen, dann ist das schon durchaus beeindruckend. Aber die Junghundegruppe merkte schnell, dass die große Freude an der Freiheit trügerisch war, denn die festen freien Gruppen auf dem Gelände machen ziemlich schnell Ernst, wenn es darum geht, das Revier abzugrenzen und zu verteidigen. Und so trug es sich zu, dass 4 der 5 Ausbrecher wieder von selber in ihren sicheren Kennel zurück rannten, während eine Hündin sich leider nicht so klug anstellte und in ein weiteres Rudel stoß, was sofort Ernst machte. Wir konnten zeitnah dazwischen gehen, aber sie war natürlich so durch den Wind, dass sie sich nicht einfangen ließ. Das Gelände ist nicht gut einsehbar, sehr weitläufig und voller Vegetation mit vielen Versteckmöglichkeiten. Sie schoß von links nach rechts und sämtliche Einfangversuche machten keinerlei Sinn, weil man sie so nur noch mehr stresste und die freien Rudel waren nun alle in Alarmbereitschaft. Wir versuchten ein wenig Ruhe in die Sache hineinzubringen, so dass sie sich zwischen zwei Hütten schlich, wo wir sie dann blockieren und auf den Arm nehmen konnten. Keiner von uns hätte heute Nacht gut geschlafen, wenn wir gewusst hätten, dass diese Hündin die Nacht dort draußen zwischen den Rudeln verbringt. Sie hätte die Nacht vermutlich nicht überlebt. Zurück in ihrem Zwinger war sie heilfroh und ging erst mal in die Hütte, und legte sich dort ab… Was für eine Aufregung. Uns zeigt es auch einfach wieder: Hunde machen durchaus Ernst, wenn es um Ressourcen geht, wenn es um Reviere und Gruppenzugehörigkeit geht. Es wird ganz klar ausgegrenzt, abgegrenzt und sehr deutlich gemacht, wer Teil des Gefüges ist und wer eben nicht. 

    Zurück an einem sicheren Ort.
    Erst mal eine Runde ruhen…

    Gegen Abend haben wir noch bei den schweren Jungs und Mädels Stroh verteilt. Manche von ihnen haben uns vielleicht sogar wiedererkannt. Und wenn man dann dort steht und versucht 5 min lang die Plastikschnüre, die das Stroh zusammenhalten, aufzufriemeln und einen die Hundeaugen durchdringend beobachten, wird einem klar, dass man hier gerade die größte Abwechslung des Tages darstellt. Dass diese Hunde in der Zeit zwischen Oktober bis jetzt nicht einmal am Tag irgendwas anderes gemacht haben, als in ihrem Zwinger zu stehen und durch die Gitter nach draußen zu starren. Wenn man sich überlegt, wie viele Tage, Stunden und Minuten das sind, dann wird einem ganz anders. Alleine, wenn ich mir überlege, wie viele Spaziergänge ich in diesen Wochen mit meinen eigenen Hunden gemacht habe… was meine Hunde alles gesehen und erlebt haben. Und hier ist es für die Hunde eine kleine Sensation, dass sie neues Stroh bekommen und dass man ihnen ein Leckerchen gibt und ihnen den Rücken tätschelt. Was für ein trauriges Leben. Hier, in Bucov. Aber auch in Baile, oder in Campina oder im Sanctuary. Und das sind jetzt vier Orte, an denen noch eine gewisse reelle Chance besteht, dass die Hunde eines Tages durchaus reisen können und ein anderes Leben haben werden. Wie viele Orte gibt es hier in diesem Land, wo die Hunde einfach nur weggesperrt sind und niemals etwas anderes erleben… Während ich da so neben meinem Strohberg sitze und die Spatzen die Reste vom Trockenfutter picken, geht die Sonne gerade unter und man merkt, dass die Kälte sich langsam ihren Weg über den Boden bahnt. Die Hunde sind nervöser als im Oktober. Die Tage sind kürzer, die Nächte umso länger. Vor zwei Jahren war ich schon mal zwischen den Jahren hier. Auch da war es anders als sonst. Schwermütiger, trauriger, aussichtsloser. Mein Blick fällt auf den riesigen Cane Corso Rüden BRAX, den wir vom Oktober schon kennen. Er liegt mächtig stolz in seiner Hütte auf seinem Strohthron und scheint mit sich und der Welt gerade ganz zufrieden zu sein. Mit wie wenig man hier den Hunden eine Freude machen kann. Meine Gedanken schweifen zu BAJAT. Er liegt wie der Kaiser in seinem Plastikkörbchen auf einer Wolldecke. So etwas wird dieser Kerl noch nie gehabt haben. Ich ziehe mir die Handschuhe wieder an, schließe die Jacke bis ganz nach oben unters Kinn und gehe zum Auto. In die hinteren Zwinger der Vetkennels schaue ich nicht, obwohl sie direkt auf meinem Weg liegen. Es ging einfach nicht. Irina sagte, es sei unfassbar voll dort, sie müssen dringend Hunde umsetzen, sie weiß aber nicht, wohin. Um meine emotionale Stabilität nicht ganz aus der Reserve zu locken, nehme ich den kürzesten Weg zum Auto. Irgendwie feige von dir, sage ich mir. Aber die innere Mitte meldet sich bei mir und flüstert: Morgen Anna, morgen früh, wenn der Tag startet, schaust du nach ihnen. Dann steht auch dort die Sonne. 
    Eine gute Entscheidung. Für Tränen hatte ich heute keine Kraft mehr. 

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    Schon wieder vorbei…

    Ein großes Reiseteam hat sich wieder auf den Weg nach Bucov / Ploiesti gemacht und besucht dort das Hundelager, in dem 2000 Hunde aktuell untergebracht sind. Es werden Dächer gebaut, alles winterfest gemacht und die Hunde für die Galerie erfasst. Auch ein Besuch in Campina steht an, wo ebenfalls einige Dächer errichtet werden sollen.  

    Heute hatten wir uns fest vorgenommen, mit der Erfassung komplett fertig zu werden, damit wir morgen zu dritt (die anderen fliegen schon ganz früh morgens oder mittags) noch die letzten Dinge abschließen können. Und unser Plan ist aufgegangen, wir haben fast alle Kennel erfasst und hatten heute noch alle neuen Vetkennel Hunde vor der Linse…

    Natürlich vergeht in Bucov kein Tag, in dem nicht ein neuer Hund ins Shelter kommt. Auch heute wurden wieder Welpen gebracht, stilecht im Pappkarton, was schon nahezu fortschrittlich ist. Ab und an findet man immer noch Hunde, vor allem Welpen, die einfach in einen Sack gesteckt und ausgesetzt werden….

    Die Männer haben heute mit der gegenüberliegenden neuen Welpenkennelecke angefangen, denn der Außenzaun fehlte noch, sowie der Untergrund. Unbedingt sollte auch das heute fertig werden, damit die Welpen umgesiedelt werden können…

    In der Zwischenzeit haben wir zusammen mit den beiden Tierärztinnen Catalina und Irina die Hunde aus den vetkennels erfasst. Da es in den Vetkennels recht dunkel ist und man dort oftmals aufgrund der Lautstärke sein eigenes Wort nicht versteht, machen wir das immer draußen auf der Wiese. Für die Hunde ist das jedes Mal ein wenig wie Urlaub. Luft, Wind, Sonne, Gras… Sie genießen die kurze Zeit sehr, draußen zu sein, mit den Menschen Zeit zu verbringen. Umso schlimmer ist es, wenn sie wieder reingebracht werden. Irina ist aber so besorgt, wenn sie z. B. einen Schützling monatelang gepflegt hat, weil er schwer zusammen gebissen wurde, und ihn dann wieder in einen Außenkennel setzt, wo er dan eventuell wieder erneut angegriffen würde… Es ist die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Im Vetkennel wird der Hund nicht glücklich, draußen im Kennel, wo es möglicherweise wieder zu Angriffen kommt, auch nicht…

    Der Weg zurück ist schwer.

    Wir bemühen uns, dass wir zeitnah alle Hunde der Vetkennels in unsere Galerie einstellen, denn sie sollten alle zeitnah einen Platz finden, denn sie sind wirklich arm dran. Ebenso gibt es dann neuen Platz für akute Notfälle, die täglich mediz. versorgt werden müssen.  Die restliche Zeit des Tages haben wir mit den Transportvorbereitungen verbracht, denn auch heute konnten einige Schützlinge in ein besseres Leben fahren! 🙂 Und gerade weil die letzten Tage echt hart waren, war das wieder etwas fürs Herz. Zu wissen, dass es diese Hunde geschafft haben, ist ein unvergleichlich gutes Gefühl! 

    Ebenso haben wir uns heute nach getaner Arbeit Zeit für einzelne  Hunde genommen. Selten in Bucov, aber wichtig für alle, die hier so hart gearbeitet haben…Auch mal Zeit mit denen zu verbringen, für die man das hier alles macht…

    Rührende Omi, die wir heute ihre erste Impfung bekommen hat…

    Wir starten morgen ein letztes Mal nach Bucov, das Herz ist jetzt schon schwer. Es war eine tolle große Gruppe, gut organisiert und strukturiert konnten wir einiges schaffen und der Winter ist so ein wenig leichter für alle, die da durch müssen…
    Danke, dass wir immer so viele Helfer haben, die ihren Urlaub dafür benutzen, um uns zu begleiten. Danke an unsere Unterstützer, Freunde, Spender….Danke, dass ihr jederzeit da seid, Anteil an unserer Arbeit nehmt und emotional genauso verhaftet seid wie wir… Es lässt einen nicht mehr los und man kann dem ganzen nicht einfach den Rücken zuwenden. 

    Wir berichten morgen nochmal kurz über den letzten Tag vor Ort und dann gehts nach Hause. Wir haben die Taschen voller Arbeit und die Rechner voller Bilder…

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    Willkommen in der Bucov Welt

    Ein großes Reiseteam hat sich wieder auf den Weg nach Bucov / Ploiesti gemacht und besucht dort das Hundelager, in dem 2000 Hunde aktuell untergebracht sind. Es werden Dächer gebaut, alles winterfest gemacht und die Hunde für die Galerie erfasst. Auch ein Besuch in Campina steht an, wo ebenfalls einige Dächer errichtet werden sollen.  

    Heute morgen begann der Tag wie immer. Die Männer vom Bautrupp fingen an zu messen und zu sägen, wir fuhren Stroh, teilten uns die Kennel auf und das „Alltagsgeschäft“ ging los. Doch irgendwie sollte es heute nicht so laufen wie sonst…

    Start der Baustelle.
    Wichtigstes Utensil: Die Schubkarre.

    Zuerst fanden wir JAXX tot, unseren Baustellen Hund…Gestern war noch alles ok, heute war er tot. Wir konnten keine äußeren Wunden feststellen, er scheint also nicht von anderen Hunden attackiert worden zu sein. Wir sind alle sehr traurig, er tat uns allen so leid, wie er einsam und allein immer im hinteren Teil auf seiner kleinen Hütte saß. Er war so happy über die letzten Tage, wo er so viel Kontakt mit uns allen haben konnte. Und nun dieses Ende… 

    Danach ging es irgendwie Schlag auf Schlag weiter. 3 weitere tote Hunde fanden wir in den nächsten zwei Stunden ebenfalls noch. Auch eine braune Hündin, die wir gestern noch umsetzen wollten, weil wir merkten, dass sie dort in dem Kennel so viel Druck bekam. Wir haben es nicht geschafft, sie war so scheu und unsicher…wir wollten es nochmal probieren, aber es kam so viel dazwischen, und wir hatten es nicht mehr auf dem Schirm. Umso mehr schmerzt es, dass sie nun tot ist. Wir hätten daran denken sollen, aber jeder der hier ist, merkt es nach 2 Tagen: Es sind so viele Eindrücke, so viele Bilder, so viele Infos, permanente Lautstärke, Anspannung, Stress. Der Kopf platzt…. Bucov ist nicht fair. Auch heute nicht. Es ist brutal und das wird es immer bleiben. 

    Nach diesen ganzen Unterbrechungen gingen wir weiter und es dauerte keine 15 min, bis wir den nächsten „Einsatz“ hatten, der durch Mark und Bein ging. Zwei Owtscharka Mix Rüden meinten sich in unserer Anwesenheit im Kennel prügeln zu wollen. Es entstand vermutlich durch Eifersucht, denn wir waren gerade mit dem einen der beiden Rüden beschäftigt, weil wir ihn erfassen wollten, als der größere Rüde wie aus dem Nichts auf ihn zuschoss und ihn oben am Hals packte. Und wir standen mittendrin. Nichts half. Kein Wasser, kein Brüllen, keine Steine, nichts…. Wir waren echt verzweifelt, weil die beiden Kerle sicherlich beide mehr als 40kg hatten und der Zwinger nicht wirklich groß war. Vor dem Kennel stand eine leere Schubkarre. Mir viel nichts anderes ein und nur weil wir zu dritt waren, gelang es uns, die Schubkarre in den Kennel zu holen wir schoben und drücken die Schubkarre zwischen die beiden Kolosse…und siehe da, sie ließen los…der eine Rüde verzog sich sofort in die Hütte, der andere Rüde stand völlig fertig in der anderen Ecke des Kennels. Und auch wir waren echt am Ende. Meine Hände zitterten, den Arm hatte ich mir an der Tür angedonnert… Diese Situation hat uns wieder einiges gezeigt. Niemals geht man alleine in die Kennels…die Lage kann immer kippen, es kann ein anderer Hunde aus dem Nichts kommen, den man gar nicht auf dem Schirm hatte und man kriegt u.U. gar nicht so schnell die Türen auf, wie man raus möchte. Ebenso ist man alleine nicht in der Lage, eine solche Keilerei alleine zu splitten, ohne dass man sich verletzt. Natürlich sind jetzt nicht in jedem Kennel zwei große Owtscharka Rüden, aber auch kleine Hunde können Kräfte entwickeln, die einen staunen lassen…

    Nach diesem Chaos Anfang brauchten wir erst mal eine Pause. Wir waren kraftlos, müde, traurig, mutlos…alles zugleich. Und wenn man dann einfach aus den hinteren Kenneln rausgeht und nach vorne Richtung Vetgebäude läuft, wird es ein bisschen besser. Dort sind die Puppy Kennel, die recht gut betreut sind, dort sind auch meist unsere Tierärzte, die das Leben hier ein wenig besser machen. Wo man Hilfe bekommt, auch mal mental…und: Unsere Männer bauen aktuell dort vorne, und das bedeutet Fortschritt. 

    Das Dach für die Puppies ist bald fertig.

    Wir haben dann nach einer kurzen Pause weitergemacht, auf zu Kennel 96. Welpen, mini Formate…kleine Geschöpfe, die einfach so froh sind, dass wir da waren. Und es war so eisig kalt dort. Der Wind zog durch jede Ritze und die Kleinen froren so arg. 

    Traurige Bilder, aber so ist das hier nun mal…
    In Bucov geht alles ein wenig anders von Statten. Infusionen bekommen die Hunde im Freien, nach der Kastration wird keiner speziell versorgt, jedes Stöckchen Holz wird im Kennel als super Spielmöglichkeit empfunden, Stroh ist für die Hunde reiner Luxus. Jeder muss schauen, dass er ans Essen kommt. Die Krallen wachsen in alle Richtungen, fest geschlafen wird selten, allen Hunden fallen fast im Stehen die Augen zu. Das ist auch immer wieder das, was neue Adoptanten teilweise nicht richtig verstehen: Wenn die Hunde nach dem Transport in Deutschland ankommen, sind sie eigentlich richtig ko… So viel Neues, nie richtig geschlafen, vielleicht dann mal während der Fahrt. Keiner der Hunde muss also nach Ankunft eine Stunde durch den Wald gezwergelt werden, alle sind völlig über den Punkt. Wir raten immer: Lasst die Hunde einfach einen Tag ganz in Ruhe, lasst sie schlafen….und danach, ja danach kann man schauen, was man alles so vorhaben kann… Aber wir schweifen ab, denn der Großteil der Hunde sitzt nicht im Transporter nach Hause, sondern sie stehen hier, in Bucov. Auch diese Nacht. Gerade die kleinen Welpen brauchen gerade mal 4 Minuten auf dem Arm, dann schlafen sie ein. Gestern sahen wir einen  älteren Rüden und ich dachte, er würde ohnmächtig werden, dabei ist er einfach nur im Stehen eingeschlafen und der Kopf sackte ihm plötzlich weg. Ja, hier sieht man Dinge, die man sich im realen Leben nie so wirklich vorstellen kann. 

    Dr. Bratur, unser Kastrationstierarzt in Bucov war heute auch wieder vor Ort und hat die neuankommenden Hunde kastriert. Täglich werden sie von den Hundefängern gebracht. Und es ist so wichtig, dass wir dran bleiben, und nicht nachlassen, weil wenn sich die Hunde auch noch hier in Bucov vermehren, wie es ganz früher hier der Fall war, haben wir verloren… Bitte helft uns, damit wir Woche für Woche diese Kosten finanziert bekommen. Aktuell sieht der Kastrationsbanner gar nicht gut aus für den Oktober. Wenn er so bleibt, müssen wir Termine mit Dr. Bratur absagen…Es wäre also mehr als fabelhaft, wenn ihr uns bei dieser Geschichte noch mal unter die Arme greifen könntet… Weil nachlassen können wir eigentlich nicht. Das ist ganz und gar nicht unsere Art…

    http://prodogromania.de/kastrationsaktion/ 

    Morgen starten wir alle zusammen den letzten gemeinsamen Tag und wollen nochmal alles geben. Morgen werden die Vetkennels erfasst und die letzten Zwinger. Wir wollen morgen so viel Stroh verteilen wie es nur geht. Eine weitere Lieferung Stroh ist für morgen angedacht. Ebenso wollen die Männer den Welpenauslauf fertigstellen und zwei weitere Boxen dort errichten. Unsere Notizzettel sind lang, die Stimmung ein wenig gedrückt. Der letzte ganze Tag ist immer schwer. Klar, wir haben viel geschafft, aber das Gefühl, alle hier zurückzulassen, wiegt schwerer auf. Mit unserem morgigen Transport werden wir uns aber das Herz ein wenig leichter machen, denn die Freude ist so groß, wenn man weiß, dass einige Hunde save in the car sind……..

    Wir sind nun alle save im Bett und hoffen, dass sich die Muskeln und Knochen nochmal startklar machen können für den morgigen Tag. Wir geben alles. Wie immer mit ganzem Herzen.

     

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    Ein stürmischer Tag.

    Ein großes Reiseteam hat sich wieder auf den Weg nach Bucov / Ploiesti gemacht und besucht dort das Hundelager, in dem 2000 Hunde aktuell untergebracht sind. Es werden Dächer gebaut, alles winterfest gemacht und die Hunde für die Galerie erfasst. Auch ein Besuch in Campina steht an, wo ebenfalls einige Dächer errichtet werden sollen. 

    Heute morgen früh haben wir mitgeholfen, einige Hunde für den diese Woche geplanten Transport vorzubereiten. Wir kannten die Hunde nun ja schon besser, wussten wo sie saßen und konnten so effektiv arbeiten. Nach gut einer Stunde war diese Aufgabe somit abgeschlossen. Die Sonne schien und man sah die vielen Welpen sich aufwärmen, denn die Nächte sind mittlerweile durchaus frisch.

    Oma LOLLE hat es bald geschafft, sie kann auch einfach nicht mehr.

     Ein Welpe sah aber gar nicht gut aus, und wir bemerkten schnell, dass hier etwas nicht stimmte. Er war schwer gebissen worden im Halsbereich, war super dünn und konnte nicht mehr selber laufen. Wir holten ihn dort raus und machten ihm eine kleine Box fertig, damit Irina ihn sich direkt anschauen konnte, wenn sie ins Shelter kam. Vormittags ist Tierärztin Irina immer im sanctuary, um dort die Kranken und die Notfälle zu versorgen. Der kleine Kerl fraß sehr gut und er ist nun im Vetcontainer untergebracht, wo es wärmer wird und er gut ans Fressen kommt.

    Danach machten wir uns weiter an die Hundeerfassung, denn mehr als 80 Kennels fehlten uns noch…und die Zeit sitzt uns im Nacken. Die Sonne hatte sich mittlerweile verzogen und Wind kam auf…

    Ein neues Gesicht für unsere Galerie.
    Gregi ist aus den vetkennels ausgezogen.

    Eine Hirtenhündin mit starken Hautproblemen…
    Ein sehr alter Schäferrüde, dem immer die Augen zugefallen sind.
    Ein freundlicher Kerl, der so dankbar über sein Strohbett ist, was ihm die Mädels gestern gebaut haben.

    Wir sind heute gut voran gekommen, aber es fehlen noch einige Kennels und die Vetkennels, die wir für Freitag auf dem Plan stehen haben. 

    Irina fand später noch weitere Welpen, die ziemlich fertig waren. Auch für jeden dieser Hunde wird gesorgt und selbst die Kleinsten bekommen eine Infusion, auf dem Boden, mittendrin…Ja, so läuft das hier in Bucov. 

    Auch beim Bautrupp ging es gut weiter, die Bleche kamen heute auf die zwei neuen Dächer…somit sind auch diese beiden fertiggestellt.

    Ab morgen ist vorgesehen, dass wir die sehr spartanischen Welpenkennels, die ohne feste Überdachung sind und bei jedem Regen einfach wirklich absaufen. Sie wurden einst behelfsmäßig errichtet, sollten nur temporär dort genutzt werden,  doch wie es hier so ist: Alles was halbwegs ein Gehege darstellt, wird hier genutzt in Bucov…

    Nur ein Provisorium…

    Wir besprechen morgen, wie wir das dort modifizieren können, wir haben ja gestern noch ganz viele tolle Menschen gefunden, die uns erneut nochmal mit knapp 800€ unterstützen, damit wir das Material bezahlen können…:)

    Kurze Besprechung zwischen Lorraine und Bettina.

    Heute kamen auch nochmal Doppelhütten, diese werden morgen verteilt. Das geht aber nur mit mindestens 3 Mann, weil sie a) super schwer sind und b) die Zwingertür dafür lange auf sein muss und die Hunde dann jede Gelegenheit nutzen, aus dem Zwinger auszubrechen. 

    Für die Vetcontainer haben wir von dem Direktor Sandu einige sehr massive Boxen bereitgestellt bekommen, die wir auch dort integrieren wollen. 

    Das Kies- und Reinigunsteam hat heute weiter gespachelt, Stroh verteilt, sauber gemacht…uns tun echt alle Knochen weh….aber wir machen weiter!

    Gegen Abend zog sich der Himmel mehr zu und man merkte, dass die Hunde im Vergleich zu den Tagen davor wirklich nervöser waren und die Stimmung war deutlich aufgeheizter. Wir hatten heute einige Kloppereien und mussten häufiger dazwischen gehen. Als wir nach Hause fuhren, setzte der Regen ein und es wurde deutlich kälter… und dann ist Bucov nochmal ein ganz anderer Ort…grau, dunkel, zugig…. Die Hunde merken, dass das Wetter sich ändert. Dass die warmen Tage langsam vorbei sind. 

    Heute Abend spät hat Irina im Vetcontainer noch zahlreiche Welpen versorgt, drei nahm sie abends mit nach Hause, die besonders schwach waren…

    Wir sitzen nun zusammen beim Abendessen, planen den Tag für morgen und stabilisieren uns gegenseitig. Denn was man hier jeden Tag sieht und erlebt, muss man doch verdauen und verarbeiten, weil es doch sehr sehr weit von unserer deutschen Realität entfernt ist. 

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    Tötung im Wandel

    Ein großes Reiseteam hat sich wieder auf den Weg nach Bucov / Ploiesti gemacht und besucht dort das Hundelager, in dem 2000 Hunde aktuell untergebracht sind. Es werden Dächer gebaut, alles winterfest gemacht und die Hunde für die Galerie erfasst. Auch ein Besuch in Campina steht an, wo ebenfalls einige Dächer errichtet werden sollen.

    Ein Tag in Campina. 9 Stunden Hochleistung. Viel geschafft…
    Der Ort Campina ist ein sehr trauriger Ort, denn dort wurden jahrelang still und leise hunderte von Hunde getötet. Die Kapazität ist relativ gering, aber es gibt viele Hunde in und rund um Campina. Und so schnell war die Kapazität überschritten und so schnell wurden dann wieder getötet. Ich war im Sommer 2017 das erste Mal dort, als bereits die ersten Gespräche liefen, dass Mihaelas NGO das Tötungsshelter übernehmen könnte. Ab Mitte August 2018 wurde das dann Wirklichkeit und Mihaela konnte die Verträge unterzeichnen. Sie ist nun auch für das Einfangen der Hunde verantwortlich und hat einen Mann, der ihr die Hunde einfängt und bringt. Vor Ort in Campina ist nun auch Manuel, den wir heute kennengelernt haben. Ein wirklicher Glücksfall, er spricht super Englisch und wir konnten uns heute lange unterhalten. Er arbeitet dort und ist quasi Mihaelas Verantwortlicher in erster Linie. Er hat eine super Übersicht, kennt alle Hunde, hat eine mediz. Grundausbildung und versorgt auch alle mediz. Notfälle, die im Gebäude untergebracht sind. Es tut gut, wenn man weiß, dass solche Menschen nun dort sind und diesen Ort so verwandelt haben. Ebenfalls waren heute auch einige andere Volontäre vor Ort, die Mihaela immer wieder unterstützen, wir haben bspw. auch einige bekannte Gesichert aus Bucov getroffen, die Mihaela auch an diesem Ort helfen. Es wird immer deutlicher, dass es auch hier eine Mentalität der Mithilfe und Unterstützung gibt.

    Adamson hat uns begrüßt. Ein toller sympathischer Opa.

     

    Die Männer konnten pünktlich um 10 Uhr starten, das Holz wurde direkt nach Bucov geliefert. In Campina sind die großen Paddocks von Mihaela nur sehr spärlich überdacht, so dass dort nun dringend vor dem Winter eine Lösung gefunden werden musste. Wir waren rechtzeitig dort.

     

    Auch wurden heute 20 kleine Doppelhütten nach Campina geliefert, die wir sofort verteilt haben, denn Hütten sind hier absolute Mangelware in Campina. Viele Hunde haben bisher nur Paletten…

    Näpfe wurden gespült…
    Neue Hütten für Campina.
    Und ein riesen Berg Stroh wurde geliefert…und verteilt. 🙂

    Das Erfassungsteam hatte heute eine riesen Aufgabe zu bewältigen: Alle Hunde in Campina mussten heute erfasst werden, wenn ab morgen sind wie wieder durchgängig in Bucov. Also haben wir uns wieder in 3 Teams aufgeteilt und los gings.. Zwinger für Zwinger….

    Und auch hier: So viele wunderbare Hunde. Junge, alte, große, kleine….Sie haben uns zum Großteil alle super freundlich begrüßt und sich wahnsinnig gefreut, dass wir da waren. 

    Ein Erfassungsteam konnte mittags nach Bucov fahren, weil wir ganz positiv gestimmt waren, alle Hunde in Campina auch mit zwei Teams erfassen zu können und in Bucov stehen ja auch noch ein paar Hunde…………………
    Das Saubermach Team hat heute in nullkommanix den Shelter Plan überarbeitet, alle Hütten verteilt, Stroh aufgefüllt und sauber gemacht…Und auch sie sind mittags gegen 14 Uhr schon nach Bucov gefahren, denn auch da ist noch unfassbar viel zu tun. Ihr seht: Wir ziehen durch ohne Ende, lassen keine Stunde vergehen, wo nichts passiert. Denn wir wissen: Wir sind jetzt hier und eine riesen Chance… 

    Aber wir haben es geschafft…Alle Hunde sind erfasst. Die Liste sind lang und dick, aber wir haben es gepackt und es ist ein gutes Gefühl! Mihaela war so froh und hat sich so sehr bedankt!! 
    Der Bautrupp ist morgen nochmal da und beendet den Dächerbau und reparieren morgen noch diverse Hundehütten. Sie sind also morgen noch in Campina. Heute Abend, um 18 Uhr, als die Sonne langsam unterging und es langsam leise in Campina wurde, war es ein sehr schönes Bild, was sich ergab: Die Hunde lagen satt und müde in ihre Strohbettchen, manchmal gab es noch ein bisschen Streit, aber man merkte: Alle waren müde. So viel war heute los… Und mir wurde klar: Was für ein Wandel! Was für Chancen…was für gute Zeichen. Danke, dass es auch so etwas gibt. Danke, dass wir so etwas begleiten und erleben dürfen. Wir kommen gerne und arbeiten doppelt hart, damit wir auch für Campina weiterhin am Wandel arbeiten können. Es ist ein zusätzlicher Punkt bei unserer Reise. Es sind zusätzliche Galeriearbeiten, es ist zusätzliche Verantwortung, aber wir stellen uns dem gerne! Die Zusammenarbeit mit der Tierhilfe Lebenswert macht deutlich, dass auch solche Dinge möglich sind. Dass man eine gute und stabile Kooperation aufbauen kann, ohne dass es wieder knallt und der eine den anderen wieder enttäuscht.  

    Wir essen nun alle gemeinsam und sind stolz, auf das, was wir heute Hand in Hand geschafft haben. Die Knochen tun weg, die Augen sind müde, aber wir sind happy. Bitte schaut gerne in der kommenden Zeit in unsere Campina Galerie, denn dort wird sich in der kommenden Zeit viel tun! 

    http://prodogromania.de/bilder/index.php/Ploiesti—Campina

    Beste Grüße und bis morgen!
    Anna 

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    Bucov ist Bucov.

    Ein großes Reiseteam hat sich wieder auf den Weg nach Bucov / Ploiesti gemacht und besucht dort das Hundelager, in dem 2000 Hunde aktuell untergebracht sind. Es werden Dächer gebaut, alles winterfest gemacht und die Hunde für die Galerie erfasst. Auch ein Besuch in Campina steht an, wo ebenfalls einige Dächer errichtet werden sollen. 

    Heute morgen konnten wir flott starten, denn alle Teams waren eingeteilt und jeder wusste, was zu tun ist. Ein kleiner Check bei den Welpen zeigte leider uns sehr schnell, wie traurig Bucov immer noch ist. Der kleine Welpe, den ich gestern im Tagesbericht als Foto einbaute, war leider heute morgen tot. Sein kalter Körper wog schwer in meinen Armen… die Stimmung war direkt mal im Keller. 

    Wir haben dann direkt angefangen mit der Hundeerfassung, damit wir etwas Sinnvolles tun und man nicht den traurigen Kloß im Hals so sehr merkt.  Und wir konnte uns direkt freuen, denn Chaplin hat sich toll entwickelt. Wir kenne ihn seit vielen Jahren und er war immer sehr zurückhaltend und so richtig konnten wir ihn nie lesen. Aber heute war er wie ausgewechselt. Fröhlich, aufgeschlossen, verträglich…richtig richtig toll!

    Und mit jedem weiteren erfassten Kennel wurde die Liste länger und die Zahl der persönlichen Favoriten größer…ganz ganz selten kommt es vor, dass in einem Kennel kein Hund erfasst werden kann, weil sie zu scheu sind.

    Tierärztin Catalina ist auch sonntags im Einsatz, sie hat heute die Hauthundekennels versorgt, Nassfutter, Öl, Supplemente und Medikamente. Und alle Hunde lieben Catalina… Ein kleiner Hoffnungsschimmer für viele Hunde und auch für uns…immer wenn wir nicht mehr weiter wissen, einen Notfall finden oder oder Lösung brauchen, sind unsere Tierärzte unsere erste Anlaufstelle…

    Als wir gerade in Kennel 17 standen und Fotos machten, Ohrmarken ablasen und Krallen schnitten, brach quer gegenüber im Kennel ein riesen Tumult los. Man hatte sofort unmittelbar Adrenalin im ganzen Körper, denn mittlerweile kennt man die Arten von Gebelle, die es hier gebt. Es gibt das „Wir haben Hunger“ Gebelle, das „uns ist langweilig“ Gebelle, das „ich finde meinen Nachbar ganz furchtbar“ Gebelle und das Gebelle, wenn eine Gruppe von Hunden einen einzelnen Hund umbringen möchte. Unmittelbar und sofort und mit aller Kraft. Und wir hörten das Gebelle aus eben dieser Kategorie, Kategorie dunkelrot. Und der Kollege hatte wirklich Glück. Unser Zwingertür von Kennel 17 ging sehr schnell auf, kein minutenlanges Gedrücke von verbogenen Türriegeln, keine Hunde, die mitraus wollten. Und vor dem Kennel, wo die Fetzen flogen stand eine Schubkarre mit einer Schaufel.  Das Opfer wurde nicht nur von dem eigenen Kennel attackierte, sondern der Nachbarkennel begann bereits, ihn durch den Zaun am Rückenfell zu zerren. Furchtbar. Also nicht lange Fackeln, Schippe in die Hand, und richtig viel Krach machen, ablenken, umlenken, damit sie bloß loslassen. Doch es reichte nicht, wir mussten in den Kennel. Also auch da Türriegel auf und zack rein. Und bloß nicht zucken, zimperlich sein oder Unsicherheit zeigen. Dann kann sich der Spieß sehr schnell rumdrehen und man selber wird angegriffen. Solch eine Situation ist nicht gerade ohne und voll mit Adrenalin, bei uns wie bei den Hunden… Aber wir waren anscheinend überzeugend und alle Angreifer ließen los, das Opfer – wir haben ihn MILOSCH     genannt, raffte sich auf und kam sofort zu uns, stellte sich zitternd an unsere Beine, das Blut lief… Wir machten einfach erst mal die Zwingertür auf und MILOSCH klebte an unseren Beinen…kurz mit der Moxon Leine gesicherten machten wir den ersten Check Up…Ohr eingerissen, Verletzung am Oberschenkel, super gestresst, aber super lieb…  Catalina und wir entschieden uns nun für einen ersten Notfall Platz, wo nur eine Hündin lebte, die gestern abgegeben wurde…. MILOSCH ging sofort in die Hütte und auch heute Abend schlief er dort fest. Was für eine Aufregung… aber MILOSCH hat es geschafft! 

    Die Männer waren heute wieder super fleißig und das komplette zweite Ständerwerk steht nun auch bei Kennel 122 – 125/1, so dass nun zeitnah wieder 10 Kennels überdacht sind. Wahnsinn…

    Ein kleiner Stöpsel, der sich über sein Stroh freut…

    Und auch die Mädels vom Kies und Sauberteam waren wieder sooo fleißig. Stroh wurde gefahren, alter Kies und Dreck entfernt, neu aufgekiest, Hütten verteilt…. So viel konnte heute geschafft werden!

    Brigitte und Agnes
    Birgit fährt neues Stroh…
    Die Einsatzgeräte des Trupps…
    Neuer Kies…die Oldies haben sich so gefreut.
    Ein echter Kraftakt.

    Schmusen muss auch mal sein. Birgit und FREY, der Baustellenhund.

    Morgen starten wir alle gemeinsam nach Campina, unser Einsatztag dort steht nun an. Auch da bauen wir Dächer, erfassen Hunde, füllen Stroh in die Hütten und schauen, wie wir sonst noch nützlich werden können. Es ist toll, so eine große Gruppe zu haben, die so viel auf die Beine gestellt bekommt. Eine gute Mischung aus alten Hasen und neuen Aktiven. Es läuft super und das Wetter ist auf unserer Seite… 
    Heute um 18 Uhr, bevor wir zu den Autos gegangen sind, waren wir nochmal bei den vetkennels… und dann steht man dort wieder, hockt sich zu den ganzen Seelen, die nun alleine durch die Nacht müssen, die hinter den Gittern stehen, leise weinen und traurig nach draußen schauen, in die freie Welt… Ja, wir machen so viel und wir schaffen so viel. Aber es gibt immer wieder diese Momente, wo man merkt, dass das Leben für Einzelne ganz weit davon weg ist, dass es gut ist… Und das macht manchmal ganz schön fertig. Aber wir müssen uns immer überlegen: Wir wäre es, wenn wir nicht hier wären. Wenn wir nicht bauen würden, wenn wir nicht fotografieren würden… was wäre das hier für ein Ort? 

    Wir melden uns morgen wieder mit den Infos aus Campina und sind schon sehr gespannt, wie es dort weitergehen wird. Was bisher feststeht: Die Zusammenarbeit mit Tierhilfe Lebenswert läuft super und wir ziehen hier wirklich gemeinsam an einem Strang. Macht Mut…für vieles, was noch kommen wird. 

    Bis morgen,
    Anna 

     

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