🚐 Reiseroute: Bukov – Odenwald – Endstation Ruhrpott

Irgendwann wollten wir unsere Familie um einen Hund erweitern. Vielleicht, wenn der Mann in 2 Jahren in Rente geht oder vielleicht besser so lange nicht, wie der Kater (13) lebt. Man muss das ja verantwortungsvoll abwägen und will ihn nicht stressen.

Hunderte Fotos und Videos von Tierschutzhunden geschaut und immer ein schweres Herz dabei gehabt. Und dann wurde Alwina vorgestellt und sie traf mich mitten in mein Herz! Ich habe ihr versprochen, dass ich dabei helfen möchte, dass sie ein gutes Leben haben wird. Patenschaft übernommen und Rettungspatenschaft zum Geburtstag gewünscht. Viele Kontakte abgearbeitet, ob sie jemand aufnehmen kann und jeden Tag nachgesehen, ob sich etwas für sie tut.

Als ich las, dass sie ausreisen darf, habe ich vor lauter Freude ein Ströphchen geweint. Und dann quasi sofort nach einer Unterkunft für uns geschaut, weil klar war, dass wir sie besuchen und kennenlernen wollen. Also, nur so. Wir können ja jetzt irgendwie keinen Hund aufnehmen, passt alles nicht so richtig. Aber insgesamt 600 km fahren, um sie kennenzulernen – kein Problem! Das Tierheim sagte auf Anfrage, dass wir sie gerne besuchen dürfen. Wow, wir lernen Alwina kennen!

Als wir dann im Februar am Tierheim ankamen, begrüßte uns eine Meute von ca. 15 Hunden. 14 liefen wieder weg und Alwina stand neben mir, freundlich wedelnd, als hätte sie auf uns gewartet (mein Mann murmelt im Hintergrund etwas von rosaroter Brille und so …).

Alwina ist mit 50 cm größer als erwartet (im Profil standen ca. 40 cm) und mit 18,5 KG ein propperes Mädel. Wir verbrachten an dem Wochenende einige Stunden mit ihr. Konnten sie im Rudel beobachten, sie kennenlernen, einen ersten Versuch eines Spaziergangs machen. Sie wirkte zu Menschen sehr freundlich, bei Hunden sehr durchsetzungsstark, aber auch müde, zog sich auch immer wieder mal zurück. Es fiel mir so schwer, mich von ihr zu verabschieden, aber wir können ja keinen Hund, siehe oben … oder?

Wir diskutierten auf der Rückfahrt und in den folgenden Tagen. Wollen wir? Können wir? Ich habe mein Leben lang Tiere gehabt. Wellensittiche, Hasen, Katzen, Pferde der Mann einen Hund – immer „bis dass der Tod uns scheidet“. Verantwortung kennen wir. Sind wir qualifiziert? Können wir diesem Hundemädchen das verdiente Zuhause auf Lebenszeit geben? Sie hatte uns beide berührt und irgendwann war klar, dass das Herz will, was das Herz will.

Ein paar Änderungen in unserem Tagesablauf, ein wenig guter Wille zu Umständen und zack, schon passt es. Wir reichten unseren Adoptionsantrag ein und wurden erhört. Alwina wird unser Mädchen! 🥳 Viel Vorbereitung, Freude und viele Sorgen folgten, bis wir sie abholten. Nochmal 600 km, davon auf der Rückfahrt 150 mit einem kotzenden Hund. 🙈

Wir wohnen in meinem Mehrfamilienhaus und haben zwei komplett in sich abgeschlossene Wohnbereiche. Alwina sollte im Männerkobel erstmal zur Ruhe kommen, bis wir sie mit dem Kater (der noch nie einen Hund gesehen hat) zusammen bringen.

Unsere Bedenken waren:

  • Wie wird sie einen abgeschlossenen Wohnbereich finden?
  • Wird sie am Ende bei jeder Bewegung im Treppenhaus melden?
  • Wie lange wird es dauern, sie stubenrein zu kriegen?
  • Im Tierheim hat sie ihre Ressourcen verteidigt, ihren Liegeplatz großräumig. Wie wird das daheim mit uns?
  • Wird sie die Katze fressen wollen?

Alwina ist nun zweieinhalb Wochen bei uns. Sie war von Tag 1 an stubenrein, hat bis dato noch nicht einmal gebellt. Alltagsgeräusche wie WaMa oder Staubsauger lassen sie kalt. Alwina macht nichts kaputt und klaut nichts, was man nicht fressen kann. Sie liebt ihr Körbchen, wenn es schellt und Besuch kommt, bleibt sie dort und wartet, bis sie gerufen wird. Sie ist total unaufdringlich und will alles richtig machen.

Wir können ihr jederzeit alles wegnehmen, wenn ich mich auf ihre Matte lege, kommt sie kuschelnd dazu. Sie hat Sitz und Platz in 24h gelernt und wartet artig auf ihr Futter. Der Mann hat gestern das „Nimm!“ vergessen und so saß sie da bebend und wartete, nach einer Weile hat sie sich leise fiepend bemerkbar gemacht. 😅 Bereits nach 3 Tagen hat sie begonnen, langsam zu fressen, statt zu inhalieren.

Alwina ist durch und durch sanft, freundlich, genügsam, kooperativ und eher devot. Da sie auf Anaplasmose positiv getestet wurde, bekommt sie noch Medikamente und derzeit schläft sie gute 18-20 Stunden am Tag. Das wird sich gewiss noch ändern, aber wenn nicht, ist das auch okay.

Wir haben sie von Anfang an auch stundenweise alleine gelassen, stalken sie allerdings aus meiner Wohnung mit einer Nannycam. Sie macht absolut gar nichts, außer die Ruhe zu genießen und sich gelegentlich auf die andere Seite zu drehen oder sich in die Sonne zu legen und mit ihr zu wandern. Wann immer sie uns sieht, wackelt und quietscht der ganze Hund vor lauter Freude und sie dreht sich auf den Rücken: Kuscheln bitte! Das Leben ist gut!

Es ist nicht so, als würden wir jetzt alle einfach so glücklich und sorgenfrei gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Alwina ist auch Arbeit und sie braucht Geduld.

Sie findet unseren Garten toll, das (total ruhige) Wohnumfeld ist noch sehr gruselig. Wir müssen aber 500 Meter dadurch, bevor wir auf einem höhergelegenen Weg ankommen, den sie super findet und gerne läuft. Wohlgemerkt gruselig ist es nur auf dem Weg raus, zurück nach Hause marschiert sie ohne Zögern! 🐕 Sie erstarrt in den Gruselmomenten und braucht einen Moment zur Informationsverarbeitung. Das ist wie mit der Windows-Eieruhr, irgendwann ist fertig. Ich habe beim Rumstehen inzwischen unglaublich viele Nachbarn nach ungefähr 50 Jahren im gleichen Viertel wohnend mit Namen kennengelernt!

Wir arbeiten an dem Thema, es wird jeden Tag ein bisschen besser. Geduld ist das Zauberwort; sonst nicht meine Kernkompetenz im Leben, aber ich habe schon mit Schisserpferden und – katzen gelebt und gelernt.

Alwina findet Menschen grundsätzlich toll. Hundebegegnungen sind unspektakulär. Sie zeigt nach kurzem Beschnüffeln wenig Interesse, wer ihr mit Anspringen oder so kommt, kriegt eine kurze Ansage und wird dann ignoriert.  Lediglich dem Husky, der auch im Haus wohnt, dem macht sie schöne Augen! Der darf auch seinen Kopf über sie legen und sie freut sich noch drüber.

Autofahren üben wir ganz behutsam. Sie steigt problemlos ein und aus (2x im Auto gefüttert und es war auf der Freund-Liste), aber manchmal kotzt sie noch nach 500 Metern. Auch das wird sich irgendwann finden.

An der Leine läuft sie total problemlos, sie zieht nicht, trabt fröhlich und passt ihre Geschwindigkeit uns an.

Aber ja, sie verteidigt leider ihre Ressourcen gegenüber dem Kater, sobald sie liegt. Im Vorbeigehen oder Sitzen ignoriert sie ihn, wendet sich ab. Aber sobald sie liegt und er nähert sich, wird laut und deutlich geknurrt und sich abgewendet. Er hatte sich ihr völlig unbefangen und freundlich genähert, ihr Knurren hat ihn Gott sei Dank wenig beeindruckt. Er versucht es immer wieder auf die nette Tour, wofür ich den kleinen Mann noch mehr liebe. Da liegt noch viel Arbeit vor uns. Aber auch das werden wir irgendwann schaffen.

Ihre gesundheitlichen Baustellen sind da. Ihr Alter bleibt total spekulativ. Im Profil stand 2018 geboren, im Impfausweis steht 2015, unsere Tierärztin schätzt sie auf 7, anhand der Zähne schätzen andere fachkundige Menschen sie eher auf 5. Da sie nach dem Aufstehen recht steif anläuft, sich aber flott einläuft, haben wir eine Physio terminiert, die sie mal durchchecken soll.

Uns ist das Alter total egal. Alwina ist Alwina und sie gehört zu uns. Egal wie viele Jahre sie noch hat – es sollen die besten ihres Lebens sein!

Alwina ist jetzt ein Glanz***. Und sie hat es verdient!

Die Moral von der Geschichte? Ganz manchmal im Leben muss man der Vernunft trotzen und seinem Herzen vertrauen! ❤️

Tausend Dank an Tiere in Not Odenwald e.V. , dass ihr sie nach Deutschland geholt und uns anvertraut habt.

P.S.: Wer das Buch nicht kennt, dem sei es von Herzen empfohlen: „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun.

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Danke für diese herzerwärmende & wunderbar geschriebene Adoptionsgeschichte, liebe Katja Ziehl. ✨

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