Heute morgen machte ich mich recht früh auf Richtung Tierheim, die Sonne hatte deutlich mehr Kraft als gestern. Zusammen mit Alex machte ich mit der Erfassung / Erstellung von Updates weiter. In Kennel E14 war ich sehr überrascht, hier lebte nur eine Hündin mit 7 anderen Rüden, alles war völlig friedlich und aufeinander abgestimmt. In manchen Kennels ist das einfach so – sehr harmonisch, sehr gut reguliert… Wenn man sehr viel Zeit hat und in Ruhe alles beobachtet, kann man meist erkennen, wer hier für Struktur und Klarheit sorgt.

Ein neues Gesicht in E14.

TAVIBO wohnt ebenfalls in Kennel E14 und er ist dort der größte Rüde. Aber er liegt meist hinter der Hütte, will keinerlei Ärger. Alex konnte ihn hervor locken und es zeigte sich ein ganz devotes Männlein, das alles richtig machen will…Aber was für Chancen hat er? Großer, schwarzer Rüde…Ich sehe ihn da noch in 3 Jahren sitzen. 🙁 Das Problem in Herculane ist vor allem, dass meistens sehr große Hunde abgegeben werden. Aufgrund der ländlichen Lage haben hier viele Leute eher sehr große Hunde… Und die Dichte an großen Rüden hier im Tierheim ist wirklich enorm gestiegen. Das hat vor allem damit zu tun, dass kleinere Hunde und auch Hündinnen wesentlich eher ausreisen als ein großer Rüde…Somit nimmt die Anzahl natürlich stetig zu.

Tavibo

Tierärztin Andreea hat letzte Woche einige Hunde geschoren, darunter auch unsere beiden eher nicht so kooperativen Mioritic Mixe Stromboli und Bibo – die beiden wurden sediert, es war nicht ganz leicht, aber die Wolle musste runter… Beiden geht es nun deutlich besser, die Haut kann endlich atmen.

Bibo im neuen Look!

Stromboli – immer noch sehr skeptisch…

Als wir mitten im Hundegetümmel waren, hörten wir Andreea laut rufen….Gabi eilte sofort zum Tor und wir sahen nur noch ein Auto wegfahren…Direkt am Tor kurz angebunden ein großer brauner Hund, der kaum noch in der Lage war zu stehen… Anscheinend hat man nicht lang genug warten können, bis jemand vom Tierheim am Tor war (beim Penny gestern lief das mit dem Warten irgendwie besser…), so dass man sich schnell der lästigen Fracht befreit hatte… Nach genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass wir hier eine uralte Hündin mit starkem Gesäuge „geschenkt“ bekommen hatten, die kurz vorm Hungertod war. Alle Rippen stehen raus, die Oberschenkelknochen liegen frei, sie war völlig dehydriert und der Kreislauf sehr schwach. Sie war sehr misstrauisch, was uns alle absolut mal gar nicht wunderte, doch sie ging an der Leine mit und Andreea versorgte sie erst mal mit einigen sehr nötigen Mitteln, damit sie uns nicht direkt zusammenklappte. Wirklich laufen konnte sie nicht, es war eher eine Mischung aus fallen und balancieren. Immer wieder verdrehten sich die Pfoten… Zusammen konnten wir sie in Kennel B5 bringen, wo aktuell nur ältere Hunde sind, dort war eine Doppelhütte frei. Sie fraß einiges an Nassfutter und fiel dann in sich zusammen. Ich habe sie GRETCHEN genannt… Morgen gehe ich wieder nach ihr schauen, vielleicht ist sie dann schon ein wenig aufgeschlossener. Sie ist sicherlich 10-12 Jahre alt, das Ohr wieder abgeschnitten als Besitzermarkierung. Sie muss einst so ein schöner Hund gewesen sein… Davon ist nichts mehr übrig… Übrig ist ein Häufchen Elend voller Sorgen, ohne eine Faser Kraft. ich habe schon viele müde und fertige Hunde gesehen, aber ich glaube hier hätte es nicht 3 tage länger dauern dürfen. Leider haben wir alle das Kennzeichnen des Wagens nicht mehr sehen können…Mishu hätte sonst die Polizei informiert. Es gibt ja hier nun auch eine „animal police“, die genau in solchen Fällen wohl tätig wird…

Gretchen, nachdem sie das erste mal etwas im Magen hatte…

Tierärztin Andreea mit einem ihrer Patienten.

Dogan – mit ihm habe ich heute mehr Zeit verbracht. Ein sehr ruhiger, trauriger und menschenbezogener Hund. Er lag die gesamte Zeit dicht neben mir und hat das wirklich genossen, dass mal jemand bei ihm war.

Letzte Woche wurde diese braune Hündin hier gebracht, 3 Stunden nach Ankunft hat sie 5 Welpen auf die Welt gebracht…Sie hat nun einen Kennel für sich, hat aber noch nicht so ganz verstanden, dass ihre kleinen Babies in der Hütte am besten untergebracht sind. Sie räumt sie immer wieder raus… Wir vertrauen da mal auf den Instinkt der Mutter, sie wird schon wissen, was sie macht. Milch hat sie genug und sie umsorgt ihre kleine Bande sehr liebevoll. Auch solche Überraschungen sind immer wieder mit einzuplanen…

Unsere Mama.

Meistens ist mein Blick unten bei den Hunden, aber zwischendurch schaut man hoch und staunt wieder, wie schön das hier eigentlich ist…Oben, zwischen Bergen und Himmel…

Am Abend habe ich mit Alex die Schafe noch eingesammelt und das kleine Ferkel der Familie nochmal flitzen lassen. Es sollte geschlachtet werden, so dass Mishu es mit ins Tierheim gebracht hat. Es ist eine ungarische Rasse mit sehr drahtigen kurzen Haaren…Sein bester Freund ist eine kleine Hündin, die zur Familie gehört… Beide spielen zusammen über die Wiesen, trinken aus dem kleinen Pool oder wühlen in der Erde. Eine spannende Kombination… Der kleine Ferkel Mann hört schon gut auf Zuruf, läuft brav hinterher und nimmt gerne ein paar Leckerchen entgegen – alles genau wie bei unseren Hunden. Doch unsere Hunde stehen Tag für Tag im Fokus, werden geliebt, umsorgt und geschätzt. Ein Ferkel ist eben auch in Deutschland nur ein Ferkel, was gemästet, transportiert und geschlachtet wird…. heute im direkten Kontakt mit diesem Schweinekind wurde mir mal wieder einmal mehr klar, wie absurd und paradox diese Nutztier-Haustier Geschichte ist. Aber solange es Tierschutzvereine gibt, die auf ihrem Sommerfest tierische Grillwürste verkaufen, wird diese Unterscheidung immer weiter existieren.

zwei Kumpels. Schwein und Hund. Tier und Tier. Würden ihnen doch die selber Wertschätzung entgegengebracht werden…

Tag 2 ging so schnell vorbei… für morgen ist auch schon wieder einiges geplant – ich werde euch berichten…. Der Kopf füllt sich langsam mit vielen Eindrücken, Fragen und Gedanken, die einen stetig begleiten:  Unsere vielen großen Rüden (Wie soll das nur weitergehen?), ein Schicksal wie das von Gretchen….(Wie viele Hunde werden aktuell noch in so einer Notlage sein und keine Hilfe erhalten?) oder das Kennenlernen des kleinen Ferkels (Wann werden wir nicht mehr zwischen Nutztier und Haustier unterscheiden? Wann werden alle Menschen eine Ernährung vorziehen, die ohne Mord und Totschlag funktioniert?)
Es bleiben viele Fragen offen, Lösungen zeichnen sich nicht mal so eben schnell ab.

Die Schafe sind im Stall, die Tore zu den Weiden zu. Letzte Runde, dann ab in die Pension…

Habt einen schönen Abend, wir lesen uns morgen!
Anna

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