Ich bin wieder eine Woche vor Ort in Rumänien und nehme euch wieder mit auf eine Reise, die uns primär nach Campina führt. Wenn es die Zeit zulässt, werden wir auch in Bucov vorbeisehen. Zentral schaue ich wieder, wie unsere Hilfe ankommt, erfasse die Hunde für die Galerie und bespreche mit den Kollegen vor Ort all die Dinge, die man auf Distanz nicht so einfach abklären kann. Die Arbeit vor Ort ist ein wichtiges Standbein unseres Vereins und dies funktioniert nur, wenn man die Gegebenheiten, die Umstände und die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, kennt.  

Heute haben wir von 9:00 bis 18:00 Uhr Hunde erfasst. Unsere Köpfe rauchen. Und wir sind immer noch nicht ganz fertig. Morgen brauchen wir sicherlich nochmal einen halben Tag. Viele Schicksale haben uns heute wieder berührt, vor allem auch von Hunden, die schon länger in Campina sind, für die man bisher keine Chance möglich machen konnte. Balduin war zum Beispiel so jemand. Ein sehr höflicher und angenehmer Rüde, der irgendwie bisher immer übersehen wurde. Da sitzt er nun schon so lange in seinem kleinen Kennel und seine Lebenszeit verrinnt.

Balduin

Aber auch Manero hat uns total berührt. Er war erst total zurückhaltend, stand an der Wand, Blick gesenkt. Er wusste nicht so richtig, was kommen wird. Als er dann merkte, dass die Stimmung gut ist und alles entspannt bleibt, traute er sich Stück für Stück. Zuerst konnte ich ihn anfassen (Frauen haben häufiger im ersten Kontakt die besseren Karten…), dann aber auch Florian. Und Manero hat es so gut gefallen. Er war sehr über sich selbst überrascht und man konnte ihm total anmerken, wie erleichtert er war. Irgendwie hat man – obwohl die Begegnung ja hier wirklich nur sehr kurz ist – das Gefühl gehabt, dass ihm das sehr gut getan hat und er vielleicht sogar so eine Art Lernfortschritt gemacht und weitere Menschen kennengelernt hat, die er einfach gut finden kann, ohne dass da ein Haken an der Sache ist.

Manero und Florian

Im Kennel nebenan gab es direkt das nächste kleine Wunder und wir hatten damit gar nicht gerechnet, da dort auf den ersten Blick eigentlich nur recht unsichere Hunde herumsprangen. Wenn man den Kennel zuerst betritt, schaut man erst mal, dass es keinen Hund gibt, der unseren Besuch richtig unangemessen findet und zur Verteidigungstat schreitet. Verhält sich erst mal soweit alles ruhig, zählen wir erst mal durch, wie viele Bewohner es gibt und gleichen die Galerie ab. Wir können mithilfe unserer Galerie einzelne Kennels aufrufen und bekommen alle Hunde angezeigt, die dort einmal registriert wurden. Diese Hündin hier tauchte aber nicht auf:

…noch unbekannt…

Also schauten wir genauer hin. Sie lag versteinert in der Ecke und eigentlich habe ich fest damit gerechnet, dass sie schnappt oder panisch wegrennt, aber…sie nahm ganz zart und vorsichtig das Leckerchen, das ich ihr anbot. Ein wenig später konnte ich sie sogar gut anfassen und für sie schien das völlig ok zu sein. Mit diesen Eckdaten war sie nun neu erfasst.
Als wir später in ein paar Kennels weiter hinten die Galerie wieder prüften, stellte ich fest, dass in diesem Kennel eine kleine schwarz-weiße Hündin fehlte, die aber absolut identisch war mit der kleinen Lady vorhin. Auch die Ohrmarke stimmte  – wir hatten also HALIMA angetroffen….
https://prodogromania.de/alle-hunde/halima/ 
Wie schön, dass sie sich nun so zeigte und nicht mehr panisch und eingeschüchtert war…

Ein paar Kennels weiter trafen wir auf eine bunte fröhliche Runde und hatten gar nicht damit gerechnet, dass wir dort einen Notfall finden würde. Opa RAMINO…. Abgekämpft lag er in der Hütte, die Fliegen tanzten um ihn. Beide Augen sehr entzündet, das eine Auge schon gar nicht mehr wirklich existent. Die Haut war auch ziemlich malträtiert und als er aus der Hütte aufstand, sahen wir auch, dass er vorne als auch am Hinterlauf humpelte….
Wir ließen ihn direkt ins Haus bringen, die Arbeiter halfen uns und wir informierten Catalina, sie ist morgen wieder da und schaut sich ihn an. Leider ist er nicht ganz so kooperativ und erfreut hat ihn die ganzen Aktion nicht, aber er hätte es dort sicher nicht mehr lange gepackt.

 

Zwischendurch laden wir immer wieder am Auto die Leckerchen Vorräte auf, trinken etwas und machen kurz Pause. Damit das Auto nicht von den freilaufenden Hunden völlig zerkratzt wird, parken wir immer in der Schleuse, ganz am Ausgang des Tierheims. Heute haben wir extrem weit am Außentor geparkt, weil am Morgen weiter vorne direkt ein Auto schon stand. Es war kurz nach 15 Uhr, die Hunde waren gerade alle sehr ruhig und es ging ein leichter Wind, der den Boden trocknete. Ein paar Stunden vorher hatte es ziemlich geschüttet. Immer wieder hörten wir ein Kratzen / Klappen am Blech, konnten es aber nicht so wirklich zuordnen. Die Kennels, die wir sehen konnten, schienen sehr ruhig, die Hunde schliefen oder lagen entspannt auf den Hütten. Aber immer wieder hörten wir dieses Klappern. Florian schaute am Außentor, das unten einen kleinen Auslass hat, damit dort Wasser ablaufen kann, wenn es stark regnete. Wir staunten nicht schlecht, als von außen die kleine braune Mabeja verzeifelt versuchte, wieder ins Shelter zu gelangen….Florian versuchte, sie reinzulocken, aber auch sie reagiert auf Männer immer etwas unsicherer als auf Frauen…. Ich kam zur Hilfe und rief das, was hier eigentlich alle Frauen zu den Hunden sagen und was meistens eigentlich immer hilft: „Hai la mama….“…. Und Mabeja kam….Sie war so froh, im Shelter wieder zu sein und ich war so froh, dass diese kleine Lady auf mich hörte und einfach kam. Und wieder ins Shelter wollte…und sich freute…Ich staunte noch kurz 3 min und dann suchten wir Nicoletta.
Wir sprachen mit ihr darüber und Mabeja muss den beiden Arbeiterinnen gefolgt sein, die gegen 15 Uhr Feierabend machen. Auch gestern war sie wohl schon mitgegangen, sie war über das ganz ganz schön hohe Schleusentor geklettert. Die beiden Damen haben sie aber auch dann wieder direkt zugebracht, sie wollte einfach folgen. Heute war das Außentor sogar zu und sie hat dieses mini Loch gefunden und sich dort durchgequetscht.
Erkenntnis eins des Tages: Die Rumis finden jedes Loch im Zaun und ein Rumi, der auch noch klettern kann, ist eigentlich nicht unbeaufsichtigt zu lassen, außer ich haben einen Garten, der mit Fort Knox mithalten kann…
Erkenntnis zwei des Tages: Manche Hunde finden so ein Shelter richtig gut und sehen es als ihr Zuhause an. Es ist vielleicht der erste Ort, an dem es zuverlässig Futter gibt, an dem man ohne Angst vor Autos schlafen und wo es Menschen gibt, denen man vertrauen kann.
Erkenntnis drei des Tages: Diese kleine Lady hat es faustdick hinter den Ohren….

Als Mabeja wieder sicher verstaut war, ging es für uns weiter. Ich habe heute über 900 Fotos und diverse Videos gemacht. Florian hat mit seinem verbundenem Finger tapfer durchgehalten und Hund für Hund gehalten, gedreht, angefasst….Und wir sind immer noch nicht durch. Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir heute komplett fertig sind, aber irgendwie hat es länger gebraucht. Aber wir nehmen uns diese Zeit, damit alle Hunde ihre Chance bekommen. Vor allem die, die erst mal ein paar Minuten brauchen und die nicht direkt vorne mit dabei sind. Hütten aufmachen, auch mal den Weg eines Hundes blockieren, schauen, wie er reagiert… Oft werden wir kritisiert bei den Videos, da wir die Hunde zu direkt anfassen (am Kopf, am Bauch…) und die Hunde das nicht immer gut finden. Auch dazu muss ich erklären, dass wir das tun müssen, damit wir überhaupt eine Aussage darüber treffen können, wie dieser Hund hantierbar ist und was er akzeptiert und wo seine Grenzen liegen. Nur mit diesen Infos können wir eine zuverlässige Info erhalten, was für ein Zuhause dieser Hund braucht und mit was für Besonderheiten zu rechnen ist, wenn er nach Deutschland reist. Wir drangsalieren die Hunde nicht, wir belästigen sie nicht, wir prüfen einfach 3-5 Minuten, mit wem wir es hier zu tun haben. Davon hat bisher keiner Schaden genommen, sondern vielmehr gelernt, dass nichts Schlimmes passiert und dass wir nicht panisch zurückspringen, wenn man mal die Zähnchen auspackt. Ich denke, jedem ist geholfen, wenn es eine realistische Einschätzung darüber gibt, was für ein Hund wir hier vor uns haben und man einen ehrlichen Eindruck gewinnt. Deswegen sind wir unter anderem auch hier. Es geht nicht darum, die Hunde mit Keksen vollzustopfen und alle mal kurz lieb zu haben…Es geht darum, mit gutem Gewissen die Verantwortung darüber zu übernehmen, all diese Hunde ausreisen zu lassen. Und nicht auf gut Glück und mit dem Prinzip „Augen zu und durch“ Hunde nach Deutschland zu holen, mit denen jeder 3. Adoptant heillos überfordert wäre. Dies war mir nochmal wichtig zu erklären, weil ich immer sehr häufig diese Art von Kommentaren lese, und darüber immer ein wenig sauer bin, weil wir hier echt auf dem Boden zwischen Fliegen, Dreck und sonstigen Dingen rumkriechen, damit wir eben genau diese Dinge prüfen können. Wir marschieren nicht lustig in die Kennels und tatschen allen Hunden mal ein wenig am Kopf, da ist schon eine Idee dahinter.

Morgen werden wir auf jeden Fall einen halben Tag in Campina verbringen und im Anschluss nochmal ins Santuary of Hope von Aniela fahren, dort war ich auch schon so lange nicht mehr… Durch Corona hat sich alles ein wenig angestaut, aber es ging eben nicht anders….
Gestern war ich so müde und konnte keinen Bericht mehr schreiben, heute bin ich noch 3 mal müder, aber es war mir so wichtig, wieder zu schreiben, das Gesehene und Erlebte zusammenzufassen…Es muss so sein, wie Paulo Coelho es mal gesagt hat:
„Zu schreiben bedeutet zu teilen. Es ist ein Teil des Menschseins Dinge teilen zu wollen – Gedanken, Ideen, Meinungen.“ 

Damit tauche ich nun nochmal kurz in die Galerie ab, sortiere einige Dinge, checke die Fotos und packe meine Sachen für den morgigen Tag zusammen.
Noapte buna an alle euch, die ihr so fleißig gedanklich mit dabei seid!

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