Ich bin wieder eine Woche vor Ort in Rumänien und nehme euch wieder mit auf eine Reise, die uns primär nach Campina führt. Wenn es die Zeit zulässt, werden wir auch in Bucov vorbeisehen. Zentral schaue ich wieder, wie unsere Hilfe ankommt, erfasse die Hunde für die Galerie und bespreche mit den Kollegen vor Ort all die Dinge, die man auf Distanz nicht so einfach abklären kann. Die Arbeit vor Ort ist ein wichtiges Standbein unseres Vereins und dies funktioniert nur, wenn man die Gegebenheiten, die Umstände und die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, kennt.   

Mit vielen Dingen auf der Liste sind wir heute morgen schon sehr früh nach Bucov gefahren. Die Sonne brannte um 8 Uhr schon und es schien wieder ein echt heißer Tag zu werden. Wir wollten als erstes das Versprechen einlösen, das wir Catalina gegeben hatten. Sie bat uns darum, eine Schäfi-Familie unbedingt aufzunehmen, denn sie lagen ihr so am Herzen. 3 ganz wunderbare Mädchen mit einer tollen Mama. Liebevoll gehen sie miteinander um, obwohl ihnen für ihr Leben mit Napf und Hütte nur maximal 5qm zur Verfügung stehen.

 

Weiter ging es von Kennel zu Kennel, die ich die Tage zuvor mit den Tierärzten besprochen hatte. Kennels, bei denen der Besatz so dicht war, dass es oft Streit gab. Kennels, wo viele ältere Hunde sitzen, die wirklich nicht gut zurecht kommen vor Ort.

Wir haben heute wieder so viele Hütten aufgeklappt, geschaut, wer hier wohnt, immer wieder auch hinter die Hütten gesehen, um dort die ganz ängstlichen kennenzulernen. Viele Hunde sind frustriert, viele sind deprimiert. Andere brauchen 5 min, um zu verstehen, dass wir im Guten unterwegs sind und dann kleben sie uns an den Beinen und lassen uns nicht mehr gehen. Ich erzähle euch gefühlt immer wieder dasselbe, aber in jedem Kennel finden wir Schicksal um Schicksal.

Auch hatte ich heute noch fest auf dem Schirm, die Vetkennels Hunde zu prüfen. Auch hier braucht man Hilfe, da nicht jeder Hund im Vetkennel fertig ist zu Erfassung: Einige sind mitten in der Behandlung, einigen geht es sehr schlecht. Bei ihnen steht eine Vermittlung noch überhaupt nicht zur Debatte. Ein Mitarbeiter aus Bucov half uns, die bestimmten Hunde aus den inneren Vetkennels herauszutragen, denn drinnen kann ich keine Fotos machen und es ist wahnsinnig laut. Für die Hunde ist es immer ein unbeschreibliches Gefühl, wenn sie im Gras sitzen können, etwas anderes sehen und hören dürfen. Natürlich würde die Fotos mehr der Realität entsprechen, wenn ich die Hunde direkt im Kennel fotografieren würde, aber ich glaube man kann diesen Gesichtern gut ansehen, was sie fühlen, denken….Schaut sie euch an….

Da wir gestern vor allem Kennels von Mihaela erfasst haben, haben wir heute ab Mittag auch einige Kennels von Aniela besucht und dort alles erfasst, was Aniela bisher nicht geschafft hat. Viele tolle Hundekinder, die meisten sehr aufgeschlossen, sehr mutig, voller Lebensfreude und Tatendrang. Und dann sitzen sie da in ihrem mini kleinen Kennel und spielen mit den Pflaumen und den kleinen Ästchen, die dort zufällig hereinfallen. Sie haben ihren festen Rhythmus: Spielen, fressen und dann alle zusammen auf einem Fleckchen ein Nickerchen machen. Wenn sie klein sind, ist es noch leicht. Wachsen sie zu Junghunden heran, steigt der Frust, sie sind gelangweilt…Daher versuchen wir, dass die Welpis immer möglichst zeitnah reisen können… Jeder Welpe, der im Shelter aufwächst, hat eine verlorene Zeit hinter sich, in der er so viel hätte lernen können.

Gefühlt haben wir wieder fast nichts geschafft, schaue ich mir aber meine Listen, Videos und Fotos an, haben wir in 6 Tagen hunderte von Hunden erfasst. Ich habe in der letzten Woche mehrere tausende Hunde gesehen an drei verschiedenen Orten. Ich kann mich an manche schon nicht mehr erinnern und erst, wenn ich die Fotos und meine Listen dazu wieder abgleiche, kommt die Erinnerung wieder hoch. Wir haben alles gegeben und auch heute bis auf die letzte Minute erfasst. Irgendwann kommt aber der Punkt, wo Kopf und Köper nicht mehr können und man aufhören muss. Man kann nicht halbduselig und völlig müde in die Kennels gehen, gerade wenn dort kompliziertere Hunde sind. Der Biss bei Florian hat uns wieder gezeigt, wie schnell man in einer gefährlichen Situation drinsteckt. Daher war heute um halb 5 Schluss. Wir konnten nicht mehr. Ich war nicht mehr bei Malthe und auch nicht mehr bei der einen Hündin, die Catalina mir zeigte. Von der Hündin mit dem Stickertumor habe ich das Video vergessen und eigentlich wollte ich nochmal nach dem Opa in Kennel 12 schauen. Stillschweigend sind wir zum Hotel gefahren, fix und foxy, tausend Sachen noch gefühlt offen. Ein unfassbar schlechtes Gefühl. Jedes Mal ist es da und macht sich breit, wie ein dunkler Nebel, der erst dann aufhört, wenn man wieder ein wenig Abstand gewonnen hat. Jetzt hat man den Druck im Nacken, dass man möglichst schnell alle Hunde in die Galerie bringt, zeitnah alle Videos sortiert und an die wartenden Stellen verteilt. Wartet man zu lange, ist vielleicht schon wieder jemand umgesetzt oder lebt nicht mehr. Und diese Schuld, dieses Gefühl, dass man zu spät war, erträgt man noch weniger, als die Feststellung, dass man so viele doch irgendwie nicht kennenlernen konnte.

Unser Plan war morgen früh um 5 zu starten. Da hier aber gerade eine riesen Hochzeitsparty im Hotel startet mit richtiger lauter live Musik (genau das, was man nach einem Tag in Bucov braucht…), werden wir uns vielleicht auch nur ein paar Stunden hinlegen und dann schon früher in der Nacht starten. An echten Schlaf ist vermutlich eh nicht zu denken. Da ich so etwas wie eine Koffeinunverträglichkeit habe und nach 500ml Cola wie ein Duracell Hase unterwegs bin, habe ich mir vorhin schon die standardmäßige Colaflasche gekauft, die Notfallreserve sozusagen. Wenn nix mehr geht, Florian kollabiert, werde ich mir das einfach einverleiben und 1200km am Stück fahren. Hat bisher immer geklappt.
Man muss das hier alles so nehmen, wie es ist. Es kommt keiner vorbei und löst hier unsere Probleme, kastriert alle Hunde auf einmal oder ändert die Denke der gesamten rumänischen Bevölkerung im Punkto Verantwortung gegenüber dem eigenen Tier. Keiner wird das hier einfach mal so lösen. Niemand wird uns all die Arbeit abnehmen, die wir zusammen als Team jeden Tag bewerkstelligen oder das, was wir hier mit all den Volontären vor Ort möglich machen. Wir müssen das hier alles sehen, erleben und wahrnehmen. Nur dann erkennen wir, um was es uns eigentlich gehen muss, wo unsere Aufgabe zu sehen ist und wie unsere Ziele zu stecken sind. Ich habe hier schon viele Dinge erlebt, die ich nicht gebraucht habe für mich. Die Abgabe einer Huskyhündin heute, die ein festes Zuhause hatte…sie schaute uns mit so ungläubigen Augen an, als sie da im Vetkennel saß. Später am Tage holten wir genau aus dem selben Vetkennel eine tote braune Hündin. Keine Anzeichen von außen. Kastriert, frisch geimpft….Eventuell innerlich etwas, was wir nicht sehen können. Die kleine Huskyhündin, wir haben sie Vivian genannt, saß angelehnt an den toten Körper der braunen Hündin. Sie musste quasi dort ein wenig weggeschoben werden…
Momente, die einem Gänsehaut bereiten. Die einen gruseln, die etwas in einem hervorrufen, was man aus seinem gewohnten Alltag in Deutschland nicht so wirklich kennt. Aber solche Momente machen einem begreifbar, wie wichtig hier unsere Aufgabe ist. Sie zeigen uns auf, dass jede Anstrengung es wert ist, die wir hier aufbringen.
Danke für eure Unterstützung auch bei dieser Reise. Für eure Hilfe und die Anteilnahme, die wir erhalten in solchen Tagen. Es tut sehr gut zu wissen, dass ihr alle dabei seid.

 

 

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