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Vom 19.3 – 26.3 sind wir wieder vor Ort in Ploiesti. Gemeinsam mit einem Team von 6 Leuten versuchen wir wieder Aniela und Mihaela unter die Arme zu greifen, zu schauen und erkennen, was zukünftig besonderer Fokussierung bedarf und natürlich so viele Hunde neu zu erfassen, wie es geht. Jeden Abend findet ihr hier auf der Homepage den Tagesbericht mit einigen Impressionen…

Auch heute hatte wir die Sonne mit im Gepäck! Nachdem wir Tierärztin Irina Zuhause abgeholt hatten, ging es ins Tierheim, wo wir schon von allen Hunden erwartet wurden.

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Heute haben wir weiter Hunde erfasst und vor allem Anti-Zeckenmittel auf die Hunde verteilt, weil zunehmend Zecken + Flöhe unterwegs sind. Aktuell gibt es einige Babesiose Fälle in Ploiesti und die Zecken sind sehr aktiv. Der Winter war nicht wirklich permanent kalt und diese Parasiten sind nun auf dem Vormarsch. Die meisten Hunde haben sich alles gut gefallen lassen, bei manchen Kandidaten brauchen wir länger.

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Immer mit dabei: Spot ons

Neben Schreibblock, Kamera, Krallenzange und Spot ons gehört auch die Schaufel mit zur Standard-Ausstattung. So können wir direkt in jedem Zwinger die Hüttendächer von Kot befreien, da sie den Hunden als Liegefläche dienen und gerade in sehr matschigen Zeiten stellen die Hüttendächer wirkliche Inseln dar.

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Wir haben wieder so viele traumhafte Hunde kennengelernt, die uns freudig begrüßen, sich massieren und kraulen lassen und nach kurzer Zeit sogar zum Spiel auffordern. Man sieht so gute Hundebeziehungen, viele suchen den innigen Körperkontakt zu ihren Artgenossen und liegen zusammen in der Sonne.

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Unter Kumpels…

Viele Hunde lassen sich aber auch einfach gar nicht anfassen, weichen großräumig aus, verstecken sich hinter Hütten oder verkrümeln sich in die Ecken. Sie bräuchten einfach Zeit, fachkundige Hände und ein anderes Umwelt und sie würden sich sicherlich zu tollen aufgeschlossenen Hunden entwickeln. Aber da solche Hunde erstens nur sehr schwerlich ausreisefertig gemacht werden können (jeder Tierarztcheck, jede Impfung würde ein Einfangen mit der Fangschlinge bedeuten) und zweitens man nicht wirklich weitere Charakterzüge einschätzen kann, ist es unmöglich, diese Hunde für eine Vermittlung zu erfassen. Unsere Zeit ist immer begrenzt und in so vielen Zwingern sitzen so viele aufgeschlossene und freundliche Hunde, die wirklich bereit sind, ein Leben in Deutschland leben zu können. Man muss seine Zeit einteilen und man muss sich immer fragen: Wie viel Zeit investiere ich jetzt hier an diesem Hund? Es ist unfair und ungerecht, dass man überhaupt so eine Frage stellen muss. Dass man nicht jedem Hund eine Chance ermöglichen kann, dass man nicht jeden Hund kennenlernen und einschätzen kann, einfach weil sie an diesem Ort sitzen.  Manchmal hat man das Gefühl, dass die Anzahl dieser Hunde zunimmt…Jedes Mal wenn ich dort bin, finde ich mehr Zwinger, wo sehr viele sehr scheue Hunde leben. Es kann natürlich darin begründet sein, dass zunehmend kompatible Hunde ein Zuhause finden und dementsprechend einfach die „unvermittelbaren“ immer mehr zurück bleiben. Vielleicht gibt es auch andere Gründe, die wir jetzt hier nicht so ermitteln können. Fest steht, dass dieser Ort und die damit verbundenen Arbeit alles andere als fair und gerecht ist. Man trifft eine Auswahl, die fachlich begründet werden kann, aber erfüllend ist das nicht unbedingt. Es sind die Schattenhunde, für die der Weg in eine bessere Zukunft bisher noch nicht ersichtlich ist.

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Kein Körperkontakt möglich…

Ganz am Ende des Tages im shelter sind wir noch auf unser „Bienchen“ gestoßen. Diese wunderbare Hündin war zu Beginn sehr distanziert, stand hinter ihrem Häuschen und schaute sehr misstrauisch, als wir ihren Zwinger betraten. Ihre Neugierde siegte aber sehr schnell und Bienchen nahm Kontakt auf. Still und heimlich kam sie an meine Seite, lehnte sich ein wenig an und schnupperte in aller Ruhe an mir. Ich beachtete sie nicht wirklich und sie lehnte sich immer mehr an. Als ich sie dann kraulte, war sie sehr glücklich und zufrieden und man merkte, wie ihre Anspannung von ihr abfiel und sie endlich genießen konnte. Vielleicht wurde sie in ihrem bisherigen Leben nie gestreichelt. Sie war verwundert, wozu menschliche Hände gut sein können. Wenn man mit einem Kangal Mädchen so eng und vertraut nebeneinander in der Sonne unter den Blüten eines alten Kirschbaums im Dreck sitzt, vergisst man manchmal die Zäune, den Tumult und die Einsamkeit, die diese Hunde Tag für Tag erleben. Aber jede Minute, die die Hunde vergessen können, wo sie eigentlich gerade sitzen, ist eine gute Minute. Auch für ein Bienchen.

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Bienchen.

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Sorgen im Blick, Hoffnung im Herzen.

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Das Haus von Bienchen