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Wieder einmal….“La Revedere!“

Wieder einmal: Weihnachten in Bucov! Bevor es so richtig kalt wird, möchten wir nochmal nach den SchwĂ€chsten schauen, die dringend unsere Hilfe brauchen!  Die Tage sind kĂŒrzer, aber wir machen das Beste draus. Unsere Tagesberichte sollen euch mitnehmen auf unsere Reise und euch helfen,  die Notwendigkeit unserer Arbeit vielleicht noch ein wenig besser zu verstehen.

 

Eiskalt startete der Morgen, wir mussten das Auto krĂ€ftig kratzen. Die Sonne ging gerade auf, als wir das Shelter erreichten. Viele Arbeiter waren heute da, war es doch der erste normale Arbeitstag seit Weihnachten. Sie waren schon mit der FĂŒtterung beschĂ€ftigt. Wenig spĂ€ter kam eine große Kieslieferung. Wenn man sieht, dass was passiert und eine gewisse AktivitĂ€t sichtbar ist, wirkt das alles schon viel besser. Heute wurden ganz viele Zwinger gut gereinigt, was mich sehr erfreut hat. Viele Zwinger haben nun Betonplatten und lassen sich nun so sehr viel leichter reinigen.

saubere Kennels…

Immer wieder sieht man nun auch Futterstellen fĂŒr die freilebenden Hunde und auch kleine Schlafmöglichkeiten…

Da es heute morgen noch sehr kalt war, haben wir erst mal Stroh noch verteilt, weil zum still stehen, Fotos machen und schreiben war es zu eisig. Wir sind dann auch nochmal in Kennel 145/4 rein, den wir zwar schon besucht hatten, aber die Jungs hatten alle kein Stroh. Und wie gut, dass wir nochmal dort warten….Bei unserem ersten Besuch waren die meisten Hunde sehr unsicher, die Stimmung war schlecht und ein Kollege hatte ganz schlechte Laune und kam quasi direkt „geflogen“… Aber heute konnten wir noch drei tolle Buben erfassen. Vor allen fĂŒr den braunweißen Opi haben wir uns sehr gefreut, er ist echt ein GoldstĂŒck.

GoldstĂŒck!

Anschließend waren wir mit Catalina in den Containern unterwegs, sie zeigte uns dort ihre ausreisefertigen SchĂŒtzlinge. Schön ist es dort nicht, die Hunde sitzen in recht kleinen KĂ€figen, aber fĂŒr sie ist es dort die einzige Chance, sicher untergebracht zu sein. Wir werden sie schnell einstellen, damit sie von dort aus direkt in den Transporter steigen können…

 

Gerade als wir dort fertigen waren, standen unsere Fahrer vom SOS Transport wieder auf dem Hof des Shelters. Wir luden die Sachspenden aus und freuten uns zusammen ĂŒber die mitgeschickten Dinge! 🙂 Ist immer ein bisschen wie Weihnachten, wenn die guten Dinge ankommen….

Als Emil – einer der Fahrer –  den Wagen gerade vom Hof fuhr, kam der Pförtner mit einer Holzkiste…selfmade. Ausstiegen 3 kleine Yorkie Mix Welpen. Sehr nett, sehr jung…alle drei sind im Container geparkt, die erste Impfung folgt nach der Entwurmung…. Gut, dass sie die Nacht nicht noch irgendwo rumstanden, das hĂ€tte keiner gepackt…

  

FĂŒr uns ging es dann in die Vetkennel. Wir besuchten nun die Hunde, die von Irina medizinisch betreut werden. So viele tolle Hunde dabei…. Manche brachte Irina raus, manche besuchten wir in ihren Kennels….Alle mit einer Geschichte, alle mit einer Hoffnung: Endlich ein Zuhause finden!

Eine alte HĂŒndin aus den Vetkennels, die schwer gebissen wurde. Die Wunde ist nun geschlossen, sie kann reisen…..Vielleicht zu dir?

 

Den weiteren Tag verbrachte ich damit, einige Hunde mir nochmal gezielt anzuschauen, weil sie Anfragen haben oder Partnerorgas sie aufnehmen wollen. Viele konnte ich finden, von manchen gab es keine Spur…

Als wir mitten im GetĂŒmmel standen, merkten wir auch hier wieder, dass es komisch laut war. Hysterischer, aggressiver. Da wir mittlerweile so viele Kennels und DĂ€cher haben, ist es schwer, schnell mal rundrum einen Überblick zu haben. So viele Hunde, die umherspringen, bellen, hochspringen…aber wir konnten den „Herd“ schnell ausmachen… Eine grausame Szene spielte sich vor unseren Augen ab. Ein weißer Hund wurde an seinem RĂŒckenfell von der benachbarten Gruppe durch den Zaun gerissen. Panische Schreie des weißen Hundes… Wir hĂ€tten einmal komplett um den Block laufen mĂŒssen, denn der Eingang zu diesem Kennel war auf der ganz anderen Seite. Also machten wir das, was sich in der Praxis als gut erwiesen hatte. Ablenkung erzeugen. Und das geht sehr gut, in dem man kleine Kieselsteine gezielt auf die BlechdĂ€cher wirft. Macht einen Riesenkrach, die Hunde sind irritiert und lassen in den meisten FĂ€llen ihr Opfer los. Das hilft enorm, wenn man nicht schnell in den Kennel kommt. Jeder weitere Minute hĂ€tte dem weißen Hund das Leben kosten können… Als endlich losgelassen wurde, raffte sich das weiße Kerlchen direkt auf, torkelte aber massiv zur Seite, kippte mehrmals um…. Es konnte sich an einen Zaun anlehnen und wir nutzen die Zeit, schnell in den Kennel zu kommen…

Äußerlich konnten wir nichts feststellen, das Fell am RĂŒcken war durchnĂ€sst und es gab dort eine kleine Wunde… Das Torkeln wurde von Minute zu Minute besser und wir erklĂ€rten uns diesen Kontrollverlust durch den Schock, den die HĂŒndin erlitten haben musste. Ihre Kumpel im Zwinger war super nett mit ihr, er hatte auch wĂ€hrend des Angriffs der Nachbargruppe nicht mit ausgeteilt. Das passiert ja leider auch sehr oft, dass eigentlich Hundekumpels bei stressigen Situationen dann mit austeilen und sich alle auf einen stĂŒrzen, mit dem sie sich vorher eine HĂŒtte geteilt haben… Ich habe Catalina, die TierĂ€ztin, informiert, sich die HĂŒndin morgen direkt anzuschauen…Sie hatte sich dann in eine HĂŒtte verkochen und wir ließen sie zur Ruhe kommen.

Man merkte heute deutlich, dass die Hunde sehr viel nervöser waren als die Tage zuvor. Auch Aniela fiel das auf. Es musste also absolut mit den quasi stĂŒndlich gezĂŒndeten Böllern zu tun haben. Silvester wird grauenhaft werden fĂŒr die Hunde.  Ich darf da gar nicht dran denken.

Und dann machten wir uns auf fĂŒr die letzte Strohrunde. Wir haben uns schon so daran gewöhnt, wenn nachmittags das Licht schlechter wird, Kennel fĂŒr Kennel mit Stroh zu befĂŒllen. Es ist so eine gute Tat, es geht fix und man macht so vielen eine Freude. Diese beiden Staff Ladies hier haben sich zum Beispiel total gefreut. Ihre blanke HĂŒtte war gar nicht gemĂŒtlich und auch Staffies haben keine Unterwolle…. zwei sehr tolle MĂ€dchen, ganz lieb miteinander. Leider wird es super schwer, fĂŒr sie etwas zu finden….:(

Wir holten Ballen um Ballen, aber irgendwann mussten auch wir aufgeben. Die Zeit hatte gewonnen, die Sonne war schon versunken. Viele Hunde waren schon in ihren HĂŒtten verschwunden, einige haben nun ein gutes Strohbett. In einen Kennel schoben wir mit letzter Kraft noch eine DoppelhĂŒtte, weil dort einfach zu wenige drin waren. Und dann war es da: Das Ende….

Ich habe mir abgewöhnt, eine Abschiedsrunde zu drehen, das zieht mich gefĂŒhlt noch mehr runter. Um die Vetkennels habe ich einen Bogen heute Abend gemacht, spĂ€testens bei Boxi wĂ€ren mir die TrĂ€nen gekommen…Irgendwie feige, aber man muss auf sich selbst aufpassen, sonst gibt man irgendwann auf. Unsere KrĂ€fte sind ziemlich verbraucht, die KĂ€lte schlaucht und die tĂ€glichen 10 Stunden Powereinsatz fordern gerade ihren Tribut.

Mir ist nicht nach Silvester Party. Die letzten Jahre war ich zuvor immer in Bucov. Danach kommt man nicht nach Hause und schmeißt ’ne Party oder besucht eine. An Silvester war ich jedes Jahr immer bei meinen Hunden. Wenn man aus Bucov kommt, sitzt man in der Nacht eh völlig deprimiert in der Ecke und hofft, dass die Kollegen aus RumĂ€nien nicht am 1.1 diverse tote Hunde melden. Ich weiß nicht, nach was mir ist, wenn ich Zuhause bin. Vermutlich nach gar nichts. Leer ist es im Kopf. Und gleichzeitig voll. Ich hoffe, ich blicke noch durch all meine Aufzeichnungen, kann Bilder und Videos richtig sortieren. Dieses Jahr habe ich mich entschieden, mein kleines SOS Notfall Album zu machen, wo ich die Hunde reinstellen werde, die mir besonders aufgefallen sind, weil sie vor Ort einfach aufgeschmissen sind….step by step werde ich sie durchgehen und nach und nach werden sie sichtbar in der Galerie werden….. Vielleicht können wir so fĂŒr viele eine gute Lösung finden…

Danke fĂŒr eure Begleitung, euren Zuspruch, eure Empathie…Danke an das Galerie Team fĂŒr die viele Hilfe. Danke an Florian, der wieder mit am Start war, in jede HĂŒtte krabbelt und zu jedem noch so lauten Rumpelkopp in den Kennel geht. Danke an meine Vorstandskollegen, die mir den RĂŒcken freihalten bei so einer Reise. Danke an Nina, die so viele Emails fĂŒr mich gelesen und beantwortet hat. Danke an meine Mama, die meine beiden Hunde wieder so lieb betreut hat. Danke, dass ich so eine Reise machen darf…

Bis bald ihr alle!

Anna

 

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