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„Diese RumĂ€nen!“…

„Kein Wunder, dass der Hund Angst hat, er wurde sicherlich geschlagen…“
„Was mag diesem Hund nur Schreckliches widerfahren sein….“
„Die Arbeiter schlagen doch sicher den ein oder anderen Hund mit der Schippe tot…“
„Wie kann man die Hunde nur so im Stich lassen…“

Ja…das sind alles SĂ€tze, die wir mehrfach die Woche verschieden kombiniert lesen, hören und wahrnehmen….
Der rumĂ€nische Tierschutz ist sicherlich nochmal ein anderes Pflaster als es in anderen LĂ€ndern der Fall ist, das habe ich zumindest in den letzten 10 Jahren fĂŒr mich wahrgenommen.
Jedoch wird auch hier teilweise eine Dramatik und eine Schulzuweisung vorgenommen, die einen staunen lĂ€sst. Der Mensch neigt dazu, immer „den Schuldigen“ auszumachen…Einer muss es doch sein. Auf einem muss man doch wĂŒtend und sauer sein. Einer muss das doch gemacht haben…
So auch hier.
Wenn wir sehr unsicherer Hunde vorstellen und man auch in Videos sieht, wie sehr den Hund die körperliche NĂ€he eines Menschen belastet, dann wird sofort vermutet, dass diesem Tier ganz schlimmes passiert sein muss. Jahrelange Kettenhaltung mit tĂ€glicher PrĂŒgeleinheit. Welpen, die sehr unsicher sind und direkt mal losschreien, wenn man sie auf den Arm nimmt, werden bemitleidet und man vermutet, dass sie „gequĂ€lt“ wurden. Dabei ist es in den meisten FĂ€llen so, dass diese sehr unsicheren Hunde einfach nichts erlebt haben. Nichts Gutes, nichts Schlechtes. Nichts eben. Keine Sozialkontakte zum Menschen. Wir sind fĂŒr sie ein Fragezeichen, nicht lesbar, nicht einschĂ€tzbar. Und jeder Straßenhund, der ein bisschen was gelernt hat, weiß, dass man Unbekanntes erst mal meidet. Aus Sicherheit. Das ist meist die ErklĂ€rung und die Wahrheit dahinter. Aber es wird meist ein Monster darauf aufgebaut. Verkauft sich besser. Schafft mehr Drama. Mehr Aufmerksamkeit. Der rumĂ€nische Sheltermitarbeiter, der mit der Schippe die Hunde bedroht…passt doch besser in das gesamte Szenario…
Straßenhunde, die vertrieben und getreten werden. Welpen, die von kleinen Kindern maltrĂ€tiert und gepiesackt werden.
Das sind Bilder, die viele Menschen im Kopf haben…Menschen, die noch nie vor Ort waren. Menschen, die die Leute nicht kennen, ĂŒber die sie urteilen. Die nicht wissen, dass die Straßenhunde oftmals ein fest integrierter Bestandteil der Menschen vor Ort sind.
In den privat gefĂŒhrten Sheltern, die wir betreuen, arbeiten natĂŒrlich auch nur Leute, die mit Hunden gut auskommen und sie gerne ihre Arbeit verrichten. Aber auch in Bucov, im stĂ€dtischen Hundelager, quĂ€lt keiner einen Hund…Die Vetkennels werden tagtĂ€glich ausgespritzt. Das macht Marian sehr sorgsam und achtet immer darauf, dass er keinen Hund nass macht. Kein Arbeiter zerrt dort einen Hund quer mit der Fangschlinge ĂŒbers GelĂ€nde. Alle nutzen die Transportwagen.
Alle versuchen miteinander dort auszukommen. Und das Einfangen von panischen oder aggressiven Hunden zur Kastration geht nun mal leider nicht mit Leckerchen und 8 Stunden Zeitaufwand. Da muss man dann schnell und zĂŒgig zur Sache kommen und muss eben mit einer Fangschlinge arbeiten, alleine aus Selbstschutz.

Bei all dem darf man aber auch nicht vergessen, dass die gesamten Arbeiter vor Ort sehr wenig Geld verdienen. Viele von ihnen haben Kinder und kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die meisten sind sehr dĂŒnn, haben teilweise gesundheitliche Handicaps, die unbehandelt sind, weil das Gesundheitssystem in RumĂ€nien eines der schlechtesten Europas ist. Sie wohnen in einfachsten kleinen Wohnungen und schauen in eine perspektivlose Zukunft…ihnen fehlt natĂŒrlich die Begeisterung fĂŒr die Sache wie wir sie empfinden.

Unsere ersten Kontakte dort waren schwierig mit den Mitarbeitern. Man ging auf Abstand, hielt sich von uns fern, beobachtete genau, was wir taten. Nach all den Jahren kennt und respektiert man sich. Brauchen wir Hilfe, bekommen wir sie. Man begrĂŒĂŸt sich morgens mit einem „Salut!“ und kennt teilweise die Namen. Hinter jedem dieser Menschen steckt eine Geschichte, die es durchaus in sich hat…

Daher ist es absolut vermessen, hier vom sicheren PlĂ€tzchen aus ĂŒber die so unfassbar brutalen RumĂ€nen zusprechen. Teilweise lesen wir in Kommentaren mieseste Beschimpfungen und Äußerungen, die einen echt schlucken lassen.
NatĂŒrlich gibt es in diesem Land Arschlöcher. Aber natĂŒrlich gibt es auch hier bergeweise Arschgeigen, die respektlos mit Tier, Mensch und Natur umgehen. Vielleicht direkt vor deiner HaustĂŒr. Es gibt sie ĂŒberall… Leider viel zu viele gesamtglobal betrachtet.

Was ich eigentlich sagen will: Ich kann nicht fĂŒr Tiere mein letztes Hemd geben, und den Mensch verachten. Ich kann nicht Tierschutz betreiben, und die Menschen, die unmittelbar mit im Boot sitzen, ignorieren oder beschuldigen. Ich kann nicht sinnstiftend agieren, indem ich den Protagonisten ausblende, der der SchlĂŒssel zur Lösung ist. Wir können noch hunderte Hunde aus RumĂ€nien vermitteln, wir werden aber dadurch nichts an der Gesamtproblematik Ă€ndern, was aber das grundlegende Ziel sein muss. Alles andere ist Augenwischerei und viel zu eindimensional gedacht. Respekt, egal vor wem, ist etwas, was gelebt und gelernt werden muss. Jeden Tag. Und wenn ich selber respektlos durch die Welt renne und nur den Fokus auf eine Sache lege, die mir persönlich wichtig scheint, werde ich in Summe viel weniger erreichen, als eigentlich möglich wĂ€re.
Leider ist mir in den letzten 10 Jahren gedĂ€mmert, dass ich noch nie so vielen respektlosen, launischen, streitsĂŒchtigen und egozentrischen Menschen begegnet bin, wie im Tierschutz…
Aber ich habe auch noch nie so viele besondere Menschen getroffen, die fĂŒr diese eine Sache so sehr brennen und so mutig und tapfer jeden Tag bestreiten, gewĂ€rmt von einem stĂ€ndigen Optimismus, der wie ein unauslöschbares Feuer in ihnen brennt.

Und nur, wenn wir zusammen weitermachen, respektvoll und optimistisch auf unsere Ziele blicken, ist es zu schaffen…Ansonsten sind wir frĂŒher oder spĂ€ter verloren. Alle.
Janosch hat es wieder mal so treffend formulieren können…
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„Warum gehst du denn so krumm, Tiger?“, fragt der kleine BĂ€r. „Weil ich so unglĂŒcklich bin“, sagte der kleine Tiger. „Weil wir keinen Schatz gefunden haben.“

„Dann steig auf“, sagte der kleine BĂ€r, „ich trag dich ein StĂŒckel.“
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ProDogRomania e.V.

 

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