Gestern musste der Tagesbericht ausfallen.

Wir wollten noch etwas schreiben – aber irgendwie ging es weder körperlich noch seelisch. Es war ein schlimmer Tag, der mit einem toten Hund begann, mit einem toten Hund endete und dazwischen passierte soviel Unschönes, dass wir einfach nicht mehr konnten.

Heute können wir zwar auch nicht mehr 🙂 aber wir möchten Euch unbedingt noch informieren.

Zu gestern:

Am 1 und 2 Tag herrschte eine unglaubliche Hitze.. es war 30Grad plus. An Tag 3 das krasse Gegenteil…. die rumänischen Strassen überflutet. Es goss in Strömen. In sehr figurfreundlicher (🙂) Regenkleidung ging es früh ins Shelter.

Der Tag begann mit einem toten kleinen Welpen, den wir in einem Kennel fanden. Er ist der Bruder von dem bereits beerdigten Welpen gewesen. Wir haben ihn neben seinem Bruder gebettet… so können sie irgendwie zusammen bleiben.

Der letzte Mini lebt … noch. Aber er ist ein toller Kämpfer und wenn es einer schaffen kann – dann er. Er klammert sich so sehr an sein kleines Leben, es ist unfassbar. Jeden Tag rechnen wir damit, ihn tot zu finden und immer wieder zeigt er uns: NICHT MIT MIR!!! Wir lieben ihn… er ist unser Kämpfer des Jahres, das fleischgewordene Bucov, in dem es (wie Florian immer sagt) keine Gerechtigkeit gibt. Da sterben kräftige Welpen über Nacht und dieses kleine Wesen kämpft sich durch die Zeit. Als wir ihn das erste Mal sahen, zitterte er und konnte kaum laufen, heute nun hampelt er durch den Kennel und versucht, sich gegen alle durchzusetzen. Er ist so toll!!!

Seine Mama ist ziemlich ausgehungert. Wir bringen ihr alle paar Stunden etwas gutes zu Essen, damit sie durchhält. Sie ist in einem Kennel, in dem es viele Welpen gibt… von 3 Mamas. Diese Mama ist aber die besonders Gewissenhafte. Sie freut sich jedes Mal wenn sie uns sieht so sehr. Sind ihre Augen noch verzweifelt wenn wir sie von weitem sehen entspannt sie sich kaum dass sie ihr Bäuchlein voll hat. Sie ist aus Campina gerettet worden… dort wäre sie längst tot … und alle ihre Kinder mit ihr.

Sobald sie satt ist, lässt sie sich sanft nieder und ihr Babys beginnen sofort zu trinken. Es ist eine so warme, wunderbare und Leben feiernde Situation, dass uns mitunter die Tränen kommen. Inmitten all des Leids, der Entbehrungen und der Trostlosigkeit liegen wir mit der Mama und den Babys auf dem Boden und hoffen, dass jeder genug zu trinken bekommt, um wenigstens den nächsten Tag zu überstehen.

Seit Tag 2 ist der Kennel 1/7 sauber. GottseiDank, denn bei dem Regen wäre das hoffnungslos gewesen. So ist es zwar matschig, aber es ist „nur“ Dreck und nicht…. nun ja.

Um es Opa Kami, der unterdessen eine Pflegestelle gefunden hat und seinen Freunden etwas gemütlich und schön zu gestalten, haben wir den Kennel „eingerichtet“. Es gibt nun Wannen und Muscheln (wir haben nur solche genommen, die kleine Löcher haben und daher für Wassereinfüllung ungeeignet sind) die allesamt weiche Decken und Handtücher bekommen haben – die Rentergang hat es sich bequem gemacht. Sie genießen es sichtlich.

Zwischendurch müssen wir immer wieder die Babys, die überall verteilt sind sauber machen. Da Wochenende ist und die Arbeiter natürlich nur das Notwendigste machen, bleibt dafür keine Zeit. Darum machen wir es. Ebenso wie die VetContainer.

Im Abstand von ein paar Stunden wir jeder sauber gemacht, es gibt frische Decken und Unterlagen und sauberes Wasser und Futter. Das ist eine wirklich unschöne Arbeit aber zu sehen wie die Hunde aufblühen, wenn sie es schön haben ist Antrieb genug.

Im Laufe des Tages suchen wir immer wieder Hunde für die es Anfragen gibt, machen Fotos oder Videos und stellen fest, dass doch sehr oft Hunde umgesetzt werden. Ich erkenne einige Hunde wieder, die ich noch beim letzten Besuch ganz woanders getroffen habe. Das Gute im nicht Optimalen? Nicht jedes „vermisst“ bedeutet gleichzeitig „tot“. Oft genug tauchen die Hunde irgendwo anders wieder auf.

Die Stunden vergehen hier in Bucov immer wie im Fluge

Mittags machen wir auf einem Holzstapel eine kurze Pause in der wir Sandwiches essen. Unsere Begleitgang steht um uns herum – wie immer – und schaut neugierig. Ok… wir essen am Ende das labberige Brot – sie den Belag.

Plötzlich schreckt uns ein klägliches Gejaule auf. Wir rennen in Richtung VetKennels. Dort hat ein Hund seinen Kopf so heftig durch das Gitter geschoben, dass er feststeckt. Und nun nicht mehr zurück kommt. Uns bleibt fast das Herz stehen!! Wir sind ganz alleine – alle sind im Wochenende. Und wir haben keine Ahnung, was wir machen können. Eins ist aber klar: morgen ist der Hund tot, wenn er dort hängen bleibt. Mein erster Gedanke ist der, den ich immer habe wenn etwas völlig schief geht: Gudrun anrufen. Aber was soll sie tun? Also… kurz nachdenken…

Wir entscheiden es zu versuchen. Einer nimmt das Nackenfell und zieht es straff nach hinten. Der andere packt den Kopf an der Schnauze, der Hund versucht in Panik um sich zu beissen… kurz: irgendwie gelingt es und plötzlich ist er befreit.

Der Schreck sitzt uns in den Gliedern und wir bringen ein sehr (!!) provisorisches Gitter mit Maschendrahtzaun an, damit das nicht wieder passiert.

Am Montag werden wir das Gespräch mit Direktor Sandu haben und ein wesentlicher Punkt dabei wird die Modernisierung der VetKennels sein. Das ist auch bitter nötig.

Die letzten Erledigungen des Tages sind die Fütterung der Mamas, noch einmal Säuberung des VetContainers und der Babys…. und…..

…. ein weiterer toter Hund. Er ist einfach weggestorben neben seinen beiden Geschwistern. Wir können sie nicht so in die Nacht gehen lassen, also nehmen wir den toten Hund heraus, wickeln ihn ein, legen ihn in eine Wanne und geben ihm eine Blume mit auf den Weg. Wir säubern alles und machen es den Verbliebenen schön und alles neu.

Eingefleischte Bucovianer werden das für sentimental und Zeitverschwendung halten aber wir können gerade nicht anders. Zuviele kranke und sterbende Hunde haben wir gesehen… wir brauchen das für uns. So einfach.

Viele Welpen wurden abgegeben, ausgesetzt und gefunden… wenn uns heute eins klar wird dann das: Kastrationen sind der einzige Weg dieses Leid, das Elend der Hunde irgendwann eindämmen zu können. Vielleicht werden wir das nicht mehr erleben, vielleicht wird es noch 2 weitere Generationen dauern… aber wir müssen dranbleiben, dürfen nicht nachlassen und alle vorhandenen Mittel in diese Arbeit stecken. Es ist mindestens genauso wichtig wie Futter…