Ein anderer Orbit…

Wir sind wieder eine Woche vor Ort in dem privat geführten Tierheim in Baile Herculane, mitten in den Karpaten und nehmen euch gerne mit auf unsere Reise. Jeden Abend gibt es einen kleinen Tagesbericht, der zusammenfasst, was wir so erlebt haben.  

Gestern Abend informierte mich Mishu, dass er eine Anfrage erhalten hatte von einer Familie aus Mehadia, die mehrere Hunde ins Tierheim geben wollte. Es sollte sich dabei um Welpen und zwei Kettenhunde handeln. Sie könnten sich nicht mehr um die Hunde kümmern. Wir fuhren also heute morgen mit Andrei, Mishus Sohn nach Mehadia, und waren ein wenig gespannt, was uns dort erwarten würde. Wir konnten mit dem Auto nicht ans Grundstück fahren, es ging steil bergauf, wir mussten einiges zu Fuß zurücklegen. Die Boxen nahmen wir mit. 

Angekommen wurden wir erst mal hinter das Haus geführt, dort sass eine Kettenhündin, die aber dort bleiben sollte. 

Wir wurden zu einem Holzverschlag geführt, der völlig dunkel war und mit Stroh gefüllt war. Dort wurden drei Welpen herausgeholt, die völlig versteinert waren, zwei braune und ein weißer. 

Weiter ging es zu einem kleinen separaten Grundstück, was völlig abgezäunt und mit Holz abgeschottet war. Dort stand eine Badewanne, an der mit einer massiven Kette ein kleines Kerlchen fixiert war. 🙁 Er wurde als erstes befreit und war sehr freundlich, als wir ihn in die Box setzten. 

Der kleine Kerl begrüßte uns sehr neugierig.
Hinter der Badewanne hat er bei Sturm und Regen wohl Unterschlupf gefunden.

Das zweite Hundchen – Hund kann man nicht sagen – war eine ältere Hündin, maximal 4kg mit einem 2kg Lederhalsband und einer 2 kg Kette…:( Ich habe ja schon wirklich viel gesehen, aber das war dann doch wieder etwas, was man nicht mehr logisch erklären konnte. 

Die kleine Hündin wird von ihrer Kette befreit.
Hier wurde ausgeharrt. Von „leben“ kann nicht die Rede sein.
Alle man an Bord, es geht Richtung Tierheim.

Die Leute, die die Hunde so untergebracht hatten, waren sehr freundlich zu uns und verabschiedeten sich auch von jedem Tier einzeln. Sie haben sie gefüttert und konnten zu jedem einige Sachen sagen, die Welpen sollen wohl angeblich schon eine erste Impfung erhalten haben. Man kann also nicht sagen, dass ihnen die Hunde total egal wären. Laut ihrer Aussage waren die beiden Hunde an die Kette gelegt worden, weil sie keine Welpen haben wollten und die Hündin würde, wenn sie läufig sei, ja dann streunern gehen. Als wir ihnen erklärten, dass eine Kastration doch die Lösung sein könnte, um in Zukunft keine weitere Hunde an die Kette zu legen, blockten sie schnell ab. Auch hier waren wieder einige Vorurteile im Spiel. Mishus Sohn erklärte ihnen ganz klar, dass die Hündin, die noch im Garten an der Kette lebte, kostenlos abgeholt und kastriert werden könnte. Mishu wird dort morgen auch nochmal anrufen und erneut dieses Angebot machen…
Die Leute selbst machten einen sehr einfachen und armen Eindruck, ihr Haus war mehr oder weniger auch nur ein Hüttchen, es gab ja noch nicht mal einen offiziellen Zugang zum Gelände, man kraxelte ein ganzes Stück am Hügel entlang. Die Frau war noch relativ jung, sah aber körperlich wirklich schon müde und abgezerrt aus. Es war klar: Die Familie hatte mit sich selbst schon einige Probleme und sicherlich kein einfaches Leben, als dass sie in der Lage wären, sich noch groß Gedanken über die Kastration ihrer Hunde zu machen. Einen kleinen Welpen, der noch die Augen verschlossen , gaben sie uns auch noch mit, sie hatten ihn wohl am Fluss gefunden. Supermommy, die aktuell im Badezimmer untergebracht ist, hat ja 6 eigene Welpen in genau dem selben Alter, so dass wir es unbedingt versuchen wollten…

Ich merkte wieder: Es ist nicht nur ein anderes Land, manchmal ist es gefühlt auch ein anderer Orbit. Wir haben eine völlig andere Einstellung und Vorstellung im Bezug auf Haustiere. Wir haben eine völlig andere Vorstellung davon, wie man eigentlich lebt und wohnt, was für Sicherheiten gegeben sind und was für Sorgen einem den Tag über begegnen. Als wir den Hang wieder runterkletterten und ans Auto gingen, kamen drei weitere Frauen auf uns zu, die sich über einen Schäferhund beschwerten, der wohl im Ort herumlief und die Kinder erschrecken würde. Sie sprachen deutsch und erklärten uns, dass sie keine Angst vor den Hunden hätten und die kleinen Hunde auch gerne bei ihnen sein könnten, aber der große Hund müsse weg. 

Der „große Hund“…begegnete uns am Ende des Tages nochmal…Heute war viel los. 🙂

Wir fuhren ins Tierheim, brachten die Welpen in die Quarantäne, weil sie alle drei nicht gut aussahen.  Sie sind sehr verwurmt und man merkte, dass sie bisher wenig Bewegung hatten. Sie konnten kaum laufen, fielen immer wieder um. Auch das Licht schienen sie nicht gewohnt zu sein. Heute Abend ging es aber schon deutlich besser, sie konnten zu den Näpfen laufen. Morgen werden sie Tierärztin Andreea vorgestellt. 

Die beiden ehemaligen Kettenhunde haben wir in Mels Nest 2 in einem Zwinger untergebracht. Sie sind dort erst mal zu zweit, haben sich sehr gefreut, endlich wieder direkten Hundekontakt zu haben. An der Kette konnten sie sich nicht begegnen. Die Hündin, wir haben sie SALA genannt, war anfangs sehr besorgt, zitterte und verkroch sich. Aber heute Abend war sie schon aufgetaut. Fraß aus der Hand und wir konnten sie auf den Arm nehmen.

http://prodogromania.de/bilder/index.php/Baile-Herculane/H-ndinnen/H-ndinnen-ab-1-Jahr/SALA

Der kleine Rüde ist ebenfalls herzallerliebst. Er war so froh, dass er endlich frei umher laufen konnte! Wir haben ihn TWIX genannt. Ein richtig tolles Kerlchen. 

http://prodogromania.de/bilder/index.php/Baile-Herculane/R-den/R-den-ab-1-Jahr/TWIX 

Hallo, da bist du ja! TWIX freut sich, dass SALA nachkommt…
Ganz zufrieden im neuen Leben…

Nach dem auch der kleine Welpenwurm bei der Badezimmer Mommy gut untergebracht war und sie ihn akzeptierte, machten wir mit dem Hundeerfassen weiter. Ein Kennel mit neuen reisefertigen Welpen wartete noch auf uns. Leider schüttete es heute teilweise aus allen Kübeln und  es war ein wenig mühselig, denn die Hunde saßen dann doch viel lieber in den Hütten als vor der Kamera…

Später am Abend kam dann doch ein altes Gesicht in Baile an…Der Schäferhund, der uns in der Ortschaft als problematisch vorgestellt wurde, konnten von Andrei in Mehadia abgeholt werden. Ein wunderschöner und freundlicher Rüde, der auch in der ausgewählten Hundegruppe absolut freundlich und nett auftrat. Wir haben ihn JORGE getauft. 

http://prodogromania.de/bilder/index.php/Baile-Herculane/R-den/R-den-ab-1-Jahr/JORGE

 

Nachdem alle Hunde im strömenden Regen versorgt waren, verabschiedeten wir uns. Es war ein langer, nasskalter und anstrengender Tag, der uns wiedermal gezeigt hat, dass wir doch in einem Land aktiv sind, was teilweise leider noch sehr zurück ist und viele Menschen wirklich ein schwieriges Leben führen, gerade hier in den sehr ländlichen Bereichen. Es gibt wenig Jobs, die Armut und Perspektivlosigkeit ist groß… Wir können hier Hilfe und Aufklärung anbieten, kostenlose Kastrationen und Impfaktionen. Doch an der sozialen Situation der Menschen können wir von unserer Seite her nicht viel ändern. Daher wird es immer wieder solche Szenen geben, die man selber, wenn man aus einem solch reichen Land wie Deutschland kommt, nicht direkt verstehen und durchblicken kann. Ein anderer Orbit…