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Die Geschichte von James – Teil 1

Hallo,
ich bin der James und ich bin ganz neu im Tierheim in Ploiesti.
Ich weiß noch gar nicht, wo mir der Kopf steht. Hier ist es so laut und voll und gestern hat es nur geregnet. 
Die anderen Hunde sind ganz nett zu mir, aber ein großer Rüde hat es immer wieder auf mich abgesehen. Ich hoffe, dass er bald merkt, dass ich ihm sein Futter nicht streitig machen werde.
Oft wurde ich gefragt: Na, was hast du so vorher gemacht?
Ich will sie euch nun erzählen, meine Geschichte.

Einst hatte ich eine Familie, da bin ich als kleiner Welpe hingezogen. Aber wie das nun einmal so ist: Ich wuchs und wuchs und wurde ein wenig größer als erwartet. Ich durfte nicht mehr im Haus sein, musste im Garten leben. Aber das war mir viel zu langweilig, also grub ich mir ein Loch durch den Zaun und ging immer ein bisschen weiter spazieren. Ich habe gemerkt, dass meine Menschen mich gar nicht vermissen. Niemand hat abends geschaut, ob ich da bin. Niemand hat nach mir gerufen. Niemand hat mich gebraucht.
Futter habe ich mir eh immer bei den Nachbarn geholt.
Eines Tages war ich auch wieder spazieren, da hörte ich eine Straße weiter Gebelle und Gejaule. Ich wollte schauen, was dort los war – aber zu spät. Ich wurde auf einmal am Hals gepackt, eine Schlinge zog sich zu. Ich japste nach Luft, zappelte und versuchte mich zu wehren. Ich wusste gar nicht, was passiert ist, konnte mich nicht umschauen. Ehe ich mich versah, wurde ich in ein Auto geworfen. Mein Körper prallte gegen die harte Wand des Fahrzeugs, doch irgendetwas pufferte mich weich ab. Es war eine große Hündin, eine Bekannte von mir. Sie habe ich immer am Martkplatz getroffen. Eine nette Dame. Ich wusste nicht, was mit ihr geschehen war, sie war ganz weich, konnte den Kopf nicht her heben. Ich roch ihre Angst und die Panik, die in ihr war.
Auf einmal ging die Tür wieder auf, noch zwei Hunde wurden zu uns geworfen. Ein kleiner Rüde schrie wie am Spieß, der andere Hund ergab sich einfach seinem Schicksal. Der Motor sprang an und wir fuhren los. In diesem Moment habe ich mich einfach platt auf den kalten, harten Boden gelegt und habe die Augen zu gemacht. Ich hatte nichts mehr in meinem Kopf, ich war leer, ich hatte alles aufgegeben. Mein Leben wird vorbei sein, wie kann nach so etwas Schrecklichem noch etwas Gutes passieren? Wir rutschten auf der dunklen Ladefläche hin und her, wir sassen zusammen in unserer Angst und sie umhüllte uns alle wie ein schwarzes Tuch. Ich hatte aufgehört zu hecheln. Wofür denn noch? Der Hauch des Lebens? Mein Leben war vorbei.

Nach einer unendlichen langen Zeit hielt das Auto wieder, wir hörten Stimmen. Meine große Freundin vom Marktplatz versuchte aufzustehen, aber sie schien nicht ganz bei Sinnen zu sein, denn sie rutschte immer wieder zusammen und konnte ihre Beine nicht wirklich bewegen. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich hatte schon öfters gesehen, dass die Hunde, die immer Abstand zu den Menschen hielten, mit spitzen Pfeilen angeschossen wurden und sie nach wenigen Minuten leblos zusammen sanken. Sowas muss auch ihr passiert sein.
Mir wurde schlecht, ich fing wieder an zu hecheln, weil mir so heiß war. Die Luft war stickig, abgestanden und mit jedem Atemzug zog ich die Panik noch tiefer in mich ein.
Plötzlich ein Lichtstrahl. Die Tür wurde aufgemacht und Hände griffen mich am Nacken. Ich wehrte mich nicht mehr. Ich war gelähmt. Vor Angst. Ich wurde viele Meter so getragen, das Gras bewegte sich unter meinen Füßen vorbei. Ich hörte Gebell, es schien sehr stressig zu sein. Gitter erschienen vor meinen Augen. Eine Tür ging auf, ich wurde fallen gelassen. Ich prallte hart auf Beton und schon merkte ich, dass ich eine andere Hundenase im Nacken hatte. Ich sprang hoch, drehte mich um und blickte in zwei warme braune Augen. „Na Kollege, haben sie dich auch erwischt?“

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James im Tierheim
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