Tag 5 in Bucov

Der Tag begann mit der üblichen Taxifahrt zum Shelter. Der rumänischer Taxifahrer berichtete über die Situation im Land. Ein kurzer Bericht, der in den Satz mündete „Manche Rumänen sind so arm, sie müssen ihre Großeltern verkaufen, um über die Runden zu kommen…aber die will ja keiner“. Aha und Danke für die Information 🙂

Erschreckend fanden wir allerdings, dass das durchschnittliche Einkommen bei 250 bis 350 Euro netto liegt – und das bei nahezu vergleichbaren Lebenshaltungskosten, wie im westlichen Europa.

Uns zeigt dies die Situation hier im Land, wie wichtig es ist, dass wir Kastrationen für die Besitzerhunde anbieten…

Angekommen im Shelter wurden wir freudig begrüßt – von unserer Begleitgang Nr. 1 (Carlos mit seinen Jungs und Mädels). Inzwischen haben alle von uns Namen bekommen und wir freuen uns jedes Mal, sie zu sehen. Wir lieben sie sehr, diese tolle Truppe.

Wir schauen als erstes in den Vet-Container und nach den Seelen, die gestern noch alle ein frisches und sauberes Bett von uns bekommen haben. Haben alle die Nacht überstanden? Haben sie leider nicht – 2 kleinen Welpen hatten sich gestern Abend wohlig eingekuschelt und sind nicht wieder aufgewacht. Wir sind traurig und gleichzeitig dankbar, dass wir Ihnen gestern noch ein so gutes Gefühl schenken und mit auf den Weg geben konnten.

Die Bettchen der anderen Hunde sehen aus, wie sie halt nach einer Nacht so aussehen… So machen wir uns dran, das Notwendige zusammenzusuchen, um es ihnen wieder so schön wie möglich zu machen. So schlecht es Ihnen auch gehen mag ein ganz ganz kleines Schwänzchenwackeln kriegt fast jeder hin. Es ist so berührend ❤

Danach geht es schnell zur Mama und ihren Babys. Unser kleiner Kämpfer… er lebt immer noch. Und wir haben eine tolle Nachricht für ihn mitgebracht: Er darf auf eine Stelle in der er gepäppelt wird, alle drei Stunden ein Fläschchen bekommt und so wenigstens eine realistische Chnace hat, zu überleben.

Morgen sind wir nicht mehr da und niemand hat die Zeit sich um ein einzelnes winziges Wesen zu kümmern. Ohne unsere Hilfe wäre er verloren. Wir sind so sehr glücklich, dass er nun vielleicht doch überleben wird. Seine Mama hat immer noch genug zu tun mit ihren 8 Kindern… sie lässt sich sanft auf die Seite legen sobald sie selber gegessen hat und satt ist. Dann hat sie die nötige Ruhe, sich ihren Babys zu widmen.

Immer noch haben wir eine lange Liste von Hunden, die wir suchen sollen, Updates geben, Verhalten einschätzen, neue Fotos schicken. Nicht alle finden wir… die Hunde werden oft umgesetzt und dann sind sie erstmal „verschwunden“.

An der Stelle auch Entschuldigung, dass nicht alle PNs und Mails beantwortet werden konnten. Die Zeit ist so knapp und irgendwann steht man vor der Entscheidung: schreiben oder die Hunde . Dann muss das Schreiben warten……

Zwischendurch ist immer wieder Zeit, dass wir uns um unsere Sorgenkinder kümmern können (wie z.B. Opi Kami, den kleinen Charles und alle anderen).

Ganz zufällig bekommen wir mit, dass Irina Hunde die frei auf dem Gelände herumlaufen einfangen will. Wir erkundigen uns nach dem Grund. Sie berichtet, dass morgen eine Aktion starten soll bei der alle Hunde mit Betäubungspfeilen narkotisiert werden sollen, damit man sie einfangen und in Kennels setzen kann.

Wir sind geschockt!!!! Das kann für einige Hunde den Tod bedeuten!!

Da wir heute ohnehin unser Gespräch mit Direktor Sandu haben werden, setzen wir dieses Thema gleich mit auf die Tagesordnung….

Als wir mittags eine Pause machen wollen holt uns Mihaela zu unserem Gespräch mit Direktor Sandu ab. Er empfängt uns im Zoo dessen Direktor er ebenfalls ist.

Das Hauptthema des Gesprächs sind die VetKennels.

Durch unsere Aufenthalte der letzten Tage in den VetKennels sind wir umso entschlossener, hier eine Veränderung herbeizuführen.

Wir stellen ihm unsere Ideen vor: einen Rückbau des Gebäudeinnere in Aussen- und Innenbereich, eine Vergrößerung der Kennels und zahlenmäßige Begrenzung der Besetzung und… auch ganz wichtig… gerade dieses Gebäude braucht Licht und eine leichte Reinigungsmöglichkeit.

Auch wollen wir das Gebäude erweitern oder ein weiteres errichten. Die Anzahl der kranken Hunde macht das einfach notwendig.

Und sie sollen in der Zeit ihrer Gesundung eine gute Umgebung haben und nicht dem blanken Horror ausgesetzt sein.

Dir. Sandu ist ein Mann mit offenem Herzen und gutem Willen. Wir diskutieren die verschiedenen Optionen … hier müssen wir noch endgültige Entscheidungen treffen ABER………..

ER IST EINVERSTANDEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Eine Erweiterung dieser „Station“ um Seniorenkennels wird nur noch eine Formsache sein. Aber eins nach dem anderen.

Dieser Umbau wird ein Mammutprojekt werden und sich nicht mal eben umsetzen lassen. Wir machen das alles neben unseren Berufen und alles braucht seine Zeit. Am Ende soll es nicht nur „irgendwie“ werden sondern das Beste für die Hunde bedeuten.

Das zweite Thema – die „Einfangaktion“ – brennt uns schon unter den Nägeln. Dir Sandu erklärt, dass die Arbeiter Angst vor den zum Teil wirklich großen Hunden haben. Das verstehen wir natürlich auch wenn die Hunde allesamt freundlich und keine Gefahr sind. Aber wir bitten und betteln und schlagen mehrere alternative Möglichkeiten vor, mit der Situation umzugehen, so dass die Bedürfnisse der Hunde und der Arbeiter gleichermaßen berücksichtigt werden können.

Das Ergebnis:

Er verspricht uns in die Hand, die Aktion sofort abzublasen.

Fast kommen uns die Tränen vor lauter Erleichterung, aber wir haben noch ein drittes Anliegen:

Am Wochenende sind die Arbeiter alle früh im Feierabend und die Wasserversorgung ist nicht immer und in allen Kenneln optimal. Wir diskutieren auch hier alle Möglichkeiten, dies in den Griff zu bekommen. Dir. Sandu holt sogar einen seiner Mitarbeiter dazu und verspricht uns eine Lösung zu finden.

Er ist einfach großartig und großherzig und wir können uns nur glücklich schätzen, dass er der Direktor in Bucv ist. Danke aus Deutschland und von allen PDR´lern!!! ❤

Zurück im Shelter machen wir unsere Mama-Babys-VetContainer-Problemfall-Runde und dann naht der Abschied.

Immer wieder fühlt es sich wie Verrat an, die Hunde nach Tagen des Zusammenseins alleine zu lassen.

Carlos der uns die ganze Zeit begleitet hat geht mit zum Tor. Er weiß genau, dass wir uns nun trennen werden.

Wir stehen vor dem Tor – er steht hinter dem Tor.

Versprechen, dass wir uns wiedersehen können wir nicht – und wollen wir nicht.

Wenn wir uns eines wünschen dann das: dass er und alle anderen Hunde die wir kennen gelernt haben, schnell ein Zuhause finden werden.

Dieser Abschied ist wie alle anderen vorher – nur ein Teil geht. Ein großer Teil bleibt zurück.

Bei unseren Hunden.