❤ ❤ Da geht uns das Herz auf! 🙂

Liebe Anna,

anliegend, wie von Cindy bereits angekündigt, ein kurzer Text über Tilda für die Internetseite. Dazu ein paar Bilder aus ihrem neuen Leben (ein Bild entstand kurz vor ihrer Abreise aus Bucov).

Liebe Grüße von der Nordsee! Gaelike (mit Timmy und Tilda)

Eine Hundeschwester für meinen ängstlichen Rumänen Timmy sollte es sein. Eine, die eine Chance auf ein neues Leben auf Grund von Krankheit oder anderer Umstände dringender brauchte als andere. Die Vetkennels. Oder die Oldies. Oder eben wenn man Cindy fragte: TILDA (damals noch Celine). Diese kleine defensive, sehr scheue, aber taffe Hundedame, die sie bei einem ihrer Arbeitseinsätze in Bucov kennengelernt hatte. Ein seelischer Notfall.

Selbstreflexion: Kann ich einem solchen Hund die ‚Behandlung‘ zu Teil werden lassen, die er braucht? Bin ich geduldig, langatmig und frustrationstolerant genug, um die schwierige Anfangszeit zu meistern und Tilda einen guten Start in ihr neues Leben zu ermöglichen? Denn durch meine Erfahrungen mit Timmy wusste ich, dass so manche Ängste lange (=Jahre) brauchen um sich zu verflüchtigen, ja vielleicht sogar in verschiedenen Formen ein Leben lang irgendwo in den Tiefen der kleinen Hundeseele lauern und somit tägliche Baustelle sind. Und Tilda? Würden wir das gemeinsam meistern?

Einen Angsthund ins Leben zu holen, bedeutet für mich einen Teil von mir selbst zu geben, sozusagen als Vertrauensvorschuss. Überlegungen. Zweifel. Und am Ende: Ja, wir haben die Kraft. Und so kroch am 4.11.2017 ein gekrümmtes, nicht anfassbares Wesen aus der Box, zeigte mir die Zähne und versteckte sich unter einem Stuhl. Ein schwaches Wedeln: „Hallo Timmy“. Später: Toben im Garten, gemeinsames Fressen. Zwei ängstliche Hunde hatten innerhalb von Stunden Vertrauen zueinander gefasst. Hoffnung. 4 Wochen später: Tilda ist immer noch nicht wirklich entspannt anfassbar, ihr Gebiss weiterhin ein täglicher Anblick und Begleiter. Ihre Art zu sagen: Komm mir nicht zu nah, ich habe Angst. Aber auch: bitte akzeptiere meine Individualdistanz, ich vertraue dir noch nicht. Wir arbeiten mit dem Dummy, sie geht in den Garten, kommt wieder rein. Alles ganz selbstverständlich. Beschnüffelt mein Gesicht. Ganz in Ruhe. Aber die harte, defensive Schale ist noch da – ein scheinbar unüberwindbares Hindernis.

Wir machen einfach weiter, jeden Tag aufs Neue. Unbeirrt. Viele Menschen, die Tildas Geschichte verfolgen, beginnen zu zweifeln, werden ungeduldig. Wir nicht, denn: Tilda freut sich über jeden neuen Tag, wedelt, ja führt kleine Freudentänze auf wenn ich ihr guten morgen sage oder das Fressen bringe. Irgendwie will sie schon gerne mit Timmy und mir spazieren gehen, gestreichelt werden. Das spüre ich, wenn sie uns aus sicherer Entfernung beobachtet. Im Körbchen liegt und im Traum wedelt. Glücklich ist sie schon mal – eigentlich die beste Voraussetzung für die Arbeit mit ihr.

Mitte Dezember schaffe ich es ihr das Geschirr vorsichtig anzulegen, sie hätte mich fast dabei gebissen. Direkt danach geht es nach draußen zum ersten Spaziergang. Alles ist fremd. Aber dieser Hund ist taff, neugierig, aufgeschlossen und freudig. Lernt, vertraut, lässt sich die Welt zeigen. Heute, knapp sieben Monate nach ihrem Einzug: allumfassendes Vertrauen, immer entspannt dabei, ob beim Schwimmen in der Nordsee, auf dem Schiff, im Auto oder im Restaurant. Tiefenentspannt bei der Blutentnahme. Noch nie etwas kaputt gemacht, sehr kinderfreundlich und mit ausgezeichnetem Sozialverhalten. Bleibt nur die Frage: Wo ist der Angsthund geblieben?