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Neue Gäste, Matsch und Einsamkeit.

Wir sind wieder vor Ort! Vom 26.10.-3.11 besuchen wir das Hundelager Bucov, eines von unseren Projekten, wo wir schon einige Jahre aktiv sind.  Mit dabei ist auch der Bautrupp des Hamburger Tierschutzvereins, sowie unsere Zockerladies und zahlreiche andere Helfer. Ab dem Wochenende 28.10/29.10 sind wir komplett und dann geht es in eine anstrengende Arbeitswoche. 

Gestern Abend spät haben Aniela und ich 5 Mädels aus Deutschland in Bukarest. Auch sie begleiten den Arbeitseinsatz vom Bautrupp. Nici war schon beim Bautrupp des Tierheim Lingens mit vor Ort, für Anni, Selma, Helgrit und Melanie war es heute „das erste Mal“… Das erste Mal Bucov sehen, erleben, hören und auch riechen. Leider heute bei totalem Dauerregen und tiefer Matsche. Der Regen verzog sich aber über den Mittag zum Glück, aber Bucov machte es den neuen Gästen nicht wirklich einfach heute…

Ein gemeinsamer Rundgang konnte viele Fragen beantworten, doch man merkte, dass es in allen Köpfen viel zu denken gab… Unser Plan für heute war, dass wir uns startklar machen, so dass wir in 2 Teams mit je 3 Leuten Hunde erfassen konnten. Dazu brauchten alle erst mal eine kleine Einführung ( Wie machen wir Fotos? Wie groß ist der Hund? Welches Alter hat er? Welche Hunde erfassen wir nicht?). Das Nicht-Erfassen von dort lebenden Hunden ist immer ein Thema, was schnell zu Diskussionen führt. Wir von ProDog haben da eine sehr klare Linie gefunden, weil alles andere einfach unkalkulierbare Probleme mit sich bringt. In der Regel werden primär Hunde erfasst, die wir anfassen können. Hunde, die etwas zurückhaltend sind, aber aus der Hand fressen, und interessiert dabei sind, werden ebenfalls erfasst. Für viele Hunde ist dieser Ort einfach eine große Belastung und nicht jeder geht damit locker und leicht um und begrüßt jeden Menschen sehr ausgiebig. Hunde, die wir nicht erfassen, sind eben diese Hunde, an denen man nicht erkennen kann, dass sie bereit sind, mit uns zu kooperieren, da das eine wichtige Grundbedingung ist, um als Hund in Deutschland leben zu können. Hunde, die sehr aggressiv sind, die sehr deutlich machen, dass sie null Lust auf den Menschen haben, werden nicht erfasst. Wie auch…es ist ja kein wirkliches Rankommen. Diese Hunde sind aber sehr selten in Bucov. Es gibt Kennels mit sehr unfreundlichen Hunden, diese weichen aber meist aus, ziehen sich zurück und liegen knurrend in den Hütten. Attackiert wurde ich während all meiner Besuche nur einmal massiv, es war aber vermutlich meine eigene Schuld. Hunde, die wir auch nicht erfassen, sind Hunde, die sehr sehr unsicher sind, die panisch umher streifen und die stets nur im Fluchtmodus sind. Wir haben ab und an die Möglichkeit, auch solche Hunde auf absolut erfahrene und professionelle Plätze zu geben, aber diese Plätze sind sehr selten, weil sie mit einer sehr großen Herausforderung verbunden sind. Solche Hunde versuchen stets immer wieder zu flüchten, Leinen werden durchgebissen, jegliche Einschränkung sorgt für Panik, Kooperation nicht möglich. All diese Hunde haben nicht unbedingt traumatisches erlebt, viele haben eben einfach nichts erlebt, sie kenne es nicht, dass sie mit dem Menschen zusammenarbeiten. Für sie wäre ein Leben in einem begrenzten Gebäude, mit Regeln und Einschränkungen eine reine Tortur… Natürlich sind wir dann in der Pflicht, den Hunden es vor Ort so gut zu machen, wie es eben gehen kann… Aber heillos alles nach Deutschland einzuführen kann nicht der Sinn und Zweck vom Auslandstierschutz sein. Auslandstierschutz bedeutet eben auch, dass man Grenzen erkennt, dass man Lösungen vor Ort findet… So sind wir eben zu dem sehr klaren Entschluss gekommen, dass wir eben nicht jeden Hund erfassen, der in Bucov lebt. 

Diese Hündin war unsicher, fraß aber aus unserer Hand und ließ sich vorsichtig in der Hütte streicheln. Sie wird erfasst und ist bald in der Galerie zu finden.

Sobald wir startklar waren, zogen wir los und machten zwischen Kot, Matsche, Regen von oben weiter…Und wir haben wieder sooo viele tolle Hunde kennengelernt, von denen uns mancher wirklich die Tränen in die Augen brachte…

Eine ganz zarte Hündin…
Ein toller Rüde, der so gerne mit Helgrit schmuste.
Eine ältere Hündin, ganz ganz nett…
Marlien…Sie wird ziemlich gemobbt in ihrem Kennel…
Wunderschöne SAMBIA…
Eine nette alte Schäferdame.
Ponto, auch schon dreimal in Bucov getroffen…

Viele Hunde sind so einsam…so gelangweilt…so gestresst. Sie klammern sich an einen, versuchen, mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit des Menschen zu bekommen… Sie weinen am Zaun, klettern uns hinterher, verfolgen uns im Shelter…Viele Hunde wollen einfach begleiten, suchen eine feste Bezugsperson. Alle Menschen, die mit Hunden leben, verstehen, was ich meine. Viele Hunde ( sicherlich nicht alle!), sind erst komplett, wenn sie ihren Menschen gefunden haben, wenn sie begleiten können, wenn sie ein Team sein können. Und das fehlt den Hunden hier soooo sehr. Es macht sie anfälliger für Stress, sie sind wenig ausgeglichen, immer auf Hab-Acht Modus. Keine Bezugsperson haben zu können, schafft für manche Hunde große Unsicherheiten, die auf Dauer in einer Depression enden…Das fällt mir sehr schwer zu sehen. Vor allem erkenne ich dieses Verhalten bei Hunden, die ich schön öfters dort getroffen habe.  Als ich BASTI heute wiedertraf, war ich geschockt, ich musste zweimal hinsehen, die Ohrmarke vergleichen….Er ist es. Vor 8 Wochen war ich zuletzt dort…8 Wochen…Das sind 56 Tage. Nicht viel. Doch Zeit vergeht anders in Bucov…

BASTI, stark angeschlagen…

Ich hoffe sehr, dass wir auch für BASTI bald ein Plätzchen oder eine Pflegestelle finden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er dort den Winter packen soll….

http://prodogromania.de/bilder/index.php/Ploiesti/R-den/R-den-ab-1-Jahr/BASTI-854297805

Heute Mittag hat der Schreiner weitere Hundehütten vorbeigebracht, die er in unserem Auftrag nun fertig. Es war wirklich gut zu sehen, wer das Gesicht hinter den Hütten ist. Wir sprachen ein paar Worte auf Englisch und er bedankte sich dafür, dass wir seine Hütten bestellten.  Und mir zeigte es wieder: Auch so können wir helfen, vor Ort etwas zu verändern. Klar, wir bekommen auch Anfragen von liebe Menschen, die ihre Hütte spenden wollen, die aktuell in Deutschland steht. Aber alleine der Transport nach Rumänien würde Unsummen verschlingen und so können wir eben auch vor Ort in Rumänien Arbeitsplätze aufrecht erhalten. Die Hütten haben eine top Qualität und die kleinen Embleme vorne machen den tristen Alltag in Bucov zumindest für uns Menschen ein ganz bisschen schöner…

Wir arbeiten nun noch alle fleißig an der Galerie und treffen uns später auf ein gemeinsames Abendessen.  Morgen Abend ist dann auch der Bautrupp auf rumänischem Grund angekommen und wir starten dann mit voller Gruppenstärke durch. Morgen soll wieder die Sonne scheinen, dann erträgt sich alles sehr viel leichter, auch Bucov wohl…

 

Liebe Grüße,
Anna 

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